Montag, 1. Februar 2021

Ein Resümee unserer bisherigen Reise

Tja liebe, treue Leser das wird wohl der letzte Bericht im Blog der Seevagabunden werden. Obwohl wir schon im vorangegangenen Bericht über die Rückkehr nach Europa geschrieben haben, glomm in uns immer noch ein winziger Funken der Hoffnung auf ein Wunder. Aber dieses Wunder, halbwegs vernünftig mit den von uns erwünschten Zwischen-Stopps über den Pazifik zukommen wird sich nicht erfüllen. Viele Länder halten ihre Grenzen weiterhin geschlossen. Die Versorgungslage auf vielen Atollen ist sehr Bescheiden. Inlands Reisen sind aufgrund der Corona-Maßnahmen fast unmöglich und es wird mit zunehmender Armut der Bevölkerung auch gefährlicher. Bevor ich mit dem Resümee beginne noch ein paar abschließende Worte zu unserem Langzeit-Aufenthalt in Curacao. Und der anschließenden Überfahrt nach Saint Martin.

Nachdem wir und viele andere Segler auch, endlich alle nötigen Infos hatten, wie wir unseren Aufenthalt, es war ja Hurricanzeit, ordentlich verlängern können, ging es los, funktioniert aber nur über das Internet. Erst einmal viele Anträge ausfüllen und ausdrucken, und dann ab zur Bank und 550 Euro für uns Beide überweisen.

das haben sie von Europa gut gelernt, Bürokratie und Papier ohne Ende
 

Dann kam eine ewig lange Zeit nichts, wir konnten nur warten, nach ca. 7 Wochen kam eine Bestätigung, Aufatmen. Wir konnten offiziell für ein weiteres halbes im Land bleiben. Zwischen zeitlich haben wir uns regelmäßig mit anderen Seglern getroffen, es sind ja auch immer wieder Neue gekommen. Montag und Donnerstag früh um 9 Uhr traf man sich am Dinghy Steg und wir fuhren mit dem Shuttlebus zum gemeinsamen Einkauf und vor allem zum quatschen. Auch sind wir wandern gegangen oder haben wiedermal einen Bummel nach Willemstadt unternommen oder ein Besuch ins fantastische Aquarium gemacht. Ab und an nahmen wir auch an dem jeden Donnerstag um 17 Uhr stattfindenden, Kapitäns-Dinner teil um die neusten Infos und Erfahrungen, auch den neusten Klatsch und Tratsch auszutauschen und natürlich um gut zu essen. 

die kostenlose Fahrt zum Supermarkt hat schon Kultstatus


so langsam trudeln alle ein

die Hauptthemen: was war, was ist und vor allen wie geht es weiter


Andy (blond) aus St. Martin und Peter
reden bis der Mund trocken ist






Pamela und Martin aus Kanada 


volle Frauen-Power
beim Kapitäns Dinner



 

 

 

Hier noch ein paar Infos zur der neusten Entwicklung der Einreisebestimmungen in Curacao. Also das leidige Thema Quarantäne im teuren Hotel ist Geschichte. Hier die neuen Regeln: wer nicht von einer Niederländischen Insel kommt, muss zuerst nach Bonaire in Quarantäne. Aber vor der Abfahrt per E-Mail die Zustimmung vom Habormaster von Bonaire einholen ( gunter.flanegin@bonairegov.com ). Dann, nach absolvierter Quarantäne, kann man ohne weitere Probleme nach Curacao einreisen. Aber auch hier muss man sich die Zustimmung von Curacao per E-Mail einholen ( reisverificatie.cur@gobiernu.cw ). Ich muss aber sagen in dem Moment wo ich das schreibe kann sich schon wieder einiges verändert haben. Eins ist jedoch sicher ohne schriftliche Zusage das man kommen kann, sollte man nirgendwo mehr hinfahren denn das könnte üble Konsequenzen haben. 

