Freitag, 24. Januar 2020

Saint Martin 2

Es kommen immer wider die Momente wo man sich die Frage stellt, wozu sitzt man Stundenlang am Computer und erstellt Routen- und Zeitpläne wenn sich dann doch wider alles ändert. So auch jetzt, wir wollten schon lange von Saint Martin weg sein. Aus den 14 Tagen Lieferzeit für die Kühlwasserpumpe des Generators sind jetzt 4 Wochen geworden. Das heißt wir verbringen nicht nur Weihnachten und Silvester hier sondern auch noch eine geraume Zeit danach.
Weihnachten hier im französischen Teil findet übrigens nur an einem einzigen Tag statt, nämlich am 25.12.. Der Heiligabend wird hier nicht gefeiert und einen 2. Feiertag gibt es auch nicht. Also ihr hattet es in Deutschland eindeutig besser (Arbeitnehmer freundlicher).
Wir nutzen den 1. Weihnachtsfeiertag, und gönnen uns ein spannendes Hörbuch und liegen einfach nur rum und genießen das Nichtstun! Für die Feiertage hatte ich von Ingrid die Genehmigung die Küche einzusauen, ich koche sehr gerne, vor allen ausgefallene Sachen, aber der Elan beim Abwaschen und aufräumen hält sich wirklich in Grenzen. Nur Camper und Segler wissen, was es heißt, ein ausgefallenes Dinner in einer Miniküche an einem 2-Platten-Herd zu kochen bzw. wissen, wie diese anschließend aussieht. Ich musste aber die Gelegenheit nutzen, denn das ist hier immerhin Frankreich und hier kann man alles an Feinkost-Zutaten kaufen und das ist nicht überall selbstverständlich. Aber das fürstliche und faule Leben hielt nicht allzulange an, denn ich hatte vor ein neues (altes) Projekt zu verwirklichen. Eine 4-Kanal Funkfernsteuerung. Zwei Kanäle sollen für die Ankerwinsch (Auf und Ab) genutzt werden. Für die beiden anderen Kanäle müssen wir uns noch was einfallen lassen. Nach der Fertigstellung ist es möglich mit einer Person das Boot zu fahren und die Ankerwinsch vom Cockpit aus zu bedienen. Das eröffnet wieder neue Möglichkeiten, z. B. das einrollen der Genua mit Hilfe der Ankerwinsch (muss aber erst einmal getestet werden). Ich habe etwas mehr Aufwand betrieben. Um die kleinen Relais auf der Leiterplatte des Empfängers zu schonen habe ich zusätzlich für jeden Kanal ein robustes 12V Relais verbaut.
Rindfleisch Stroganoff
Fenchel-Minze-Spagetti

Bratkartoffel mit Kräuter-Steak
Weihnachten heißt aber auch, dass jede Menge von diesen Superyachten unterwegs sind, die sonst für Unsummen in Marinas geparkt sind. Ansonsten, die Tage verfliegen einfach so, ohne das wir Langeweile bekommen. Und im nach hinein weiß ich gar nicht, was wir täglich so treiben.
bei Denen stellt sich die Frage, wer hat den schnellsten und größten Hubschrauber auf dem Boot

