Samstag, 12. Januar 2019

St. Laurent du Maroni - Franz. Guyana

Am liebsten wären wir noch ein paar Tage im Regenwald geblieben. Aber es ist kurz vor Weihnachten und wir wollen unbedingt per Skype bei unseren Enkelkindern in Deutschland und der Schweiz sein. Also auf nach St. Laurent. Wir sind wider auf dem Maroni. Die Betonnung ist weiterhin ausgezeichnet und bei Tageslicht problemlos. Wir fahren immer noch nah am Flussufer dicht am tropischen Regenwald durch eine bezaubernde Landschaft. Nach ca. 6 Meilen erreichen wir die Marina, die auch zugleich TO Stützpunkt ist. David Matelicani baute hier aus eigenen finanziellen Mittel eine Marina auf, die den Seglern eine sichere Basis ist und die Attraktivität des Ortes steigert. Damit wird ein sichtbarer Beitrag zur Entwicklung der touristisch noch relativ unerschlossenen Region geleistet. Es gibt ungefähr 20 Mooringbojen im Fluss, der größte Teil des Mooring-Feldes liegt geschützt hinter einer kleinen Insel.
die Lage der 20 Mooringbojen
Wir dachten zumindest, dass es eine Insel sei. Bei Hochwasser kaum zu erkennen, zeigt sich bei Ebbe, dass die Insel ein 100 Meter langes Wrack ist.
Es ist die ‚Edith Cavell‘, ein Dampfschiff, 1898 in den Dienst gestellt, um Saint-Laurent-du-Maroni mit Gütern aller Art zu versorgen. Gesunken ist sie bereits 1924 und jetzt zu einer großen Blumenschale mutiert. Das Wrack ist erstaunlicherweise kaum verrostet und zeigt keinen Unterwasser-Bewuchs. Ich frage mich was die für eine Stahlmischung hatten.
Dafür gedeiht der Überwasser-Bewuchs umso besser.
eine schöne, kleine Insel
nein, ein schönes, großes Wrack
ein sauberer Bruch im sauberen Stahl
Gleich Visavis liegen noch ein paar Wracks, direkt am Strand. Wunderschön, von Palmen und Bromelien erobert und daneben unser Dingi-Dock. Sowohl der kleine Strand als auch der Steg dienen als Anleger für Pirogen aller Art. Das Mooringfeld ist Videoüberwacht, so dass jeder Eigner sein Boot auf der Webseite beobachten kann.
unser Anleger
ein weiteres Wrack bei Hochwasser
und bei Nidrigwasser








Offizielle Wassertaxis haben Nummern und sind häufig überdacht. In den einfacheren Ausführungen sitzt man ungeschützt und Wolkenbrüche kommen zeitweise so schnell herbei, dass es eng werden kann, sein Ziel trocken zu erreichen. Den ganzen Tag wuseln die Pirogen zwischen uns herum (Taxis oder Flussfischer), ohne uns zu stören. Die meisten nehmen reichlich Gas weg, bevor sie ins Ankerfeld einfahren. Am erstaunlichsten ist der Grenzverkehr nach Surinam. Dutzende von Pirogen fahren ohne Unterlass ständig hin und her. Entweder sind die Piroggen rappe voll mit Kisten, Fässern und Körben oder mit Leuten. Das sichert Beschäftigung und Einkommen.
Nachmittags gingen wir an Land, um uns einen Einblick von Land und Leute zu verschaffen. In einem kleineren Supermarkt konnten wir Preise vergleichen und waren mehr oder weniger überrascht. Im allgemeinen waren sie so wie in Deutschland, einiges war teurer und anderes wiederum billiger. Im Vergleich zu Kourou war alles ein klein wenig billiger. Aber in Gegensatz zu Brasilien natürlich Sau teuer.
bei 32°C im Schatten
wirkt die Weihnachts-Deko etwas seltsam








Der Fischmarkt (hinter dem Clubgebäude nach rechts und immer am Wasser entlang) ist täglich geöffnet und bietet preiswerten, fangfrischen Fisch.
immer wider starker Regen
da wird selbst der Weg zum Fischmarkt
zum Abenteuer - immer an Gefängnismauer lang
 
aber dann haben wir doch noch unser Fisch

so gefällt er uns am besten
Der riesige Gemüsemarkt hat allerdings nur Samstag offen, ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Das Gemüse und Obst im Supermarkt kommt aus der Kühlung und ist somit auf dem Schiff nicht lange haltbar. Wenn man nicht aufpasst, sind die teuren Paprika bereits am nächsten Tag am schimmeln. Da ist es besser auf dem Markt die örtlichen, ungekühlten Produkte zu kaufen.

