Mittwoch, 2. Januar 2019

mit Hembadoo in den Urwald

Wir gehen mit vollen Segeln an den Start und sind, dank des geschenkten Stroms, mit um die acht Knoten flott unterwegs. Es passt alles zusammen, wir kommen genau mit einlaufender Tide am Maroni an. Wenn man so nah an der Küste unterwegs ist muss man sehr aufpassen denn es sind viele Fischer unterwegs. AIS haben sie nicht, aber wir sehen ihre Lichter. Nur alle 15 Minuten ein Rundblick ist zu wenig. Am Tag ist es noch schlimmer die relativ flachen Fischerboote verschwinden in den Wellentälern und sind kaum zu erkennen. Andere Ankern mitten im Nirgendwo und schlafen (die Küstengewässer sind sehr flach). Also Augen auf.
Die Ansteuerung des Maroni ist gut betonnt. Da sich die Sandbänke in der Einfahrt häufig verändern, wird das Fahrwasser gelegentlich verlegt. Als wir in den Fluss eingefahren sind, lag die Betonnung ganz anders als in der Seekarte angegeben.
Der Maroni ist schon ein gewaltiger Fluss, er ist 5 km breit. Die Fahrrinne führt aber zeitweise keine 50 Meter vom Ufer entfernt. Wir kommen vorbei an Mangroven und üppigem Urwald. Unterbrochen von kleinen Sandstränden an denen im April und Mai Lederschildkröten ihre Eier ablegen werden. Aber wir bleiben nicht lange auf dem Maroni. Am Sonnabend 15. Dezember biegen wir nach links ab in die Nebenflüsse und rein in den Amazonas Urwald. Die Navionics Karte stimmt nur teilweise und zeigt keine Wassertiefen, sie reicht aber zur Orientierung aus.
Die Fahrt auf dem „Crique's" ist eine Flussfahrt durch die unberührte Natur, keine Brücken, keine Menschen (unsere geplante Strecke beträgt ca. 35 sm). Zwei Flüsse werden durch drei andere miteinander verbunden und damit hat man eine Rundreise, d.h. wir kommen 12 Meilen weiter oben wieder in den Fluss Maroni zurück. Erst einmal fahren wir den „Crique Coswine“ soweit es geht (oder wir Lust haben) Flussaufwärts dann wider ein Stück zurück um in den Crique Canard einzubiegen. Hier befindet sich auch die einzige Flach Stelle der gesamten Flussfahrt. Dann geht es weiter in den Crique 1900, den Crique Vaches und letztendes den Crique aux boets lamentins wider zum Maroni.

Links und rechts befindet sich dichter Urwald, das Flussufer ist anfangs noch mit Mangroven bewachsen. Etwa 3,5 Seemeilen weiter oben im Fluss ist das kleine Indianerdorf, Ayawande. Dort ankern wir. Da es schon gut nach Mittag ist, verschieben wir unseren Besuch auf den nächsten Tag. Am Abend hören wir viele Tierstimmen und es ist Vollmond. Eine Stimmung, schöner könnte sie nicht sein.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Dingi zum modernen Aluminium Bootsanleger des Dorfes. Wir spazieren durch das Dorf Ayawande und treffen nur ganz wenige Leute an. Die Kinder sind in der Schule und die anderen arbeiten außerhalb des Dorfes. Gleich rechts neben dem Steg ist die Dusche des Ortes, links heißt uns ein Schild willkommen.
der erste Ankerplatz vor dem Dorf
ein moderner Schwimm-Steg für die Fischer
na was für eine Begrüßung








Oben ist der Urwald gerodet, rund um den sandigen Dorfplatz stehen ein paar Holzhütten mit offenen Küchen unter Palm-gedeckten Dächern und, wir können es kaum glauben, Solar-Straßenleuchten (wir vermuten das der Steg und die Beleuchtung eine Spende vom Raumfahrtzentrum sind). Irgendwo hören wir Axtschläge und spazieren dorthin, denn dort trifft man sicher jemanden an. Wir haben einen freundlichen Mann angetroffen, welcher mit einem Beil Spanten für eine Pirogge bearbeitet. Damit stabilisiert er eine 11 Meter lange Pirogge die aus einem Einbaum und mächtigen Seitenbrettern besteht. Er erklärt uns, wie er das gelernt hat und und wie man so eine riesiges Kanu herstellt. Ja, wir sind hier in der EU, in Frankreich (oder doch in Afrika?) denn hier kochen die alten Frauen auf offenen Feuer. Abends, nach dem Bad laufen sie barbusig herum und die Kinder sind nackig.
Blume im Haar?, denkt sie etwa hier ist Hawaii