Silvester war etwas enttäuschend es war nichts los. Irgendwie feiern die Silvester hier anders oder auch gar nicht. Auch das Feuerwerk um Mitternacht fand nur professionell von 4 Hotels statt, private Knallerei gab es gar nicht und die Stadt Marigot lies sich auch nichts anmerken. Aber von Bord aus hatten wir einen tollen Überblick über alle Feuerwerke von den Hotels. Es war überhaupt nicht zu vergleichen mit Silvester im vorigen Jahr in französisch Guayana, wo wir in einer gewaltigen Lichterflut versunken sind.
Nach Silvester haben wir uns aufgerafft und sind mit dem Bus nach Philipsburg gefahren. Philipsburg besteht aus einer Strandpromenade, einer Front Street, einer Back Street (die heißen wirklich so) und zwei endlos langen Anlegepiers für Kreuzfahrschiffe. An diesen beiden Piers passen sage und schreibe bis zu 8 Kreuzfahrtschiffe und somit lebt (gefühlt) ganz Philipsburg quasi von Kreuzfahrtpassagieren. Wir haben Glück, die Geschäfte, Restaurant und Strandliegen werden heute nur von Passagieren von zwei Cruisern überlaufen. Die allgemeine Ausgehgarderobe hat auch hier wieder einen hohen Standard. Amerikaner und Briten decken sich hier auf dem Duty Free Island ein mit Uhren, Alkohol, Diamanten und sonstigem Schmuck ein. Wir huschen an diesen Geschäften ohne Interesse vorbei. Pech für die, das wir mehr auf „Dauerlottersegelleben“ stehen als auf Brilli´s. Wir geben auf und genießen in der nicht von Cruisern überlaufenen Back Street ein leckeres Stück Kuchen das wir bei einem Chinesen erworben haben, bevor wir mit dem Bus zurück nach Marigot fahren. Einheitlich stellten wir fest das dieser Ort nichts für uns ist.
nur zwei Kreuzfahrer am Pier
und damit hält sich der Andrang
an Strand und Promenade in Grenzen
die Front Street - ein Luxusladen nach dem anderen
Da war der Aufstieg zur Festung Fort Louis schon eher unser Geschmack.
Die Festung Fort Louis wurde 1789 erbaut. Mehr über die Geschichte und dem hin und er der Eroberungen der Insel erfahrt ihr unter anderem hier – https://www.meetcaribbean.de/geschichte-sint-maartensaint-martin-splitter-europa.
Der Aufstieg ist teilweise etwas steil und bei praller Sonne auch etwas anstrengend. Aber wenn es geschafft ist hat man einen tollen Anblick auf der Küste, die Marina und auf der Stadt Marigot. Auch wenn es hier meist nur noch Ruinen zu sehen gibt, kann man doch einen Eindruck dessen gewinnen wie es einmal gewesen sein muss. Schön auch weil es hier in der Regel nicht all zu voll ist.
vom Dinghy-Steg geht es hoch
zum Fort Luis
laufen und klettern ist für Segler nicht leicht
aber die Aussicht ist der Hammer
findet auch Ingrid
gibt es etwa einen neuen Herrscher
vergiss es, hier herrscht nur eine - Ich !
oje, da hilft nur ein Schluck aus der Flasche
Eine weitere Unterbrechung des Alltagstrotts war die Fahrt zur Tankstelle. Wir sind ja schon oft mit dem Dinghy vorbeigefahren und wissen das es einmal sehr schmal ist (umdrehen können wir vergessen) und auch die Strömung und die Wellen heftig sein können. Deswegen sind wir gleich rückwärts in den Kanal gefahren obwohl es halbwegs ruhig war haben wir drei Anläufe gebraucht um so anzulegen wie es unserer Plan war (ein Langkieler und rückwärts fahren werden keine Freunde).
Was lange währt, wird endlich gut!
