Mittwoch, 12. Februar 2020

Montserrat-Guadeloupe-Martinique

Montserrat

Jetzt geht es los, unser Karibik-Insel-Hopping kann beginnen. Unser nächstes Ziel ist die Vulkaninsel Montserrat. Eigentlich wollten wir nur dicht vorbei fahren und uns den Vulkan und seine Zerstörungen anschauen, doch dann haben wir erfahren das Rainer und Regine mit der SY Trot dort vor Anker liegen. Es war völlig klar das wir die Beiden besuchen. Umso näher wir kamen um so ungemütlicher wurde es. Die Wellen donnerten mit einem Riesen Getöse auf den Strand und gegen die Felswand. Auf den ersten Blick sah es aus als ob die SY Trot ganz dicht an der Felswand ankert, mitten im totalen Wellen-Chaos. Später als ich mit dem Dinghy zu Ihnen fuhr war zu erkennen das sie zum Felsen noch genügend Platz hatten. 
von weiten sieht es
ziemlich spektakulär aus
Eigentlich wollten wir alle an Land, doch die Wellen rauschten in die Bucht und gegen den Dinghy-Steg, das wir um das Wohl unseres Schlauchbootes fürchteten. Also kein einklarieren und kein Landgang. Nach einem ausgiebigen Schwätzchen trennten sich wieder unsere Wege. 


was ist los Inge, kommst du nicht mit

bei den Wellen an dem rostigen Steg?
Sie wollten weiter nach Norden (Kuba) und dann nach Panama und wir ja nach Süden und dann nach Panama. Die Wahrscheinlichkeit das wir uns im Herbst auf den San Blas Inseln, bei den Kuna-Indianern, wieder treffen ist sehr, sehr groß. Wir fuhren dann vorsichtig dicht an der Küste nach Süden zur zerstörten Hauptstadt Plymouth. Vor Jahren waren wir auf dem Vesuv und in Pompeji, irgend wie hat uns das ganze daran erinnert. Nur das der Vulkan hier wesentlich mehr Qualmt und Rumort als der Vesuv. Irgendwie hat man das Gefühl er könnte jeden Moment wieder ausbrechen. 
die Polizei ist immer dabei
das sieht schon sehr wild aus
von einigen verbliebenen Häusern schauen nur noch die Dächer heraus
Hier ein paar Fakten: Die Insel Montserrat ist die südlichste (letzte) der Inseln unter dem Winde. Auf einer Fläche von 102 km² wurde dieses britische Überseegebiet (verwaltet von einem Gouverneur), aufgrund seines Charakters als "smaragdgrüne Insel der Antillen" bezeichnet. Es ist wahr, dass auf diesem kleinen Territorium die Üppigkeit der Vegetation an den vulkanischen Hängen nur durch die Artenvielfalt (insbesondere der Vogelwelt) übertroffen wird. Dort wurden auch drei Kolibriarten identifiziert, während es auf den anderen Karibikinseln in der Regel nur zwei gibt. Bis 1994 genoss diese Insel einen starken touristischen Ruf, der viele amerikanische, britische und kanadische Rentner dazu veranlasste, sich dort niederzulassen. Die Sedimentschicht der sandigen Buchten ist vulkanischen Ursprungs und schwarz, mit Ausnahme eines Strandes im Norden, unserem Ankerplatz, der von Korallenriffen umschlossen ist und ein idealer Ort zum Tauchen ist. Diese fast idyllische Darstellung sollte in keiner Weise darüber hinwegtäuschen, dass diese Insel, wie viele andere Inseln in der Karibik, zahlreichen Naturgewalten (Vulkanausbrüche, Hurrikans usw.) und damit einer Gefährdung ausgesetzt ist.
Im Juli 1995 brachen nach mehr als 20.000 Jahren Inaktivität die Soufriere-Hügel (heute grauer Vulkan genannt) aus. Dies führte zur Entstehung einer Vulkankuppel, von Trümmern, Laharen und allgemein feurigen Wolken. Seit den Katastrophen von 1995 und 1997 ist von der Hauptstadt Plymouth nur noch wenig übrig. Die zwei Ausbrüche des Soufrière Hills Vulkans hinterlassen sie von Lava und Asche überformt wie einen Geist in der sattgrünen Landschaft: Beinahe zwei Drittel der ohnehin kleinen Bevölkerung musste die Insel verlassen und ein Großteil der Fläche ist unbewohnbar. Ein Befahren der Küstengewässer ist riskant, da keine aktuellen Seekarten vorliegen. Im weitem Umkreis auf See ist der Geruch von Schwefelwasserstoff wahrnehmbar. Seit dem 8. Januar 2007 ist der Vulkan wieder aktiv. Der Südteil der Insel ist seither erneut gesperrt.
Des weiteren litt die Insel Montserrat in ihrer jüngsten Geschichte unter Schäden durch Wirbelstürme. 1979 (David), 1989 (Hugo) und in jüngerer Zeit 1995 und 1998 (Luis und Georges) haben die Wirbelstürme ihre Küstenstreifen mit Gewalt umgeformt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Während des Hurrikans Luis im Jahr 1995 ist der Strand von Fox's Bay (Westküste) um mehr als 20 m zurückgegangen, während er jedes Jahr um durchschnittlich 2,3 m schrumpft.
Man kann nur staunen was die hiergebliebenen Einheimischen für Nerven haben um das auszuhalten.