Natürlich haben wir die vielen Wochen geenutzt um anstehende wichtige und auch weniger wichtige Arbeiten zu erledigen. Hier mal eine kleine Auswahl.

alle Polster Bezüge im Boot erneuern
nicht unbedingt notwendig, aber schön






Generator, Zylinderkopf wegen undichtigkeit abbauen

unbedingt notwendig, aber doof


 

 

 

Für uns ist das erste Ziel auf dem Weg nach Europa - Saint Martin. Voriges Jahr sind wir die Strecke schon einmal gesegelt, das war alles andere als einfach. Aber bevor es losgeht, bedarf es einiger Vorbereitungen. Die Zeiten wo man sich einfach ein Ziel aussuchen konnte, hinsegelte und ein klarierte sind leider dank Corona vorbei. Als erstes benötigen wir ein PCR-Test und dann noch eine Eidesstattliche Erklärung, alles zusammen müssen wir dann nach Martinique zur zentralen Einreisestelle für die französischen Überseegebiete senden und auf die schriftliche Erlaubnis zur Einreise warten. Ein Labor das den Test macht ist schnell gefunden (nur bei dem Preis mussten wir etwas tiefer durchatmen, 106 US-Dollar pro Test). Am Vormittag haben wir den Test in einem sehr modernen Labor durchgeführt und am Nachmittag hatten wir das Ergebnis (das ging schon mal erfreulich schnell). 

vor und im Labor geht es recht Locker zu
kurz warten und schon geht es los (Stäbchen gefühlt bis in das Gehirn)

Noch am Abend haben wir die Email verschickt und staune, staune am nächsten Morgen war die Antwort schon da - (in Deutsch!!! ) "herzlich willkommen in den französischen Gewässern. Jetzt konnte es los gehen. Nach acht Monaten auf Curacao fällt der Abschied doch ein bisschen schwer aber die Freude den Anker zu lichten überwiegt.

noch einmal vielen Dank an Viktor, vom OCC (Ocean Cruising Club), für die Hilfe und die guten Ratschläge 
  


Fachsimpeln mit Gerd
egal was kommt Jörg will in den Pazifik







Tschüss und Winke Winke unsere Nachbarn
Tschüss und winke winke Beate und Bernd






der letzte Sonnenaufgang in Curacao

Der kürzeste Weg nach Saint Martin hat eine Länge von ca. 350 NM, da wir aber gegen Wind, Wellen und starker Strömung kreuzen müssen, bedeutet das für uns doppelter Weg und dreifache Zeit. Unsere Hoffnung das sich der Wind nach ein paar Tagen etwas mehr nach Osten oder gar nach Süd-Ost dreht erfüllte sich natürlich nicht. Der Wind blies eisern aus Nord Ost. Um uns den Spaß endgültig zu verderben kamen noch alle paar Stunden die sehr starken Regen-Gebiete mit den Starken Windböen (so um die 30 Knoten) dazu. Da wir, um halbwegs vorwärts zu kommen, alle Segel voll gesetzt haben, hatten wir öfters mal eine äußerst bedenkliche Schräglage. Aber wir haben auch das hinbekommen und haben unser Ziel , Saint Martin, nach 10 Tagen erreicht. 

hier kommt der nächste Squall
ja und dann ist er da

 

 

 

kaum angekommen greift das

franz. Lebensgefühl - Kaffee und Croissant

Jetzt liegen weitere fünf Monate vor uns bevor wir Ende April oder Anfang Mai weiter können. Wir werden die Zeit nutzen um all die Dinge die wir immer vor uns hergeschoben haben in Ordnung zu bringen. Von Corona merkt man hier nicht allzu viel. Die Menschen haben meistens die Masken auf (auch draußen) und halten Abstand. Aber auch die meisten Geschäfte, Restaurants und Kaffees haben geöffnet. Hier lässt es sich wie in Curacao gut aushalten. Auch rüber nach St. Maarten, ob im Bus oder mit dem Schlauchboot geht es ohne Probleme. 