Der Wetterbericht hat starken Wind für ein paar Tage, in Böen über 40 Knoten angesagt. Der wehte von der Mitte des Atlantik bis in das gesamte Karibischen Meer. Es war genug Zeit damit sich im Atlantik richtig hohe Wellen aufbauen konnten (7 Meter), die aus Richtung Norden kamen.
In der Nacht werden wir von ungewohntem Geschaukel wach. Draußen pfeift nicht nur der Wind, nein, wir haben das Gefühl, nicht vor Anker in einer Bucht zu liegen sondern auf der Atlantiküberfahrt zu sein. Wir können, Gott sei dank, (fast) immer schlafen und so lassen wir uns erst mal durch Rauf und Runter, Rechts- und Links Geschaukle nicht stören. Früh machten wir uns doch ein paar Sorgen unserer Anker und auch der vom Nachbar Katamaran hat etwas nachgegeben. Da gab es nur eins, Anker hoch und wieder ein paar Meter vor fahren und mehr Kette rauslassen als sonst üblich. Jetzt fühlten wir uns für die nächsten zwei Tage sicher. Doch dann wurde es völlig verrückt. Der Wind aus Ost hat nachgelassen und die hohen Atlantik-Wellen liefen abgebremst nur durch die Insel Anguilla im Norden mit einer Höhe von immerhin noch 2 m in die Bucht. In dem flachen Wasser begann sich der Wellenkamm zu brechen. Da wir die Wellen von der Seite bekamen hat es uns gewaltig hin und her geschaukelt. Aber unsere größte Sorge war das wir auf Grund aufsitzen. Bei einer Wassertiefe von ein klein wenig über 4 m haben wir im Wellental nicht mehr allzu viel Wasser unterm Kiel. Eine Weile beobachteten wir fasziniert wie die Brecher, in die Bucht rollten. Dann gab es plötzlich ein Ruck und ein Knall unsere 20 mm Ankerkettenzugentlastung war gerissen. Unglaublich, das passiert wohl nur hier in dieser Bucht vor Marigot. Jetzt habe ich endgültig die Schnauze voll und das heißt Motor an, Anker hoch, um die Marina herum in Richtung Industriehafen zu den dort parkenden Superyachten. Wir haben dann relativ dicht am Ufer geankert und hier war dann Ruhe. Mit heißem Tee, auf der Salon Couch und einem spannenden Spielfilm vertreiben wir uns diesen außergewöhnlichen Karibiktag.
die Wellen kommen reingerollt
wie bei einem mini Tsunami
am Dinghy-Dock haben die Wellen Boote unter den Anleger gedrückt
Apropos heißer Tee, es ist Winter in der Karibik.
Ja, richtig gelesen, auch in der Karibik ist Winter! So ca. seit Dezember…
Das heißt, die Tagestemperatur liegt nur noch bei 27/29 Grad – das hat den Vorteil, dass man nicht mehr klatschnass geschwitzt ist. Die Nachttemperatur liegt bei ca. 25 Grad – auch schön, man wälzt sich nicht mehr im eigenen Saft, sondern muss sich zwischen durch sogar mal zudecken. Natürlich nur mit einem dünnen Laken! Abends im Cockpit müssen wir bei Wind schon mal lange Hosen und ein dünnen Pullover drüber ziehen. Früher in Deutschland hätten wir darüber nur gelacht und ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Aber es ist erstaunlich wie man sich an die hohen Temperaturen gewöhnt und unsere wohl fühl Temperatur liegt um einiges höher als früher. Wenn ihr einen afrikanischen Studenten mit dicker Jacke und Mütze im Sommer seht – der friert wirklich.
Die Wassertemperatur ist leider auch gesunken auf 25/26 Grad – das ist unschön! Für mich zumindest, denn nun muss ich mich ein wenig überreden, in diesem kalten Nass zu baden (ich bin der absolute warm Duscher).
selbst Sau-Wetter ist Sehenswert