Blick vom Dorfplatz
die Dachkonstruktion ist beeindruckend

wie hier eine Pirogge entsteht
ist schon erstaunlich

unten das dunkle ist der mit der Axt ausgehölte Einbaum

Solarleuchten - die Bewohner freuen sich, aber her passen tut das gar nicht
Besonders interessant fand ich eine relativ kleine Fläche am Dorfrand. Sie wurde durch Brandrodung geschaffen. Die Düngung durch die Asche hält nicht lange an dann bleibt nur noch der unfruchtbare Sand übrig. Hier konnte man sich Live davon überzeugen was nach der Brandrodung und nach einer gewissen Zeit übrig bleibt. Es sieht aus als ob die Maniokpflanzen die unsortiert im Sand steckten damit gerade noch so zurecht kommen. Übrigens wird der gestampfte Maniok dann als Maniokfladen auf einem Blech und über offenen Feuer gebacken.
man erkennt sofort das
das hier kein fruchtbarer Boden ist








Brandrodung mit verheerenden Folgen
In Brasilien konnten wir die riesigen Rauchwolken der Brandrodungen im großen Stiel beobachten. Auch in Jacare gegenüber der Marina. Die Folgen sind verheerend. Zuerst kommen unzählige Tiere in den Flammen um, die sich nicht retten können, dann verursacht die Brandrodung einen erheblichen Teil des weltweiten CO2-Ausstoßes, und schließlich fehlt die üppige Vegetation des Regenwaldes, um Wasser, Nährstoffe und CO2 zu binden. Zwar bietet die Asche der Bäume noch für einige Zeit Nährstoffe, aber der dünne und durchlässige Waldboden wird nach der Rodung durch den Regen schnell ausgeschwemmt. Die kleineren Pflanzen können Wasser und Nähstoffe nicht so gut speichern, die Sonne brennt unbarmherzig und nach wenigen Jahren wird aus diesem Gebiet eine Steppenlandschaft (für die Zucht von riesigen Rinderherden).
zum Abschlüß noch ein erfreulichen  Blick
auf den unberührten Regenwald








Aber es gab noch eine freudige Überraschung. Die SY Nadin mit Ilse und Uli liegen hier auch vor Anker. Sie sind von St. Laurent gekommen. Wir konnten aber nur kurz miteinander reden denn sie wollten weiter nach Tobago (Karibik), aber sie warnten uns schon mal vorab vor den vielen Regen in St. Laurent.
die SY Nadin
wir treffen uns immer wider mal








Für uns dagegen ging es weiter Flussaufwärts, weiter rein in den Regenwald. Nach nur ein paar Metern Fahrt im Fluss befindet man sich in einer anderen Welt. Mit dem Beiboot sind wir von unserem zweiten Ankerplatz einige Meilen in eine kleine Abzweigung hochgefahren. Wir haben glücklicherweise das Smartphone mit Karten und GPS mitgenommen und einen Track unserer Beiboot-Reise aufgezeichnet. Den der Weg zurück zu Hembadoo, bei den vielen Biegungen und Verzweigungen im Fluss, wäre ohne den GPS nur sehr schwer wieder zu finden. Und in diesem einsamen Gebiet könnte es sein, dass wochenlang keine Menschenseele vorbei kommt. Das war so richtig nach unseren Geschmack. Das ganze haben wir dann ein paar Tage später an einem größeren Abzweig noch einmal wiederholt.
der zweite Ankerplatz
und mit dem Dingi in ein schmalen Abzweig