Guadeloupe
Unser Segelrevier ab jetzt: Die „Inseln über dem Winde“ im Karibischen Meer. Wir nehmen Kurs auf Guadeloupe und ihre Nachbarinseln im Karibischen Meer.
Guadeloupe, von den Einheimischen auch Gwada genannt, ist ein Übersee Departement und eine Region Frankreichs, bestehend aus einer Gruppe von neun Inseln der kleinen Antillen innerhalb der Inseln über dem Winde in der Karibik.
Guadeloupe ist ein voll integrierter Teil des französischen Staates und damit auch Teil der Europäischen Union. Zusammen mit Martinique bildet es die Französischen Antillen.

Unser konkretes Ziel ist die kleine Stadt Deshaies.

Sie liegt im äußersten Nordwesten der Insel. Es ist eine tief eingeschnittene Bucht mit guter Ankermöglichkeit vor der kleinen Stadt. Deshalb hoffen wir auf ruhiges liegen mit wenig Schwell und es war auch so, obwohl wir etwas weiter draußen ankerten, denn die Bucht war rappe voll mit Yachten. Bei unserem ersten Landgang stellten wir fest das es hier gute Einkaufsmöglichkeiten und nette Restaurants, die direkt am Strand liegen, gibt. Der auf vielen Seekarten verzeichnete Dinghy-Steg wurde erneuert und man landet genau vor einem guten Bäcker. Im südöstlichen Teil der Bucht gibt es einen kleinen Dinghy Hafen, geschützt hinter einem Wellenbrecher. Vor der Einfahrt mündet auch der Fluss Deshaies, der dem Ort den Namen gibt.

bei einem Ausbruch haben wir ein Logenplatz
der kleine Dinghy und Fischerhafen
wo kann man denn einklariren, hier nicht
hier auch nicht
aha, hier in der Polizeistation
in der Zwischenzeit ein kleines Schwätzchen
Bananen sind hier keine "Bückware"
morgen früh geht es weiter
und das Foto vom Fünftausendsten, fotografierten Sonnenuntergang wird natürlich auch gut
Wir haben uns nicht lange in Deshaies aufgehalten unserer nächster Stopp sollte in der Nähe der Pigeon-Inseln (Grand Îlet, Petit Îlet) sein, denn hier erstreckt sich das Cousteau-Reservat. Das verdankt seinen Namen dem berühmten Kommandeur Jacques Yves Cousteau , der Ende der 1950er Jahre dieses unglaubliche Meeresschutzgebiet entdeckte. 50 Jahre später wurde ihm sogar eine Bronzebüste des Kommandanten zu Ehren im Herzen des Dutzend Meter tiefen Korallengartens angebracht. Für ein Taucher oder Schnorchler ist dieses ein wahres Paradies. Aber was für eine Enttäuschung. Gegenüber auf der Basse-Terre (PTE Maledure) ist alles voller Motor- und Segelyachten, vor und zwischen den kleinen Inseln Grand Îlet und Petit Îlet ist ein Riesen Betrieb (Badende, Schnorchler, Glasbodenboote, Wassertaxis), es ist kaum zu glauben das das ein Naturreservat ist. Aber eins war ganz sicher, hier würden wir uns nicht aufhalten. 