Es ist der, 15.01.2020 es sollte ein großer Tag werden, wir bekamen eine E-Mail mit der Info das unsere Kühlwasserpumpe angekommen ist. Sofort schwangen wir uns in das Dinghy und fuhren in die Niederlande um sie abzuholen. Voller Vorfreude habe ich den Karton geöffnet und die Pumpe heraus genommen. Oh Schreck, keine Dichtung dabei, aber das war kein allzu großes Problem. Viel schlimmer, es fehlte ein kleines Röhrchen so ca. 1,5 cm das mit Feingewinde in die Pumpe eingeschraubt wird und auf dem dann ein dünner Schlauch geschoben wird. Das kann sich keiner vorstellen wie wir uns die Hacken abgelaufen haben um jemanden zu finden der auf ein kleines Röhrchen Feingewinde schneidet. Unser erster Anlaufpunkt war Veronika bei ihr waren wir ja schon beim ersten mal um die Pumpe reparieren zu lassen. Wie beim ersten Mal ist Sie mit uns von einem zum anderen gelaufen, was fertiges war aber nicht zu holen. Für das Anfertigen des kleinen Röhrchens wollten sie 40 US-Dollar. Das wollte ich aber überhaupt nicht einsehen also sind wir losmarschiert keiner konnte oder wollte (lohnt sich nicht) uns weiterhelfen. Zum Schluss sind wir in einer winzigen Schlosserei gelandet der hat einfach auf ein fertigen Schlauchanschlussstück aus Messing Feingewinde geschnitten und mit Teflon eingeschraubt. Dann wollte er 30 US-Dollar, für 10 gesparte Dollar sind wir 4 Stunden durch die staubigen und heißen Gassen gezogen. Das war definitiv ein schlechtes Geschäft. Bei F.K.G. Marine Rigging (Veronika) dagegen hätten wir in einem klimatisierten Raum bei einer Tasse Kaffee auf die Fertigstellung warten können. Aber zu guterletzt ist alles gut, wir haben etwas für unsere Fitness getan und der Generator läuft wie ein Bienchen.
"Vroni" - egal was kommt immer Hilfsbereit
die Füße schmerzen, aber letztendes alles gut
Jetzt wird es aber Zeit das wir hier (bevor wir Wurzeln schlagen) verschwinden.
Oder anders ausgedrückt Anker hoch und ab in die nächste Bucht. Ganze 5 Seemeilen haben wir uns somit schon mal von der Marigot Bay entfernt und liegen nun in der rolligen Anse Marcel. Vor uns ein Strand mit 3 Hotels und ca. 250 Liegestühlen. Hier also wird ein Teil der 3-4 mal wöchentlich von Amsterdam oder Paris startenden Urlauber abgelegt – ha ha. Auch wenn sich das jetzt nicht so liest, aber es sieht wirklich recht hübsch aus. Es ist wirklich nett hier. Sogar eine Strandbar gibt es, die reizt natürlich. Aber unser Dinghy ist so gut verschnürt, das wollen wir nicht extra wieder zu Wasser lassen. Außerdem ist zu fürchten, dass die Bierpreise an dieser Strandbar nicht in unser Budget passen. Schnell schlage ich im Internet mal den Hotelpreis für das hier ansässige Riu Palace All Inclusive Hotel nach. Oh, Oh: eine Übernachtung inkl. AI kostet Schlappe 437,00 Dollar, das heißt, eine Woche kostet über 3000 Dollar.
Also am nächsten Tag gleich nach dem Frühstück weiter zur Îlet de Pinel. Hier haben wir wider das volle Karibik Urlaubsfeeling. Das heißt glasklares Wasser, Schildkröten, Strandbar und ein paar Charter-Katamarane.
der Anblick tut den Augen gut
Aber mehr als zwei Tage werden wir uns auch hier nicht aufhalten dann geht es ab nach Deshaies auf Guadeloupe. Das Wetter hat sich gerade so verschlechtert das wir gar kein Wind haben und wenn doch ein kleines bisschen vorhanden ist kommt er noch aus südlicher Richtung. Aus diesem Grund werden wir Motoren müssen und legen noch ein kurzen Zwischenstopp auf der Vulkaninsel Montserrat ein.