einfach nur

schön






hier bekommt man die  Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie
von Manfred von Ardenne (Physiker) umsonst
 Die Stelle an der wir nun ankern wollen, ist deutlich schmaler als die anderen. Dafür deutlich tiefer. Wir können nicht genau in der Mitte ankern, das heißt wir müssen etwas näher zum Ufer um eine Tiefe unter 12 Meter zu finden. Das Ankern in großer Tiefe bedeutet viel Kette und dadurch großer Schwoi-Kreis (hin und her schwingen).
Da wir aber mit der Tide uns im Fluss mal in diese, mal in jene Richtung drehen, ist nicht ausgeschlossen, dass wir gegen das Ufer treiben könnten. Es kam wie es kommen musste, wir drehten uns mit dem Hinterteil von Hembadoo zum Ufer und hatten allerlei Blätter und Zweige an Deck. Das allein wäre kein Problem. Aber bei den vielen Tierstimmen in der Nacht möchte ich nicht wissen wer da alles Hembadoo erkunden möchte und vor unserer Eingangstür hängt nur ein Moskitonetz (seit wir auf dem Fluss sind habe ich das große Jagd-Messer immer auf dem Nachttisch liegen – für eventuelle, ungebetene tierische Besuche). Also wider Anker auf und besseren Platz suchen.
an manchen Ankerplätzen muß man doch relativ dicht an das Ufer

auch wenn es schön aussiht
zu dicht ist schlecht








Es gibt nichts hier, außer Wald, Flüsse und Tiere. Tiere sieht man außer Vögel und großen Schmetterlingen keine, aber man kann sie – vor allem nachts – gut hören. Eines Nachts habe ich einfach mal vier Töne „abfallend“ also von hoch nach tief gepfiffen. Es hat nicht lange gedauert da pfiff der erste Nachahmer zurück. Nach einigen hin und her antwortete mit der exakten Tonfolge ein Vogel auf der anderen Uferseite. Jetzt hörte ich auf zu pfeifen. Und es ist kaum zu glauben aber die beiden Vögel machten noch eine Weile allein weiter. In der Nächsten Nacht wiederholten wir das Spielchen. Doch plötzlich mischte ein weiterer Vogel mit. Mit einer einer absolut rauen und krächzenden Stimme versuchte er die vier Töne nachzumachen, es war zum kaputt lachen. In einer weiteren Nacht, wir waren nicht allzu weit vom Ufer entfernt hörten wir das Brechen von Zweigen als wir uns dort hin wandten leuchteten uns zwei knall-gelbe (wahrscheinlich Raubkatzen-Augen) an. Wir bekamen automatisch und sofort eine Gänsehaut.
hier würde es Tarzan und Jane gefallen, denn Lianen um sich von Ort zu Ort zu bewegen, gibt es genug.
Wenn Französisch Guyana neben dem Weltraumbahnhof noch mit etwas anderem in Verbindung gebracht wird, dann ist es die Fremdenlegion. Vor dem geistigen Auge tauchen muskelbepackte Kerle auf, die durch Schlamm robben und sich mit einem Messer zwischen den Zähnen durch den Dschungel kämpfen. Zum diesem Klischee passt, dass tatsächlich US-Marines zur Ausbildung in die Urwald-Camps der Fremdenlegion geschickt werden. Am Maroni ist ein Teil des 9. Regiment der Fremdenlegion stationiert.
eine weitere Dingi Fahrt füührte üns zu rätselhaften längst verlassenen Plätzen

einen davon
unersuchten wir genauer

hoffentlich schwimmt hier keime Anakonda herrum

Abschließend kann man nur sagen dieser Abstecher in die Nebenflüsse ist unbedingt empfehlenswert! So einfach kommt man wohl nirgends sonst mit dem eigenen Schiff in den Regenwald. Wir haben schon früher gedacht, zur Mutter aller Flüsse, dem Amazonas in Brasilien zu segeln, man kann dort 600 oder gar 700 Seemeilen hochfahren. Im Delta des Amazonas gibt es Inseln, welche halb so groß wie die Schweiz sind. Zudem ist das Amazonas-Gebiet relativ dicht besiedelt aber die brasilianische Nordostküste wird als sehr gefährlich beschrieben (Raub, Mord und Totschlag). Deshalb war das Gebiet für uns tabu, aber das, was wir suchen kann man in Französisch Guyana viel einfacher, schöner, bequemer und dazu wirklich sehr idyllisch bekommen.