die Fotos geben nicht wirklich wieder
was hier los ist
Also ging es weiter nach Süden. Zu den Inseln Terre de Haut und Terre de Bas. Erstere haben wir auch verweigert (SY Masten ohne Ende und reichlich Superyachten) In der Grand Anse der Insel Terre de Bas haben wir dann doch noch einen schönen und romantischen Ankerplatz gefunden.


eine schöne ruhige Bucht
in der Nacht kam noch ein zweites Boot
der Ausblick von unserer Terasse ist nicht der schlechteste
Aber schon am nächsten Tag gleich nach dem Frühstück sind wir in Richtung Dominica aufgebrochen. 

verdammt wieso ist der so schnell
wir haben doch auch Segel drauf
dafür sind wir für die Charterer ein tolles Fotomotiv
In der Guadeloupe-Passage hatten wir endlich mal ordentlichen Wind. Kurz vor Dominica drehte sich der Wind schlagartig komplett. Nur gut das wir den Autopiloten mit der Windfahne steuern, so hat sich nur der Kurs vom Boot verändert und es sind nicht die Segel unkontrolliert umgeschlagen (gut bei der Tracker-Aufzeichnung unter „aktuellen Standort“ zu erkennen). Dann befanden wir uns vor der Küste von Dominica. Eigentlich wollten wir vor Portsmouth, eine Kleinstadt am Indian River im Norden der Insel Dominica ankern. Aber die gesamte Prince Rupert Bay war komplett verqualmt wir konnten kaum was erkennen (auch nicht was da gebrannt haben könnte). Da wir schon vor Jahren das Rauchen aufgegeben haben wollten wir hier auch nicht wieder Qualm inhalieren. 


so sieht es aus wenn der Wind schlagartig dreht
da fehlt doch glatt der Durchblick

Also wie schon so oft geht es weiter, und zwar nach Martinique.
Durch unsere Weiterfahrt sind wir erst in der Nacht um 1.00 Uhr vor Saint-Pierre angekommen. Es war gar nicht so einfach in der Nacht zwischen unendlich vielen Yachten und unbeleuchteten Fischerbooten einen halbwegs vernünftigem und sicheren Platz zum Ankern zu finden. Aber mittlerweile haben wir genug Erfahrungen um auch das gut zu meistern.
sich hier im stock dunklen herein zu schmuggeln ist nicht ganz einfach
Ingrid hatte Geburtstag und konnte schon gleich mal die ersten lieben Grüße von Ihren besten Mädels und der Ivonne in Empfang nehmen, das war eine riesen große Freude. Nach dem guten Frühstück hieß es dann schon wieder Anker auf und weiter in Richtung Fort de France, der Hauptstadt von Martinique. Eigentlich wollten wir hier nur stoppen um dichter an den großen Einkaufszentren zu sein. Denn unser Hauptziel auf Martinique ist immer noch der Erwerb einer 220V – 4kg Waschmaschine. Doch als wir die Skyline der Stadt mit der darüber schwebenden Dunstglocke gesehen haben, und nach einem Blick durch das Fernglas, hunderte von SY Masten plus Kreuzfahrschiffe, war sofort klar, das das kein Platz für uns ist – nicht einmal für eine Nacht. Unsere letzte Hoffnung für einen vernünftigen Ankerplatz war ganz im Süden, Sainte-Anne. 

 
St. Anne hat für Segler eine große Bedeutung als Ankerplatz (Tiefen um 5 m, sandiger Ankergrund), auf den wirklich viele Yachten passen, ohne sich gegenseitig sehr zu stören sagt man. Der große Dinghy-Dock in der Ortsmitte erlaubt einen guten Zugang. Im Ort gibt es zwei kleinere Supermärkte, Bäckereien, Restaurants etc..
In Sainte Anne kann ein- und aus klariert werden und zwar im Imbiss Boubou links neben der Kirche, vom Dinghy-Dock ca. 200 m.

unser erster Akerplatz, schön aber weit weg
so ein großes Dinghy Dock haben wir noch nicht geshen
links neben der Kirche ist der Boubou