Freitag, 20. Dezember 2019

Zurück zu den kleinen Antillen

Noch etwas vorab. Aufgrund von einigen Nachfragen, noch einmal ein Hinweis zu unserer Anzeige „aktueller Standort“ im Blog. Nach dem öffnen wird immer nur der letzte Reiseabschnitt und der aktuelle Standort angezeigt. Erst wenn ihr auf den Button (rechts oben in der Karte) „alle Tracks anzeigen“ anklickt seht ihr unsere gesamte Reise. Sind kleinere Lücken in der Aufzeichnungs-Linie vorhanden liegt es daran das wir vergessen haben entweder den Sateliten-Tracker einzuschalten oder das Ladekabel anzuschließen.

Dienstag, der 12.11.19 Tschüss Klein Curacao

Auch wenn der Aufenthaltsort noch so schön ist irgendwann müssen wir weiter denn es gibt noch soviel zu entdecken. Also Anker auf und los. Die paar Meilen von Klein Curacao nach Bonaire sind wir komplett gegen den Wind mit Motor gefahren. Das Großsegel hatten wir nur gesetzt um das Boot in den Wellen etwas zu stabilisieren. In Kralendijk / Bonaire, zum zweiten mal angekommen, haben wir gehofft eine der Mooringbojen vor der Promenade zu bekommen. In die teure Marina wollten wir nicht noch einmal. Hurra, wir hatten Glück und haben noch eine freie Boje erwischt. Hier liegt man in Reih und Glied vor der Promenade von Kralendijk – wir fühlen uns wie aufgereiht an einer Perlenschnur. Damit sind wir zwar mitten im Geschehen, aber haben dafür nur ganz kurze Dinghystrecken, wenn es wiedermal heißt: Supermarkt oder Happy Hour.

Hembadoo an der Mooring
und nicht weit weg das Dinghy-Dog
Der Liegeplatz ist natürlich nicht zu vergleichen mit dem vor Klein Curacao, die Schildkröten fehlten aber jeden Tag schwimmen ist auf jeden Fall möglich denn das Wasser ist wie wir schon beim erstenmal festgestellt haben super klar. Von Ruhe und Einsamkeit kann man hier mit Sicherheit nicht reden. Selbst Nachts ruht der Ort recht spät, entweder die Karaokemusik schallt noch lange zu uns rüber oder diverse Krafträder mit extra lauten Auspuffen heizen des Nachts hier die Straße lang. Jeden Tag liegen hier ein oder zwei Kreuzfahrtschiffe und schon schwappen mal Fünf bis Sechstausend Touristen auf die Insel. Es scheint Hauptsaison für Kreuzfahrer zu sein.
Die Hauptstraße von Kralendijk sowie die ansässigen Kneipen, die Wassertaxis nach Klein Bonaire, das Tauchboot und die Charter-Katamarane sind dadurch immer rappe voll.

auf ganz Bonaire gibt es keine Hochhäuser
außer hier
Hier vor der Promenade lernten wir Hans und Katrin von der SY Esmeralda kennen. Hans ist Arzt und Ingrid hat sofort die Gelegenheit genutzt und sich in Behandlung begeben. Die beiden haben auch ein sehr Ambitioniertes Ziel, sie wollen von hier gegen Wind, Strömung und Welle nach Brasilien und weiter in den Süden. Unser Blog hat sie für dieses Vorhaben noch mehr motiviert. Interessant fanden wir auch die Reisepläne von Pia und Köbi, die beiden Schweizer wollen mit ihrer Yacht Lupina auch 2020/21 durch den Panamakanal in den Pazifik. Vielleicht gibt es ein Wiedersehen in Panama.
Die beiden großen guten Supermärkte sind zu Fuß ca. 20-30 Min. entfernt und die letzten beiden Tage haben wir damit verbracht, einen großen Teil von deren Lebensmittel zu uns an Bord zu transportieren. Denn die nächsten 1-2 Wochen werden wir ohne Nahrungsnachschub auskommen müssen, da wir uns morgen hier vom Acker machen werden und zwar ohne genau zu wissen, wo wir und wann wir irgendwo landen werden. Geplant sind ein Zwischenstopp auf ein oder zwei einsamen Inseln von Los Roques die zu Venezuela gehören um dann einen besseren Windwinkel in Richtung Nord/Ost nach Saint Marten zu haben. Wir haben nämlich keine Lust, hier vor Bonaire ewig auf das richtige Wetterfenster zu warten (zumal die Mooring jede Nacht 10 Dollar kostet).