Auch hier verbringen wir viel Zeit mit Reparaturen und Kontrollen

Monitor geht nicht mehr, also die angeklebte Rückwand ab und Fehler suchen (wie man sieht Fehler gefunden)

auf beide Masten hoch und für die große Tour
Wanten (Stahlseile) auf Beschädigungen untersuchen








Genua (das große Vorsegel) nachnähen

Wassertank reinigen



 

 

 

Und nun ein kleines Resümee unserer Reise
Ich glaube nach 5 Jahren auf See und dem aufgezwungenen Stopp der Reise durch das Corona-Virus ist es wohl doch an der Zeit einen kleines Resümee zu ziehen. Sind wir wirklich schon 6 Jahre unterwegs?? Manchmal kommt es uns viiiiiel länger vor, manchmal fühlt es sich an, als hätten wir gerade erst die Leinen in St. Georgio, Italien (nördliche Adria) gelöst. Obwohl ich nicht so schlecht in Mathematik bin, bin ich kein Freund der statistischen Zahlen. Wie viel Wochen, Tage, Stunden, Seemeilen liegen hinter uns? Wie viel Diesel haben wir unter Motor verbrannt? Wie viele Tage waren wir in einem Hafen, wie viele auf See wirklich unterwegs? Wie oft haben wir geankert, wie oft haben wir Flüge nach Deutschland gebucht? Solche Statistiken sind sicherlich interessant aber wir können uns einfach nicht dazu aufraffen, das alles auszurechnen. Aber wir Fahren manchmal mit Staunen und Verblüffung mit dem Finger über die Landkarte unseres Sateliten-Trackers ( https://share.garmin.com/KlausPeterJaschke ). Da sind wir los, dort waren wir und hier sind wir jetzt gerade. Meine Güte, was für eine Strecke, wie viel Wasser - und was wäre unter normalen Umständen noch dazu gekommen (obwohl die 5000 NM über den Nordatlantik die demnächst anstehen sind ja auch nicht ganz ohne).


 Einige Male waren wir in dieser Zeit auch für 4 bis 5 Wochen in Deutschland und der Schweiz bei unseren Kindern und Enkel und natürlich auch bei unseren Freunden und ehemaligen Arbeitskollegen. Daheim, Zuhause – zwei Begriffe für ein und das Selbe? Unser zu Hause ist, wo unser Schiff grade herumdümpelt, also dort wo der Anker fällt.. Es gibt kaum etwas was mit soviel positiven Gefühlen ausgestattet ist wie unsere SY Hembadoo. Wenn es um Leib und Leben ging (z.B. Südatlantik) konnten wir uns im Großen und Ganzen auf SY Hembadoo verlassen. Deshalb können wir uns im Moment keinen besseren Wohnort vorstellen, egal in welchem Land und an welcher Küste.