Gleich nach der Ankunft der erste Schock hier ankern tausende Yachten (bei Google Earth – „aktuellen Standort“ weit vergrößern – kann man sich ein ungefähres Bild davon machen). Um uns aus der Fülle etwas raus zuhalten, ankerten wir etwas außerhalb bei Pte Dunkerque. Aber das hatte mehrere große Nachteile. Es war sehr weit um mit dem Dinghy zum einkaufen zu fahren und auch ziemlich Wellig. Aber kaum das wir den Anker im Grund hatten kam schon der erste Besuch, es waren Romina und Martin von der SY Flow. Wir hatten für sie in Saint Martin Petroleum besorgt. Jetzt können sie wieder ihren Herd benutzen.
Romina und Martin von der SY Flow
Am nächsten Tag haben wir erst einmal eine Erkundungsfahrt unternommen. Wir wollten unbedingt Johann mit seinem Trimaran (Boot mit drei Rümpfen) treffen (den wir seit Rio kennen) und auch Birte und Wolfgang von der SY Tanamera, was uns auch gelungen ist.
Johann mit seinen
Trimaran



Birte und Wolfgang haben zum Kaffee eingeladen
Magi und Klaus von der SY Karukera waren auch dabei



und es wurden Geschichten erzählt, der Fisch war so groß
na ja, vielleicht auch bloss so groß

Ganz nebenbei lernten wir auch noch Susi und Tom von der SY Juliane kennen ( treffen uns wahrscheinlich noch mal in Saint Lucia). Und das allerbeste war, gleich hinter der SY Juliane sind zwei Catamarane weg gefahren und es war ein großer freier Platz vor dem Strand von Club Med. Wir natürlich sofort zurück, Anker hoch und mit SY Hembadoo vor den Strand gefahren. Jetzt waren wir, und vor allen unsere Augen, wirklich zufrieden, denn vor uns lag der mit Palmen bewachsene Strand vom Club Mediterranee dessen flache Gebäude vor lauter Grün kaum zu sehen sind.
hier hält sich der Andrang in Grenzen
Ein weiterer Vorteil, wir haben zwar den Wind aber kaum Wellen. Die erfreulichen Dinge auf diesen Platz nehmen kein Ende. Zufällig haben wir erfahren das heute am 02.02.2020 der Faschings-Umzug statt findet. Nach dem Debakel in Trinidad freuen wir uns ganz besonders darauf. Ohne die weggelassenen Stopps hätten wir dieses Sehenswerte Gänsehauterlebnis wieder verpasst. Wobei, die gesamten 5 Stunden, die der Umzug gedauert hat, haben wir wegen der extremen Lautstärke auch nicht durchgehalten.

 Am Vormittag werden schon mal alle in Stimmung gebracht 

Mit Tanzen und Trommeln

 und dann geht es richtig los

 eine Gruppe folgt der anderen

 es ist kaum zu glauben wie sich einige trotz ihrer Fülle bewegen

Jetzt zum langjährigen „Punkt 1“ auf unserer To-do-Liste, die Waschmaschine. Ich hatte ja heraus gefunden das die Motor-Steuerplatine kaputt war und Ingrid hatte im vorigen Jahr eine neue aus Deutschland mitgebracht. Ich hatte sie gleich eingebaut aber nichts funktionierte. Ich hatte im Internet gelesen das es Steuerplatinen gibt die noch nicht programmiert sind. Jedenfalls haben wir uns damit abgefunden das diese Waschmaschine nicht mehr funktioniert. Wo wir schon überall herum gerannt sind um eine kleine 4 kg Waschmaschine mit den passenden Einbaumaßen und vor allem 220V Betriebsspannung zu bekommen (in fast allen Ländern gibt es nur 110V) glaubt kein Mensch. Jeder sagte uns, so eine Waschmaschine bekommt ihr auf jeden Fall in Martinique und siehe da, im Internet haben wir den passenden Laden und die passende Waschmaschine in Fort de France gefunden. Seit dem wir hier angekommen sind, mobilisiert Ingrid, Gott und die Welt, das erstens, wir nach Fort de France kommen und zweitens, das wir die Waschmaschine nach St. Anne und auf´s Boot bekommen. Es gab soviel freundliche, nette, liebe hilfsbereite Leute die uns helfen konnten mit einer Auskunft, es war grandios, nebenbei hatte Ingrid auch gleich noch Nummern und Adressen von Panama bekommen. Ich dagegen habe mir die Waschmaschine vorgeknöpft. Eigentlich wollte ich den Betonklotz ausbauen um sie leichter zu transportieren und auch noch ein paar Ersatzteile gewinnen. Aber als ich so davor saß habe ich mir überlegt doch nochmal einen Reparaturversuch zu starten. Als ich mit einem Voltmeter und Nadelartigen Messspitzen auf der Leiterlatte keine Spannung messen konnte dämmerte es mir das mit den Steckkontakten bzw. mit den Anschlusskabeln etwas nicht in Ordnung ist. Nach einer Intensiven Überprüfung musste ich fest stellen das beides der Fall war. Da gab es nur eine Lösung, der Seitenschneider musste her und die defekten Stecker und Kabel mussten ab und neue ran (die original Stecker habe ich durch KFZ-Stecker ersetzt). Nach etwas mehr als einer Stunde war der Fall erledigt und siehe da, die Waschmaschine läuft. Na da war die Freude groß und ein Stundenlohn von 600 Euro (der Preis der Neuen) ist auch nicht zu verachten. Ingrid hat zwar ein bisschen herum gebrummelt – na das hättest du doch schon ein paar Monate früher machen können – aber sie hat sich natürlich auch riesig gefreut.
 Ju, Hu das Ding funktioniert wieder