Dienstag, 11. Dezember 2018

Kourou = Raumfahrtzentrum (Franz.-Guayana)

Jetzt geht es nach Kourou. Im Nordosten Südamerikas betreten wir nach knapp drei Jahren wieder europäischen Boden. Französisch-Guayana ist das einzige Land des Kontinents, das sich nicht von seinem einstigen Kolonialherren lossagen konnte (wollte). Heute besitzt es den Status eines Übersee- Departements, gleichbedeutend mit Martinique und Réunion. Bei der Anfahrt zum Fluss müssen wir ganz schön aufpassen, denn die Einfahrt in den Kourou Fluss ist ordentlich flach und neigt zum Versanden. Wir sind etwas später losgefahren als geplant und es war sehr knapp (deutlich flacher als 2,5m). Wer wie wir 1,9 m Tiefgang hat sollte halbe Tide anpeilen.
Einen Ankerplatz haben wir Flussaufwärts von der „Marina“ gefunden. Der Ankerplatz ist gut geschützt, wir hatten keine Probleme mit dem Ankergrund. Bei Wind-gegen-Strom waren die Dinghi-Fahrten manchmal etwas nass. Uns haben die vielen Vögel am Ankerplatz gefallen, rote Ibisse, viele verschiedene Reiher und abends die vielen Papageien. Häufig hört man Brüllaffen.
ein Sonnenbad ist gut für das Gefieder
na so was mache ich nicht









Die Amtshandlungen sind unkompliziert denn als EU-Bürger muss man sich lediglich beim Zoll anmelden. Der Zoll ist in Pariacabo, das ist quasi das Industriegebiet von Kourou und liegt 1,5 Meilen Flussaufwärts. Wir sind mit dem Dingi zum Zollsteg (letzter vor der Brücke) gefahren und dann gelaufen (ca. 10 min). Um zum Zollgebäude zu gelangen muss man um das abgesperrte Hafengelände herum laufen. Es gibt kein Hinweis-Schild, das anzeigt, wo man den Zoll „Douane“ findet. Aber Letztendlich ist es uns doch gelungen. Die Anmeldung war völlig locker und unproblematisch. Im Kourou Fluss gibt es den Steg des Yachtclubs und den Fischereisteg. Eine Marina im herkömmlichen Sinn ist der Steg des Yachtclubs allerdings nicht. Vielleicht ein Dutzend Schiffe finden dort ihren Platz. Es handelt sich bei den Schiffen allerdings um die vergammelte Flotte von dauer-liegenden Franzosen. Die Dinger sind in einem furchtbaren Zustand, aber alle sind super freundlich und hilfsbereit. Der Marina-Steg wird bewacht. Wobei der Wachmann häufig durch Abwesenheit glänzt. Aber wenn er schon mal auftauchte und wir ihn begegneten, fing er an mit uns herum zu diskutieren (nach dem Motto wir hätten hier nichts zu suchen, auf die Idee das ein Ausländer der auf den Club-Steg will auch ein Boot hat ist er nicht gekommen). Wir haben ihn einfach stehen lassen und sind zu unseren Dingi gegangen. Direkt neben der Marina gibt es noch einen Fischerei-Steg an dem nachmittags die Fischer festmachen. Nachdem wir eine für uns günstige freie Lücke gefunden haben, parkten wir unser Dingi immer dort.
wir fanden es gut am Fischerei Steg
Der Weg in die Stadt, zum Bäcker und zum Fischmarkt (Flussfisch 5,0 EUR/kg) ist auch etwas kürzer und das Leihauto konnten wir auch direkt vor dem Steg parken.
vom Fischmarkt
direckt in die Pfanne