Das angebotene Gemüse ist etwas kleiner, schrumpeliger aber auch preiswerter und schmackhafter. Asiaten verkaufen Chilis, Pak-Choi, Thai Basilikum, Zitronengras und grüne Salate. Schwarze Big-Mamas in bunten Kleidern (wie schon gesagt, wie in Afrika) sitzen vor Bergen von Ingwer, frischem Kurkuma, Yamswurzeln und Kochbananen. Indios verkaufen Räucherfisch, wilde Mangos und Maracujas. Es gibt Ananas, Papayas, Wassermelonen und leckerste Auberginen. Jetzt gilt es die unbekannten Dinge zu erforschen.
Einen ordentlicheren Markt haben wir lange nicht gesehen. Es gibt feste Gebinde-Größen oder Kontingente. Alles kostet entweder einen oder zwei EURO, ob das mangelnden Rechenkünste, Bequemlichkeit oder Cleverness (man muss eigentlich immer mehr kaufen als man will, einzelne Gurken zum Beispiel gibt es nicht, da kann man diskutieren wie man will) geschuldet ist, bleibt uns unklar.
der Markt ist ganz schön groß
und viele Menschen sind hier unterweg
es giebt hier

einfach alles














Es gibt auch einige kleine chinesische Supermärkte und einen Super U in etwa 2,5 km Entfernung. Wie in Kourou geht es in dem großen Supermarkt eher französisch zu. Eigentlich ist alles aus Frankreich importiert. Ziemlich absurd, angesichts des reichhaltigen Angebots Südamerikas und sicher auch ökologisch nicht besonders wertvoll. Aber wir freuen uns trotzdem, das wir weiterhin leckeren Käse, Croissants und Baguette kaufen können.
eine moderne Kaufhalle eben und das beste ist die Klimaanlage hier hält man es aus
Saint Laurent ist ein netter Ort. Durch die vorwiegend schwarze Bevölkerung fühlt man sich ein wenig wie in Afrika, nur das es hier viel, viel sauberer ist. Die Weißen legen teilweise noch etwas koloniales Gehabe an den Tag und scheinen lieber unter sich zu sein, doch sonst scheint dieser Kulturmix ganz gut zu funktionieren. Wir werden zumindest überall freundlich begrüßt! Interessant ist auch die Volksgruppe der Maroons, die in dieser Gegend ihren Schwerpunkt hat. Maroons sind ehemals geflohene Sklaven, die gut versteckt vor ihren Häschern im dichten Amazonas, Dörfer gründeten. Dort führen sie teilweise bis heute ihre afrikanischen Traditionen fort.
Gegen Abend treffen sich die Menschen gerne am Wasser (kleiner Strand mit überdachten Unterständen), genau gegenüber von unseren Liegeplatz. Die jungen Leute lassen ihre Anwesenheit erkennen, indem sie die Türen vom Auto öffnen und ihre Musikanlage voll aufdrehen.
aber manche übertreiben es wirklich
Richtig schwer beeindruckt waren wir vom Silvester Abend. Schon Tage zuvor wurde herumgeknallt und Feuerwerk abgebrannt. Aber was an Silvester los war sorgte auch bei uns für große Kulleraugen, Das ganze kann man nur wie ein stundenlangen Wettstreit der besten Feuerwerker beschreiben. Es war gigantisch. In Deutschland wäre es wohl undenkbar das solche Feuerwerks-Batterien in private Hand geraten. Das meiste war wahrscheinlich von den chinesischen Händlern importiert. Auf jedenfall haben sie franz. Guayana als Raketenzentrum keine Schande bereitet. Einfach nur wunderbar. Prosit 2019.
die ganze Stadt war
ein einziges Lichtspektakel