Johann besuchte uns mehrmals an Bord, mit Ihm kann man sich aber auch (haben wir aber auch) Stundenlang unterhalten. Ich glaube er kennt alles und jeden und immer hilfs-bereit. Immerhin ist er schon seit 20 Jahren unterwegs und 9 mal über den Atlantik gesegelt und besitzt deshalb ein Riesen Fundus an Erfahrungen.
Johann ist einfach nur Spitze
Mittlerweile haben wir schon den 10.02.20 und wir werden noch diese Woche weiter nach Saint Lucia ziehen. Zum Schluss noch ein kleines persönliches Zwischenfazit (Ingrid sieht es zum Teil anders) aber auch nur deshalb weil man jeden Tag hier baden / schwimmen kann, zur Karibik. Mir gefällt es nicht wirklich – Massentourismus, unendlich viele Charterbasen und dem zufolge Boote, massig Kreuzfahrschiffe und letztendlich die abartige Zurschaustellung der Superyachten. Von den hohen Preisen die der Massentourismus mit sich bringt will ich erst gar nicht reden. Wären wir gleich von den Kanaren in die Karibik gesegelt hätte ich vielleicht anders geredet. Da wir aber doch viele andere super schöne Ecken kennen lernen durften, fällt die Karibik in meiner persönlichen Liste der Highlights doch recht weit nach unten. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, vor allen hoffen wir auf ein versöhnlichen Abschluss in den Grenadines. Hier gibt es eine Vielzahl von kleineren, bewohnten und unbewohnten Inseln da wird garantiert etwas für uns dabei sein.

Freitag, 24. Januar 2020

Saint Martin 2

Es kommen immer wider die Momente wo man sich die Frage stellt, wozu sitzt man Stundenlang am Computer und erstellt Routen- und Zeitpläne wenn sich dann doch wider alles ändert. So auch jetzt, wir wollten schon lange von Saint Martin weg sein. Aus den 14 Tagen Lieferzeit für die Kühlwasserpumpe des Generators sind jetzt 4 Wochen geworden. Das heißt wir verbringen nicht nur Weihnachten und Silvester hier sondern auch noch eine geraume Zeit danach.
Weihnachten hier im französischen Teil findet übrigens nur an einem einzigen Tag statt, nämlich am 25.12.. Der Heiligabend wird hier nicht gefeiert und einen 2. Feiertag gibt es auch nicht. Also ihr hattet es in Deutschland eindeutig besser (Arbeitnehmer freundlicher).
Wir nutzen den 1. Weihnachtsfeiertag, und gönnen uns ein spannendes Hörbuch und liegen einfach nur rum und genießen das Nichtstun! Für die Feiertage hatte ich von Ingrid die Genehmigung die Küche einzusauen, ich koche sehr gerne, vor allen ausgefallene Sachen, aber der Elan beim Abwaschen und aufräumen hält sich wirklich in Grenzen. Nur Camper und Segler wissen, was es heißt, ein ausgefallenes Dinner in einer Miniküche an einem 2-Platten-Herd zu kochen bzw. wissen, wie diese anschließend aussieht. Ich musste aber die Gelegenheit nutzen, denn das ist hier immerhin Frankreich und hier kann man alles an Feinkost-Zutaten kaufen und das ist nicht überall selbstverständlich. Aber das fürstliche und faule Leben hielt nicht allzulange an, denn ich hatte vor ein neues (altes) Projekt zu verwirklichen. Eine 4-Kanal Funkfernsteuerung. Zwei Kanäle sollen für die Ankerwinsch (Auf und Ab) genutzt werden. Für die beiden anderen Kanäle müssen wir uns noch was einfallen lassen. Nach der Fertigstellung ist es möglich mit einer Person das Boot zu fahren und die Ankerwinsch vom Cockpit aus zu bedienen. Das eröffnet wieder neue Möglichkeiten, z. B. das einrollen der Genua mit Hilfe der Ankerwinsch (muss aber erst einmal getestet werden). Ich habe etwas mehr Aufwand betrieben. Um die kleinen Relais auf der Leiterplatte des Empfängers zu schonen habe ich zusätzlich für jeden Kanal ein robustes 12V Relais verbaut.
Rindfleisch Stroganoff
Fenchel-Minze-Spagetti