Ansonsten war es sehr ruhig auf dem Fluss. Wir trafen weder befreundete Segler, noch überhaupt jemand. Kourou ist der "untouristischste“ Ort den wir je gesehen haben. Niemand wartet hier auf uns, und auf Urlauber im allgemeinen. Keiner scheint hier vom großen Kuchen Tourismus etwas abhaben zu wollen. Kein Hinweis, wie man zum Weltraum-Bahnhof kommt, der Haupt-Attraktion in Kourou. Keine Wegweiser zu Autovermietungen, zum Archäologie-Zentrum, keine Werbung für Fahrten zu den Teufelsinseln, keine Busfahrpläne, Nichts, auch kein Taxi. Ja, es gibt noch nicht mal ein Marina-Office in dem wir sonst die wichtigsten Infos schon bei der Anmeldung erhalten.
Aber in der näherer Umgebung gibt es alles, was man für das tägliche Leben braucht. Direkt am Fischerei-Steg sind der Fischmarkt (jeden Tag bis 12h außer Sonntags) und eine Bäckerei (Wifi!). In der Hauptstraße von Bourg (diesem Stadtteil) gibt es mehrere kleine Supermärkte und den Gemüsemarkt, sowie einige Restaurants (Chinesen, Pizza, ein etwas teureres Do-So geöffnet). Aber für weitergehende Erkundungen benötigt man ein Leihauto. Denn wie schon gesagt es gibt kein Bus und kein Taxi aber die Entfernungen sind weit. Ein Waschsalon (Laverie Kourou) und Leader Price (Supermarkt) sind etwa 2,5 km entfernt, dort ist auch die Post und die Bar des Sports (sehr schnelles Wifi). Zum Super U sind es 4 km. In Pariacabo, dort wo auch der Zoll ist, gibt es einen Laden für Bootszubehör, einen Honda(AB)-Verkäufer und auch die meisten Autovermieter sitzen hier. Also noch einmal in das Industriegebiet, aber diesmal zu Fuß. Bei der sengenden Hitze ist das keine leichte Aufgabe. Auf dem halben Weg fingen unsere Beine an weich zu werden. Genau in diesem Moment hielt ein Auto und nahm uns mit. Jetzt gab es den nächsten Schock die Klimaanlage war voll aufgedreht und vereiste uns unsere verschwitzte Nasenspitze. Das Leihauto von Renault zu bekommen war überhaupt kein Problem und der Preis war ok. Als erstes drehten wir gleich mal eine Runde durch die Stadt und besuchten das „Super U“.
hier gibt es alle franz. Spezialitäten
Dort fanden wir das Käse-Schlaraffenland. Alle Waren werden von Frankreich geliefert. Aber die Preise sind zum Teil sehr hoch (man muss Wissen das die Franzosen, die hier mit der Raumfahrt direkt oder indirekt zu tun haben sehr gut verdienen – mehr als in Europa). Mit dem Leihauto gestaltete sich das Leben an Land viel einfacher. So konnten wir auch einen noch offenen und wichtigen Punkt in den Griff bekommen. Unsere elektrische Ankerwinsch hatte den Geist aufgegeben (Zähne des Zahnkranzes waren weg). Schon von Anfang an hatten wir mitbekommen das sie unterdimensioniert war. Somit nutzten wir die Gelegenheit im Bootszubehör-Laden eine Tiger-Ankerwinsch zu kaufen und mit einer besseren Kettenführung zu Montieren. Jetzt macht das Ankern wider richtig Spaß.
passt und funktioniert super
gleich im Laden montieren wir die alte Kettennuss








Aber ein weiterer wichtiger Grund weshalb wir in Kourou ankern ist, den Start der Ariane 5 Rakete live zu erleben. Die ganzen Tage haben wir immer wider im Internet nach der Startzeit geschaut sie ist immer gleich geblieben. Nur am Start-Tag da haben wir es nicht getan und schon haben sie den Start um eine Stunde vorverlegt. Wenigstens waren wir an Deck von Hembadoo und konnten den Start, den extremen Lichtstrahl und das später ankommende Brüllen der Triebwerke (der Schall braucht immer etwas länger) beobachten beziehungsweise hören. Aus dem grellem Lichtschein bildet sich ein Kondensschweif von mehreren Hundert Metern aus. Den konnten wir als einzigen Fotografieren, denn wir hatten ja unsere Fotoausrüstung nicht zur Hand. In einer Affen-Geschwindigkeit zieht die Rakete über uns weg. Nach wenigen Sekunden ist der Spaß vorbei und die Rakete verschwindet in den Wolken. Nach 2,5 Minuten werden die Booster abgeworfen und fallen ins Meer. Der, hunderte Kilometer breite, Korridor wird von der Navy evakuiert. Bei den Teufelsinseln zum Beispiel darf man um diese Zeit nicht mehr Ankern. Das Segler und kleine Fischerboote gewarnt und aus der riesigen Gefahrenzone entfernt werden, das bezweifeln wir. Da bleibt wohl ein Restrisiko von einem Raketen-Booster versenkt zu werden.
na ja besser als nichts
Gleich am nächsten Tag besuchten wir das ARIANE - Museum auf dem Gelände des Space-Center. Dort stand eine Ariane 5 quasi zum anfassen und bestaunen (51.49 Meter hoch).
der Vorplatz mit der Ariane 5
Links unten zum Vergleich ein Mensch (blau)



