Noch einmal zu der Marina, sie hat eine interessante Preispolitik. Zunächst muss man einer Assoziation beitreten (Beitrab 20 Euro/Jahr) um dann die Marina benutzen dürfen. Die Boje kostet dann 12 Euro/Tag. Als wir dort waren, war Davide, der Besitzer, nicht da, aber wir sind mit dem jungen Man und der jungen Frau gut zurecht gekommen.
Es gibt keine Duschen und Toiletten, aber man kann beim Café seine Wäsche waschen und trocknen was Ingrid auch regelmäßig nutzte. Einmal die Woche gibt es die Möglichkeit mit dem Auto zu Super U mitzufahren. Man bekommt Hilfe beim Ein- und Ausklarieren (man wird mit dem Auto zur Immigration gefahren und sie sorgen dafür das man ein Stempel in den Pass bekommt – ist nicht selbstverständlich da wir ja EU sind, aber gut für die Einreise in das nächste Land) dieser Service ist sogar im Preis enthalten.
die beiden vom Club
waren uns immer behilflich
der Club ist auch TO-Stützpunkt
zur Waschmaschine gehts durch die Küche
die Imigration, hier gibts den Stempel im Pass
ein Cafe beim Club ist immer gut
Übrigens, der Maroni führt hier Süßwasser und enthält weniger Sediment als der Kourou das heißt die Produktion unseres Wassermachers verdoppelte sich auf 200 Liter pro Stunde – echt Super. So sind wir nicht auf das Wasser von der Land-Leitung angewiesen. Hinter dem Café ist ein Wasserhahn dort bekommt man kostenlos Wasser. Wir bevorzugen das Wasser aus dem Wassermacher, das ist 100 Prozentig rein und mineralisiert.
Mahnmal für die Gefangenen
Schon wieder Gefängnisse, gleich neben dem Marina Gebäude bezw. der Touristen Info befindet sich von dicken Mauern umsäumt das „Camp de la Transportation“. Das war das Ankunfts- und Verteil-Zentrum von franz. Guyana. Zwei, dreimal im Jahr kam eine Schiffsladung Gefangener mit bis zu 600 Männern in St. Laurent an. 1852 wurden die ersten Gefangenen hier in diesem Camp empfangen, von hier wurden sie auf mehrere Dutzend Lager innerhalb Französisch-Guyanas verteilt oder in die auf den Iles des Saluts geschickt. Der Gang durch das Eingangstor bedeutete für nahezu alle, die hierher deportiert wurden, den Anfang vom Ende.
Bevor wir nach St. Laurent gefahren sind, haben wir uns (im Regenwald) nochmals den Film "Papillon" angesehen, der auf der Grundlage des gleichnamigen autobiographischen Romans von Henri Charrière gedreht wurde. Henri Charrière ("Papillon") hat in seinem Buch allerdings nicht nur seine eigenen Erfahrungen beschrieben, sondern auch die anderer Gefangener. Der Film "Papillon", wurde nicht an Originalschauplätzen gedreht. Im Film wurden die Ereignisse des Buches dann nochmals etwas verfremdet dargestellt. Aber man bekommt auf jedenfall einen guten Eindruck davon, wie brutal und unmenschlich es in diesen Lagern zuging. Glücklicherweise wurden sie Ende der 1930er Jahre auch endgültig geschlossen. Die Eindrücke aus diesem Film verfolgen uns und wir besuchten das Gefängnis mit einem ziemlich beklemmenden Gefühl. Henri Charrière war wegen Mordes verurteilt und hierher deportiert worden, unschuldig, wie er sein Leben lang beteuerte. Ihm gelang mehrfach die Flucht, abgesehen vom letzten Versuch immer ohne Erfolg. Das brachte ihm eine jahrelange, grausame Einzel- und Dunkelhaft ein.