Mittwoch, der 20.11.19 Tschüss Bonaire

Am 20.11.19 pünktlich um 09.00 Uhr lösen wir die Leinen von der Mooring Boje. Und tatsächlich erwartet uns weiter draußen schwacher Wind wie vorhergesagt und aus der falschen Richtung, nämlich genau aus der, in die wir wollen. Aber auch das war vorhergesagt. Und wie wir so mit Motorkraft unterwegs sind kam uns die Erkenntnis das wir doch gleich nach Nord/Osten können denn den Diesel verfahren wir so oder so. Ein paar Wochen später wussten wir das diese Entscheidung die richtige war. Denn die Hoffnung das sich der Wind auf Ost oder gar Süd/Ost dreht (hatten wir in Curacao oft) erfüllte sich überhaupt nicht. Aber für das erste Viertel der Strecke war der schwache Gegen-Wind gut denn wir hatten zum Teil drei Knoten Gegenstrom (wir kamen uns vor wie auf einem Fluss).
und hier waren sie wieder, unsere treuesten
Begleiter - Delphine die viel Spass haben
anfangs hatten wir genügend Zeit zum Angeln
Aber je weiter wir nach Norden gekommen sind nahm der Gegenstrom etwas ab und der Wind legte ordentlich zu und immer schön aus Nord/Ost die Wellen wurden immer höher es fing an zu regnen und rund um uns Blitz und Donner. Das war alles andere als gemütlich, eher nervig Aufgrund des miserablen Wetters. Wir waren schon drauf und dran nach Martinique abzudrehen. Aber nach einem längeren Schlag nach Osten und mit Motorunterstützung haben wir es doch noch nach St. Marten geschafft. 


Angekommen in Sint Maarten bzw. Saint Martin,

Land in Sicht - Sint Maarten (Königreich der Niederlande)

da wir auf die französische Seite in der Marigot Bay wollen. Am Sonntag, den 24.11, nach 4 1/2 Tagen werfen wir morgens gegen 10.30 Uhr auf der französischen Seite in der Marigot Bay den Anker. Am Montag auf dem Weg in Richtung Land um einzuklarieren machten wir einen kurzen Stopp an der deutschen Yacht Tanamera bei Birte und Wolfgang. Sie gaben uns den Tipp zum Boots-Ausstatter Island Water World zu gehen um uns anzumelden. Wir verabredeten uns noch zu einem Treffen am Abend und dann marschierten wir los.
mit Birte und Wolfgang im Gespräch
Das anmelden geht hier tatsächlich sehr einfach und der französischsprachige Computer ist auch kein Problem. Wir geben die Daten im Computerterminal ein, es erfolgt ein Ausdruck der vom Laden Mitarbeiter kurz geprüft, gestempelt und unterschrieben wird. Und mit einer Spende von 2 Euro für die Seenotrettung ist alles erledigt.
Einklarieren mal anders (ohne Behörde)
Ja, hier gibt es wieder Euro und, da wir ja im Prinzip in Frankreich sind auch einen gut sortierten Supermarkt mit europäischen Waren. Er ist nicht gerade billig, aber dafür bietet er ein reichhaltiges Angebot.
Sint Maarten bzw. Saint Martin ist etwas ganz Spezielles: Sie ist die kleinste Insel der Welt, die zu zwei Ländern gehört, der Süden als autonome Region innerhalb der Niederlande, der Norden als Teil Frankreichs. Einsame Strände gibt es nur wenige, dafür findet man auf nur 88 km² fast alles, wofür die Karibik steht. Und die Menschen hier sind dankbar darüber, dass wieder richtig was los ist, denn erst vor kurzer Zeit war alles ganz anders. Als am 6. September 2017 “ Irma „ , der stärkste Atlantik-Hurrikan in der Geschichte, über die Insel fegte, ging das Leben für die Einheimischen im wahrsten Sinn unter. Es war ein Kategorie-5-Hurrikan mit einer konstanten Windgeschwindigkeit von 280 km/h. Bis zu 95 Prozent der Gebäude wurden beschädigt und 60 Prozent waren unbewohnbar, die Wirtschaft, deren Einnahmen zu 90 Prozent aus dem Tourismus stammen, lag am Boden. Mittlerweile herrscht größtenteils wieder Normalität, der Aufbau ist in vollem Gang und Dank viel Unterstützung seitens der Mutterländer sowie der EU funktioniert wieder fast alles. Manche Hotels konnten wieder in vollem Umfang eröffnen, manche werden noch restauriert.
Die Touristen sind jedenfalls wieder da. Das sieht man auch am Hafen von Philipsburg, der Hauptstadt des holländischen Teils, durch deren Gassen sich Dank Zollfreier Zone wieder Menschenmassen schieben. Vier riesige Kreuzfahrtschiffe liegen hier oft gleichzeitig vor Anker. Trotz der Kurzbesucher sind die Reedereien besonders beliebt, waren sie doch die ersten, die nach dem Hurrikan nicht nur Versorgungsgüter, sondern auch zahlende Gäste wieder auf die Insel brachten.
noch nie haben wir so viele zerstörte und
gesunkene Yachten gesehen wie auf dieser Insel
schwere Werkstatt-Container blieben nicht verschont
viele abseits stehende Gebäude sind noch zerstört
sehr viele Yachten wurden schon aus dem Wasser geborgen und auf Sammelplätze abgestellt