bei Ingrid wirkt sie noch größer
Im Museum wird einem der Verlauf und Weiterentwicklung des Arianeprogramm's gezeigt. Alles sehr interessant, aber leider auf Französisch. Es gibt zur Zeit drei Start-Rampen: für die Ariane, für Soyuz-Raketen und die kleinen Vega-Raketen. Diese sind kilometerweit auseinander gebaut, damit eine Fehlstart-Rakete nicht alles abräumen würde. Des weiteren eine riesige Baustelle für die neue Ariane 6 Rakete.
die Baustelle der neuen Startrampe
die Zukunft, die Ariane 6









Plan des Weltraum-Bahnhofs
Das gesamte Gelände wird von der Französischen Fremdenlegion bewacht. Bis zu 200 Mann übernehmen diesen Job. Die Feuerwehr kommt aus Paris, denn nur dort hat die Feuerwehr einen Armee-Status und darf im Dschungel diese Aufgabe übernehmen. In Einzelteilen wird die Rakete von einem Frachtschiff aus Frankreich nach Kourou verladen.
mit diesem Ungetüm werden die Raketenteile transportiert
Dort wird sie dann zusammen gebaut und nach diversen Tests in den Weltall geschossen. Ein bisschen kommt man sich hier vor wie in einem Science Fiction-Film.
das Museumsgebäude

jetzt ist Schluss mit lustig, wir hauen ab
und suchen uns einen eigenen  Planeten













diese technischen Spielchen für Kinder sind Interresant

Ingrid spürt die Kraft des Triebwerks
Cayenne, besuchten wir dann mit dem Mietauto. Sie ist die 63.000 Einwohner fassende Hauptstadt von franz. Guyana (ungefähr dreimal so groß wir Kourou ). Die Straßen sind Tip Top. Die Landschaft etwas eintönig. Parallel zur Küste führt uns die Strecke 70 km Richtung Süden. Ab und an kommen wir durch kleine Ortschaften. Etwas Vieh- und Landwirtschaft wird betrieben. Dazwischen befindet sich grünes Brachland mit lichten Wäldern. Nichts Spektakuläres. Nach einer Stunde sind wir in Cayenne. Außerhalb von Cayenne, im reichen Speckgürtel der Stadt, gibt es ein paar goldgelbe Sandstrände. Genau wie in Kourou ist das Wasser allerdings braun gefärbt von den Sedimenten, die der Amazonas in großen Mengen vor die Küste spült. Die Reste einer Festung kann man nicht besichtigen, da sich dort die Fremden-Legion eingemietet hat und den Zutritt zum Gelände verwehrt. Wider in Kourou. Es regnet. es schüttet, es gießt, die Mengen sind unglaublich aber, Gott sei dank, nicht zu lange. Bei 90% Luftfeuchtigkeit und 33 Grad Lufttemperatur werden alle anstrengenden Bewegungen Eingestellt.
wenn es regnet dann richtig
Aber ansonsten gefällt es uns auf dem Kourou. Schiffsverkehr ist fast nicht existent und wir haben unsere Ruhe. Nur das Spülschiff fährt an uns vorbei um die Fahrrinne frei zu halten. Wenn ein nur viertel voller Tanker oder ein Frachter mit einer Ariane-Rakete im Gepäck kommt ist das Spülschiff vorab jeden Tag unterwegs. Wir können es kaum glauben das es diese riesigen Schiffe durch den flachen Kanal schaffen.
es ist kaum zu glauben, der riesige Tanker
wenn auch nicht voll auf dem relativ flachen Fluss