Obwohl wir in und an unserem schwimmendem Zuhause immer viel zu tun haben, denn den Zustand: "Alles in Ordnung" werden wir nie erreichen. Was in der Marina bei der Abfahrt noch toll und proper aussieht und glänzt, ist nach 5 Jahren Atlantik oder Monate langen tropischen Flussfahrten Schrott (natürlich nicht alles). Ja da bleibt nichts anderes übrig – als den Kopf und die Finger zu gebrauchen – in meiner kleinen Werkstatt habe ich, dank Manu und Skini, ein Spruch an der Wand hängen der mein Leben bestimmt – „Alle sagten es geht nicht, doch dann kam der eine und der wusste das nicht - und tat es“. Zu behaupten, wir würden gerne segeln, wäre eine glatte Lüge - aber ein "Zuhause" mitnehmen zu können und die Welt entdecken war immer mein, unser Wunsch. Die Lieben daheim, sind so weit weg und gedanklich doch oft so nah, und Dank der modernen Kommunikationsmittel nehmen wir Anteil an ihrem Leben und Sie an unserem. Die Intervalle, in denen wir uns sehen, werden jetzt wegen Corona länger, zwei Jahre, wären es im Jahr 2021. Die letzten 5 Jahre gab es für uns kein Sommer oder Winter (bis auf das halbe Jahr in Feuerland und im Südatlantik) mehr, so hieß die Zeitrechnung meistens Regenzeit, Hurrikansaison und Sturmtage oder eben keine. Die „Hattet ihr denn schon mal einen richtigen Sturm??“ Sensationslust schwingt in dieser Frage mit. Wer unseren Blog fleißig gelesen hat weiß was wir diesbezüglich auf dem Südatlantik erlebt haben. Obwohl unser Boot sehr Seetüchtig ist, sehnen wir uns nicht nach diesen Seetagen zurück. Ich habe einen Spruch voll verinnerlicht: "Die See ist nicht dein Feind - dein Freund aber auch nicht!" Und so haben wir uns auf der gesamten Reise respektiert - bis auf die von ihr verursachten unausbleiblichen technischen Probleme ließ sie uns in Ruhe. Den Sturm im Wasserglas, an Bord, unter der Crew – den wird es immer mal wieder geben. Das bleibt gar nicht aus. Und wir gehören auch nicht zu Denen, die da sagen würden, dass es bei uns immer super harmonisch zugeht und wir als Paar in der Enge des Lebensraumes noch besser zusammen harmonieren. Wir gönnen das jedem von Herzen und freuen uns mit. Aber die offenen und ehrlichen Auseinandersetzungen haben uns oft geholfen zuallerletzt die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber wir sind halt ein Paar mit Ecken und Kanten und das schon seit 47 Jahren. Aber wir mussten feststellen das wir nach den vielen bestandenen Abenteuern und Prüfungen auch etwas ruhiger geworden sind. Was auch nicht jede(r) von sich sagen kann. Gibt es doch auch so einige Paare, die auseinanderdriften im Verlauf einer solchen Reise, die zukünftig getrennte Wege segeln oder gehen. Uns haben besonders die Landausflüge in Europa, Afrika und Südamerika sehr gut getan. Insbesondere der Bordfrau, die sich doch um ein vielfaches ausgeglichener fühlt, vieles mit neuem Blick anschaut und mehr noch genießt wie bislang. Ich aber spüre immer eine gewisse Unruhe und Rastlosigkeit (ob auf Wasser oder auf Land) in mir. Die Lust am Weiterfahren, Neues zu entdecken. Ingrid ist auch mutiger geworden, selbst in dem entlegensten muslimischen Dorf (noch schlimmer der Großstadt) traut sie sich allein zum Geldautomaten zu gehen und dann hocherhobenen Hauptes, die Geldscheine gut am Körper versteckt, mit ihrer finanziellen Beute und dem Großeinkauf von mehreren Kilos wieder zurück zum Schiff zu traben. Denn in sengender Sonne kann das schon eine echte Belastung sein. Apropos Ingrid, es hat doch eine ganze Weile gedauert, aber jetzt hat sie eine innige Freundschaft mit dem Außenborder und dem Schlauchboot geschlossen und das bekommt unser beider Freiheit sehr. Ein heikles Thema - aber ich möchte alle beruhigen, die den Sprung aus dem Heimathafen schaffen. In den meisten Gegenden dieser Erde kann man unbesorgt die Eingänge und Luken offen lassen. 100 % Schutz gibt es nicht. Sind Einbrüche für die entsprechende Gegend bekannt - lassen wir das Licht im Cockpit brennen. Das Schlauchboot holen wir grundsätzlich jeden Abend aus dem Wasser. Ich möchte mir nicht die Zunge verbrennen, aber die meisten Diebstähle kommen aus unserem eigenen Kreis - der Segler.

Piraterie ist auch ein Dauerhit. Manchmal kamen uns die Fischer verdächtig vor, dabei waren sie nur neugierig und für ein Bier und eine Schachtel Marlboro erhielten wir ein riesiges Lächeln und jede Menge Fisch. Auf die Frage wo es uns am besten gefallen hat, gibt es aus unserer Sicht eine klare Antwort: Afrika – auf den Flüssen von Senegal und Gambia, Südamerika: Brasilien, Peru, Urugway, Feuerland. Alles Naturbelassene meistens fernab vom internationalen Tourismus war unser Ding.

Hier möchte ich das Resümees erst einmal beenden. Sollte noch ein Interesse bestehen über die Technik, die sich bewährt hat, oder auch nicht, kann ich ja noch einmal ein paar Zeilen dazu schreiben.