 

Maho Beach – ein total verrückter Strand an der Landebahn

Der Princess Juliana International Airport ist aber längst auch wieder voll intakt, was nicht unwichtig ist, ist er doch die bekannteste Attraktion der Insel. Keine zwanzig Meter über den Köpfen von Badetouristen am berühmten Maho Beach setzen die Flugzeuge zur Landung an. Noch spezieller sind jene Urlauber, die sich, meist nach mehreren Cocktails in den angrenzenden Bars, direkt an den Zaun stellen, wo die startenden Jets wegen der nahen Berge mit vollem Schubstrahl loslegen müssen. Wir standen zehn Meter weiter weg und spürten noch immer den heißen, nach Kerosin stinkenden Sandsturm. Das sind Eindrücke, ich glaube die vergisst man nie.
die Warnung ist klar und deutlich, es interessiert nur keinen
ja wo bleiben die denn und wann kommen sie
na da kommt ja einer
sowas giebt es nirgendwo sonst auf der Welt
Flugzeuge gucken macht durstig
das sind die härtesten, vorbereiten zum Start
noch dichter gelingt kein Foto
Ein wichtiger Grund weshalb wir nach Sint Maarten wollten. War unsere Weihnachts-Einkauf-Tour. Da unser großer 6,5 kW Generator beim Starten ein paar kleinere Macken zeigte wurde uns klar das wir unbedingt ein kleinen Ersatzgenerator benötigen. Wir brauchen unbedingt ein 230V Generator für den Wassermacher. Wegen der Einschaltstromspitze der Hochdruckpumpe funktioniert unser 2 kW Inverter nicht. In Curacao konnten wir keinen auftreiben. Aber hier beim Bootsausstatter leuchtete uns der 2,2 kW Honda Generator schon entgegen. Mit dem Rabatt den wir noch bekamen war er billiger als in Deutschland.
und wir dachten das reicht zu Weihnachten
Probelauf erfolgreich absolviert