Ein paar Fischer schauen manchmal neugierig vorbei und regelmäßig wird für „Drachen“-Boot-Rennen geübt. Schnell zischen die Kanus an uns vorbei. Der Taktgeber ruft laut seine Kommandos die weit über den Fluss schallen. Es gibt Frauen und Männer Mannschaften. Im Cockpit haben wir laufend ganz Merkwürdige Insekten. Um was für ein Tier es sich genau handelt, konnten wir leider nicht herausfinden. Diese etwa vier Zentimeter langen Fluginsekten kommen regelmäßig vorbei. Sie sehen recht furchterregend aus, sind aber harmlos. Sie brummen an uns vorbei ohne uns eines Blickes zu würdigen. Der Hinterleib ist mit dem Körper nur durch einen Nadel dünnen Steg mit dem Hauptkörper verbunden. Diese bizarren Anatomie veranlasste uns sie etwas genauer zu beobachten. Sie umfliegen uns vorsichtig, damit es nicht zu Kollisionen kommt. Sie drehen eine Runde im Cockpit oder Salon und hauen wieder ab.
die sehen aus wie aus einer anderen Welt - ob sie die Ariane mitgebracht hat
Schon ist ist es wider soweit, wir wollen Kourou verlassen und zum Maroni Fluß aufbrechen. Vorher machen wir aber noch ein weiteren Stopp bei den Iles du Salut und dann erst geht es weiter nach St. Laurent du Maroni.
Dieser Ort liegt am Grenzfluss nach Surinam. Bis dorthin sind es ungefähr 90 sm über Atlantik plus ca. 25 sm Flussfahrt durch den Urwald.
Am Abend gehen wir Anker auf. Wir wollen mit dem auflaufenden Morgen-Wasser am Maroni-Fluss ankommen. Weder Dunkelheit noch Gegenströmung können wir da gebrauchen. Wahrscheinlich werden wir flott unterwegs sein, da mehr als ein Knoten Strom uns nach Norden treiben sollte. Daher brechen wir nicht zu früh auf, um nicht im Stockfinsteren anzukommen.

Freitag, 7. Dezember 2018

Ihles Salut (Papillon's Gefängnishölle)

Die Langstrecken-Segler in der Marina von Jacare werden immer weniger. Erst gestern sind fünf Yachten aufgebrochen. Es wird also höchste Zeit das wir uns auch vom Steg lösen. Am 15 November geht es los. Auf dem Weg nach französisch Guyana haben wir noch ein Zwischenstopp bei den Sanddünen der Insel Ilha dos Lencois (Brasilien) geplant. Die Flussausfahrt gestaltete sich Problemlos. Kaum das wir auf dem Atlantik waren ergriff uns der Passatwind und vor allen der Äquatorial- und Caribbean-Strom. Wir wussten gar nicht das unser Boot dauerhaft solche Geschwindigkeiten segeln konnte (um die 10 Knoten über Grund). Diese Rausche-Fahrt veranlasste uns den Zwischenstopp wegzulassen (das die 100 Meter hohen Sanddünen von Peru noch zu Toppen wären glauben wir eh nicht).
Wir überqueren heute, am 20. November 2018, um 17:21h zum zweiten mal den Äquator im Nordosten von Brasilien. Es findet die übliche Zeremonie für Neptun statt: Man gibt ihm einen Schluck Rum und ein paar Münzen als Dankeschön für die guten Wetterbedingungen, verdient hat er es auf jeden Fall, der Wind, die Wellen und das Wetter sind seit Tagen absolut perfekt. Wir segeln weiterhin um die 9 Knoten. Übrigens, der Äquator liegt auf diesem Trip genau in der Mitte der zu fahrenden Strecke von Jacaré zu den Îles du Salut.
Und so erreichten wir die zu Französisch Guyana gehörende Ile du Salut, (auch als Teufelsinseln bekannt), nach ca.1400 SM in der Rekordzeit (für uns und Hembadoo) von acht Tagen, am 24. November. Bei Sonnenaufgang konnten wir die Iles du Salut, unser Ziel bereits sehen. Diese Inselgruppe aus 3 Inseln liegen knappe 7 Meilen vor Kourou und sind auf alle Fälle Sehenswert. Auch wenn man für ein paar Tage einen rolligen Ankerplatz in Kauf nehmen muss. Bekannt wurden sie aus dem Roman "Papillon", der auch verfilmt wurde. Viele unmenschliche Szenen konnte man im Film sehen und wenn man selbst vor Ort ist, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter.
Land in Sicht
Nun ankern wir dicht vor der Ile Royale, der größten der Inseln. Es wird geduldet wenn man dort ankert obwohl man noch nicht offiziell eingereist ist. Nach zwei Tagen bekamen wir auch Besuch vom Zoll. Sie nahmen schon mal vorab alle Daten auf und machten uns darauf aufmerksam das wir uns in Kourou offiziell anmelden.
der Besuch vom Zoll
gehört mittlerweile zum Standard