Bratkartoffel mit Kräuter-Steak
Weihnachten heißt aber auch, dass jede Menge von diesen Superyachten unterwegs sind, die sonst für Unsummen in Marinas geparkt sind. Ansonsten, die Tage verfliegen einfach so, ohne das wir Langeweile bekommen. Und im nach hinein weiß ich gar nicht, was wir täglich so treiben.
bei Denen stellt sich die Frage, wer hat den schnellsten und größten Hubschrauber auf dem Boot

Silvester war etwas enttäuschend es war nichts los. Irgendwie feiern die Silvester hier anders oder auch gar nicht. Auch das Feuerwerk um Mitternacht fand nur professionell von 4 Hotels statt, private Knallerei gab es gar nicht und die Stadt Marigot lies sich auch nichts anmerken. Aber von Bord aus hatten wir einen tollen Überblick über alle Feuerwerke von den Hotels. Es war überhaupt nicht zu vergleichen mit Silvester im vorigen Jahr in französisch Guayana, wo wir in einer gewaltigen Lichterflut versunken sind.
Nach Silvester haben wir uns aufgerafft und sind mit dem Bus nach Philipsburg gefahren. Philipsburg besteht aus einer Strandpromenade, einer Front Street, einer Back Street (die heißen wirklich so) und zwei endlos langen Anlegepiers für Kreuzfahrschiffe. An diesen beiden Piers passen sage und schreibe bis zu 8 Kreuzfahrtschiffe und somit lebt (gefühlt) ganz Philipsburg quasi von Kreuzfahrtpassagieren. Wir haben Glück, die Geschäfte, Restaurant und Strandliegen werden heute nur von Passagieren von zwei Cruisern überlaufen. Die allgemeine Ausgehgarderobe hat auch hier wieder einen hohen Standard. Amerikaner und Briten decken sich hier auf dem Duty Free Island mit Uhren, Alkohol, Diamanten und sonstigem Schmuck ein. Wir huschen an diesen Geschäften ohne Interesse vorbei. Pech für die, das wir mehr auf „Dauer-Lotter-Segelleben“ stehen als auf Brilli´s. Wir geben auf und genießen in der nicht von Cruisern überlaufenen Back Street ein leckeres Stück Kuchen das wir bei einem Chinesen erworben haben, bevor wir mit dem Bus zurück nach Marigot fahren. Einheitlich stellten wir fest das dieser Ort nichts für uns ist.
nur zwei Kreuzfahrer am Pier
und damit hält sich der Andrang
an Strand und Promenade in Grenzen
die Front Street - ein Luxusladen nach dem anderen
Da war der Aufstieg zur Festung Fort Louis schon eher unser Geschmack.
Die Festung Fort Louis wurde 1789 erbaut. Mehr über die Geschichte und dem hin und her der Eroberungen der Insel erfahrt ihr unter anderem hier – https://www.meetcaribbean.de/geschichte-sint-maartensaint-martin-splitter-europa.
Der Aufstieg ist teilweise etwas steil und bei praller Sonne auch etwas anstrengend. Aber wenn es geschafft ist hat man einen tollen Anblick auf die Küste, die Marina und auf die Stadt Marigot. Auch wenn es hier meist nur noch Ruinen zu sehen gibt, kann man doch einen Eindruck dessen gewinnen wie es einmal gewesen sein muss. Schön auch weil es hier in der Regel nicht all zu voll ist.
vom Dinghy-Steg geht es hoch
zum Fort Luis
laufen und klettern ist für Segler nicht leicht
aber die Aussicht ist der Hammer
findet auch Ingrid
gibt es etwa einen neuen Herrscher
vergiss es, hier herrscht nur eine - Ich !
oje, da hilft nur ein Schluck aus der Flasche
Eine weitere Unterbrechung des Alltagstrotts war die Fahrt zur Tankstelle. Wir sind ja schon oft mit dem Dinghy vorbeigefahren und wissen das es einmal sehr schmal ist (umdrehen können wir vergessen) und auch die Strömung und die Wellen heftig sein können. Deswegen sind wir gleich rückwärts in den Kanal gefahren, obwohl es halbwegs ruhig war haben wir drei Anläufe gebraucht um so anzulegen wie es unserer Plan war (ein Langkieler und rückwärts fahren werden keine Freunde).