Kaum das wir den Generator erfolgreich getestet und anschließend konserviert und ihn gut und fest verstaut haben geht doch von unserem großen Generator mit einem jämmerlichen Quietschen die Wasserpumpe kaputt. Gut das wir einen Ersatzgenerator besitzen. Also wieder ausgepackt und endkonserviert. Damit dieser Tag auch wirklich ein besonderer wird geht es fröhlich weiter. Nachdem ich schweißgebadet am noch warmen Generator die Wasserpumpe ausgebaut habe bin ich unter die Dusche gegangen. Wie man halt so duscht erst mit klaren Wasser dann voll mit Shampoo eingeseift und schön in Ruhe abspülen. Doch Ups, kein Wasser mehr. Wasserhahn aufgedreht geht auch nicht. Voll eingeschäumt bin ich dann quer durchs Boot zum Naviplatz und habe nachgeschaut ob die Sicherung gekommen ist, aber alles ist Okay. So ein Mist aber auch, die Druckwasserpumpe ist kaputt. Da bleibt nur noch eins mit der Fußpumpe und einer Tasse das Duschen (abspülen) zu beenden. Nach dem Ausbau der Druckpumpe habe ich festgestellt das der kleine Druckschalter nicht mehr funktionierte. Also gingen wir am nächsten Tag auf große (eigentlich kleine) Einkaufstour. Dazu fuhren wir mit dem Dinghi über die Simpson Bay Lagoon (Binnen-Salzwasser-See) durch die Simpson Bay Causeway (große Brücke) hindurch in den niederländischen Teil der Insel zu den großen Laden von Island Water World. Das war wie im Schlaraffenland, nur nicht so billig. Als erstes viel uns ein 9,8 PS Außenborder von Nissan auf, er war im Sonderangebot (übrigens hier ist alles Steuerfrei) mit zusätzlich 25% Rabatt da konnten wir nicht wiederstehen. Zumal Ingrid es nicht geschafft hat unseren 6 PS Yamaha anzureißen. Jedenfalls den Nissan zu starten ist ein Kinderspiel und weil es gerade so gut lief kauften wir auch gleich ein neues 2,9 Meter langes, UV festes Schlauchboot aus Hyperlon. Damit haben wir unser Weihnachtgeschenke Budget bei weiten überschritten. Jetzt war da ja noch unsere Druckwasserpumpe. Als ich den Preis von dem Druckschalter gesehen habe bekam ich fast Schnappatmung, der war nicht weit weg vom Preis einer neuen Pumpe und an dem Ding ist nichts besonderes dran. Da gibt es nur eins Augen zu und durch.

Planänderung - ein neues Dinghy mit Motor
so ein kleiner Plastik-Schalter und so ein Preis

mit dem alten Dinghy im Schlepp ist alles gut
die leichtbauweise (Alurumpf) erleichtert das Anheben
Das mit der Kühlwasserpumpe vom Generator gestaltete sich etwas schwieriger. Wir sind zu F.K.G. Marine Rigging gegangen und versuchten unser Glück die Pumpe da zu reparieren. Eigentlich können die fast alles anfertigen und reparieren aber nicht unsere Pumpe. Veronika eine super freundliche Deutsche ist mit uns von einem zum anderen gelaufen aber es war nichts zu machen. Aber wir bekamen den entscheidenden Tipp zur Firma Electec zu gehen und unser Glück dort zu versuchen. In der Werkstatt erklärten sie uns das sie zwar die Kugellager wechseln könnten aber nicht die Wellendichtung. Wir sollen aber ein paar Häuser weiter in den Verkaufsladen gehen und dort können wir eine neue Pumpe bestellen. Gesagt, Getan – wir waren überrascht wie groß der Laden war und über die Fülle von Ersatzteilen. Die Pumpe bestellen war auch kein Problem sie kommt in 14 Tagen aus den USA. Und so lernen wir nach und nach die Werktätige Bevölkerung von St. Martin kennen.
Ingrid ist jetzt ständig in Frankreich oder den Niederlanden unterwegs

übrigens die Simpson Bay Lagoon ist auch ein
Parkplatz für die Superyachten der Super-Reichen


Und zum Schluss wünschen wir noch allen Lesern schöne und geruhsame Weihnachten und einen guten Rutsch in das Jahr 2020.

Fortsetzung folgt.