Es gefällt uns ausgesprochen gut hier. Ab 17:00 Uhr, wenn der Ausflugs-Katamaran, der die Tagesurlauber auf die Inseln bringt, verschwunden ist, liegen wir fast alleine vor Anker.
ein schöner Ankerplatz, trotz Wellen
Im größeren Abstand liegen schon die Schiffe der franz. Marine bereit, die für die Bergung der Ariane 5 Booster Raketen verantwortlich sind.
die Besatzung wird auch zum Besuch der Inseln herrübergefahren
Wenn jetzt noch das Wasser glasklar und türkis wäre, würden wir gar nicht mehr weg fahren. Aber der Amazonas und die anderen Flüsse mit ihren unglaublichen Ausstoß an Sedimenten, schaffen es auch hier draußen, das Meer einzutrüben. Die Inseln liegen nicht weit auseinander, man kann bequem mit dem Dinghy rüber fahren. Allerdings gibt es auf St. Joseph keinen Dinghy-Anleger. Nur eine Rampe und rauen Felsen.
die Lage der drei Inseln
Auf Ile Royale, der Hauptinsel der ehemaligen Gefängnisinseln, sind die früheren Wärterhäuser, einige Zellen, das Haus des Direktors, der Kinderfriedhof, das Lazarett und die Kirche teilweise renoviert, teilweise als Ruine erhalten. Es gibt ein Hotel mit Restaurant. Sonst gibt es keine weiteren Versorgungsmöglichkeiten, keinen Kiosk, keinen Laden o.ä., aber herrliche Rundwanderwege, die durch den Urwald führen. Dies sollte man früh morgens in Angriff nehmen, dann kann man in der Stille Affen, Papageien und Azara-Agutis beobachten.
die Tiere Beobachten macht immer Spass

die Agutis sehen witzig aus, sie knabbern
an den Früchten die vom Baum fallen









Aber einen kleinen Makel gibt es doch noch. Wir haben uns hinreißen lassen und in dem Restaurant etwas von dem Selbstbedienungsbuffet (wie in Brasilien) gegessen. Als es an das bezahlen ging haben wir fast Schnappatmung bekommen. Für 1 (in Worten – ein) Essen (nichts besonderes – Reis, Huhn, Salat) haben wir umgerechnet 31 Euro bezahlt.
gehen wir wirklich hier lang?
war ja eh meine Idee

das Wandern ist des Müllers Lust

In einigen Zell-Blöcken sind jetzt Hotelzimme
das alles hat eine unglaubliche Wirkung
sieht auch toll aus da brauch ich unbedingt ein Foto
als Flüchtling hat man in den
Brandungswellen schlechte Karten

dem Direktor ging es recht gut

der Ausblick auf sein kleinen Park















Auf der Insel Saint-Joseph ist noch der gesamte Gefängniskomplex zu sehen und hier ist auch die Fremdenlegion stationiert. Die Natur ist voll und ganz damit beschäftigt sich alles wieder zu holen. Da wachsen riesige Bäume aus den Zellen, diverse Wurzeln sprengen sich durch die Mauern ins Freie, Wind und Regen tun ihres dazu. Es wird noch lange dauern bis alles im Urwald verschwunden ist, aber die Geschichte von Papillon wird bleiben. Der Friedhof war nur den Wärtern vorbehalten, der tote Gefangene wurde einfach ins Meer, zu den Haien geworfen. Im Durchschnitt hat es ein Gefangener 3-5 Jahre ausgehalten, bis er dann an Gelbfieber oder unter Folterung starb. Ein schneller Freitod war für den einen oder anderen die letzte Hoffnung ein schnelles Ende in dieser Gefängnishölle zu finden.
Die dritte und letzte Insel Ile du Diable darf nicht betreten werden. Sie steht unter Naturschutz und ist vollkommen mit Kokospalmen bewachsen. Aber wer weiß, was sie noch für Schätze hat, die man nicht entdecken soll.
ein Blick auf die Insel Ile du Diable
Zunächst lagen wir vier Tage an den Iles du Salut und haben dann die letzten zehn Meilen nach Kourou zurückgelegt.