Was lange währt, wird endlich gut!
Der Wetterbericht hat starken Wind für ein paar Tage, in Böen über 40 Knoten angesagt. Der wehte von der Mitte des Atlantik bis in das gesamte Karibische Meer. Es war genug Zeit damit sich im Atlantik richtig hohe Wellen aufbauen konnten (7 Meter), die aus Richtung Norden kamen.
In der Nacht werden wir von ungewohntem Geschaukel wach. Draußen pfeift nicht nur der Wind, nein, wir haben das Gefühl, nicht vor Anker in einer Bucht zu liegen, sondern auf der Atlantiküberfahrt zu sein. Wir können, Gott sei dank, (fast) immer schlafen und so lassen wir uns erst mal durch Rauf und Runter, Rechts- und Links Geschaukle nicht stören. Früh machten wir uns doch ein paar Sorgen, unser Anker und auch der vom Nachbar Katamaran hat etwas nachgegeben. Da gab es nur eins, Anker hoch und wieder ein paar Meter vor fahren und mehr Kette rauslassen als sonst üblich. Jetzt fühlten wir uns für die nächsten zwei Tage sicher. Doch dann wurde es völlig verrückt. Der Wind aus Ost hat nachgelassen und die hohen Atlantik-Wellen liefen abgebremst nur durch die Insel Anguilla im Norden mit einer Höhe von immerhin noch 2 m in die Bucht. In dem flachen Wasser begann sich der Wellenkamm zu brechen. Da wir die Wellen von der Seite bekamen hat es uns gewaltig hin und her geschaukelt. Aber unsere größte Sorge war das wir auf Grund aufsitzen. Bei einer Wassertiefe von ein klein wenig über 4 m haben wir im Wellental nicht mehr allzu viel Wasser unterm Kiel. Eine Weile beobachteten wir fasziniert wie die Brecher, in die Bucht rollten. Dann gab es plötzlich ein Ruck und ein Knall unsere 20 mm Ankerkettenzugentlastung war gerissen. Unglaublich, das passiert wohl nur hier in dieser Bucht vor Marigot. Jetzt habe ich endgültig die Schnauze voll und das heißt Motor an, Anker hoch, um die Marina herum in Richtung Industriehafen zu den dort parkenden Superyachten. Wir haben dann relativ dicht am Ufer geankert und hier war dann Ruhe. Mit heißem Tee, auf der Salon Couch und einem spannenden Spielfilm vertreiben wir uns diesen außergewöhnlichen Karibiktag. Noch ein abschließender Spruch: "Lieber die Karibik-Welle als in Deutschland die Grippe-Welle".
die Wellen kommen reingerollt
wie bei einem mini Tsunami
am Dinghy-Dock haben die Wellen Boote unter den Anleger gedrückt
Apropos heißer Tee, es ist Winter in der Karibik.
Ja, richtig gelesen, auch in der Karibik ist Winter! So ca. seit Dezember…
Das heißt, die Tagestemperatur liegt nur noch bei 27/29 Grad – das hat den Vorteil, dass man nicht mehr klatschnass geschwitzt ist. Die Nachttemperatur liegt bei ca. 25 Grad – auch schön, man wälzt sich nicht mehr im eigenen Saft, sondern muss sich zwischen durch sogar mal zudecken. Natürlich nur mit einem dünnen Laken! Abends im Cockpit müssen wir bei Wind schon mal lange Hosen und ein dünnen Pullover drüber ziehen. Früher in Deutschland hätten wir darüber nur gelacht und ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Aber es ist erstaunlich wie man sich an die hohen Temperaturen gewöhnt und unsere wohl fühl Temperatur liegt um einiges höher als früher. Wenn ihr einen afrikanischen Studenten mit dicker Jacke und Mütze im Sommer seht – der friert wirklich.
Die Wassertemperatur ist leider auch gesunken auf 25/26 Grad – das ist unschön! Für mich zumindest, denn nun muss ich mich ein wenig überreden, in diesem kalten Nass zu baden (ich bin der absolute warm Duscher).
selbst Sau-Wetter ist Sehenswert
Es ist der, 15.01.2020 es sollte ein großer Tag werden, wir bekamen eine E-Mail mit der Info das unsere Kühlwasserpumpe angekommen ist. Sofort schwangen wir uns in das Dinghy und fuhren in die Niederlande um sie abzuholen. Voller Vorfreude habe ich den Karton geöffnet und die Pumpe heraus genommen. Oh Schreck, keine Dichtung dabei, aber das war kein allzu großes Problem. Viel schlimmer, es fehlte ein kleines Röhrchen so ca. 1,5 cm das mit Feingewinde in die Pumpe eingeschraubt wird und auf dem dann ein dünner Schlauch geschoben wird. Das kann sich keiner vorstellen wie wir uns die Hacken abgelaufen haben um jemanden zu finden der auf ein kleines Röhrchen Feingewinde schneidet. Unser erster Anlaufpunkt war Veronika bei ihr waren wir ja schon beim ersten mal um die Pumpe reparieren zu lassen. Wie beim ersten Mal ist Sie mit uns von einem zum anderen gelaufen, was fertiges war aber nicht zu holen. Für das Anfertigen des kleinen Röhrchens wollten sie 40 US-Dollar. Das wollte ich aber überhaupt nicht einsehen also sind wir losmarschiert keiner konnte oder wollte (lohnt sich nicht) uns weiterhelfen. Zum Schluss sind wir in einer winzigen Schlosserei gelandet der hat einfach auf ein fertigen Schlauchanschlussstück aus Messing Feingewinde geschnitten und mit Teflon eingeschraubt. Dann wollte er 30 US-Dollar, für 10 gesparte Dollar sind wir 4 Stunden durch die staubigen und heißen Gassen gezogen. Das war definitiv ein schlechtes Geschäft. Bei F.K.G. Marine Rigging (Veronika) dagegen hätten wir in einem klimatisierten Raum bei einer Tasse Kaffee auf die Fertigstellung warten können. Aber zu guterletzt ist alles gut, wir haben etwas für unsere Fitness getan und der Generator läuft wie ein Bienchen.
"Vroni" - egal was kommt immer Hilfsbereit
die Füße schmerzen, aber letztendes alles gut
Jetzt wird es aber Zeit das wir hier (bevor wir Wurzeln schlagen) verschwinden.
Oder anders ausgedrückt Anker hoch und ab in die nächste Bucht. Ganze 5 Seemeilen haben wir uns somit schon mal von der Marigot Bay entfernt und liegen nun in der rolligen Anse Marcel. Vor uns ein Strand mit 3 Hotels und ca. 250 Liegestühlen. Hier also wird ein Teil der 3-4 mal wöchentlich von Amsterdam oder Paris startenden Urlauber abgelegt – ha ha. Auch wenn sich das jetzt nicht so liest, aber es sieht wirklich recht hübsch aus. Es ist wirklich nett hier. Sogar eine Strandbar gibt es, die reizt natürlich. Aber unser Dinghy ist so gut verschnürt, das wollen wir nicht extra wieder zu Wasser lassen. Außerdem ist zu fürchten, dass die Bierpreise an dieser Strandbar nicht in unser Budget passen. Schnell schlage ich im Internet mal den Hotelpreis für das hier ansässige Riu Palace All Inclusive Hotel nach. Oh, Oh: eine Übernachtung all inkl. kostet Schlappe 437,00 Dollar, das heißt, eine Woche kostet über 3000 Dollar.
Also am nächsten Tag gleich nach dem Frühstück weiter zur Îlet de Pinel. Hier haben wir wider das volle Karibik Urlaubsfeeling. Das heißt glasklares Wasser, Schildkröten, Strandbar und ein paar Charter-Katamarane.
der Anblick tut den Augen gut
Aber mehr als zwei Tage werden wir uns auch hier nicht aufhalten dann geht es ab nach Deshaies auf Guadeloupe. Das Wetter hat sich gerade so verschlechtert das wir gar kein Wind haben und wenn doch ein kleines bisschen vorhanden ist kommt er noch aus südlicher Richtung. Aus diesem Grund werden wir Motoren müssen und legen noch ein kurzen Zwischenstopp auf der Vulkaninsel Montserrat ein.