Camp de la Transportation, der Beginn des Leidens
Zelle Nr. 47, hier war "Papillon" inhaftiert
Eigentlich wollten wir noch mit dem Dingi flussaufwärts zur Lepra-Insel. Hierher wurden früher die Lepra Kranken verbannt und Papillon hat bei einem seiner vielen Fluchtversuche hier Helfer und ein Boot gefunden. Aber das Wetter machte uns ein Strich durch die Rechnung. Es Regnete immer wieder Wolkenbruchartig und es war dabei auch noch recht Windig so das sich auf dem Maroni ordentliche Wellen entwickelten. Alles in allem ganz schlechte Voraussetzungen für eine längere Dingifahrt und somit verzichteten wir auf diese.
Weiterhin wollten wir von Saint Laurent nach Suriname segeln, die Tourist-Card für Suriname bekommt man schon in Saint Laurent. Das Surinamische Konsulat ist gut zu Fuß zu erreichen (gegenüber von Sixt), die Tourist-Card kann man dort mit der Geld-Karte bezahlen, das Ganze dauert keine fünf Minuten.
das Surinamische Konsulat
gegenüber befindet sich Sixt








Aber wir mussten feststellen das wir vom braunen Wasser genug hatten und sehnten uns nach dem kristallklaren Wasser der Karibik.
Trotz der Schlamm-Farbe der Flüsse waren wir gerne in Französisch Guyana. Der Raketen-Start, das Speace-Center und der Besuch auf den Teufelsinseln war schon etwas ganz Besonderes. Die Zeit im Regenwald erinnerte einen in ihrer Einsamkeit an Feuerland.
Warum es allerdings weder auf den Inseln noch am Maroni und deren Nebenflüsse keine Mücken gibt (wie auch in Brasilien), dafür haben wir keine Erklärung. Vielleicht hat es etwas mit der Ausrottungs-Aktion wegen dem Zika Virus zu tun.

Mittwoch, 2. Januar 2019

mit Hembadoo in den Urwald

Wir gehen mit vollen Segeln an den Start und sind, dank des geschenkten Stroms, mit um die acht Knoten flott unterwegs. Es passt alles zusammen, wir kommen genau mit einlaufender Tide am Maroni an. Wenn man so nah an der Küste unterwegs ist muss man sehr aufpassen denn es sind viele Fischer unterwegs. AIS haben sie nicht, aber wir sehen ihre Lichter. Nur alle 15 Minuten ein Rundblick ist zu wenig. Am Tag ist es noch schlimmer die relativ flachen Fischerboote verschwinden in den Wellentälern und sind kaum zu erkennen. Andere Ankern mitten im Nirgendwo und schlafen (die Küstengewässer sind sehr flach). Also Augen auf.
Die Ansteuerung des Maroni ist gut betonnt. Da sich die Sandbänke in der Einfahrt häufig verändern, wird das Fahrwasser gelegentlich verlegt. Als wir in den Fluss eingefahren sind, lag die Betonnung ganz anders als in der Seekarte angegeben.
Der Maroni ist schon ein gewaltiger Fluss, er ist 5 km breit. Die Fahrrinne führt aber zeitweise keine 50 Meter vom Ufer entfernt. Wir kommen vorbei an Mangroven und üppigem Urwald. Unterbrochen von kleinen Sandstränden an denen im April und Mai Lederschildkröten ihre Eier ablegen werden. Aber wir bleiben nicht lange auf dem Maroni. Am Sonnabend 15. Dezember biegen wir nach links ab in die Nebenflüsse und rein in den Amazonas Urwald. Die Navionics Karte stimmt nur teilweise und zeigt keine Wassertiefen, sie reicht aber zur Orientierung aus.
Die Fahrt auf dem „Crique's" ist eine Flussfahrt durch die unberührte Natur, keine Brücken, keine Menschen (unsere geplante Strecke beträgt ca. 35 sm). Zwei Flüsse werden durch drei andere miteinander verbunden und damit hat man eine Rundreise, d.h. wir kommen 12 Meilen weiter oben wieder in den Fluss Maroni zurück. Erst einmal fahren wir den „Crique Coswine“ soweit es geht (oder wir Lust haben) Flussaufwärts dann wider ein Stück zurück um in den Crique Canard einzubiegen. Hier befindet sich auch die einzige Flach Stelle der gesamten Flussfahrt. Dann geht es weiter in den Crique 1900, den Crique Vaches und letztendes den Crique aux boets lamentins wider zum Maroni.

Links und rechts befindet sich dichter Urwald, das Flussufer ist anfangs noch mit Mangroven bewachsen. Etwa 3,5 Seemeilen weiter oben im Fluss ist das kleine Indianerdorf, Ayawande. Dort ankern wir. Da es schon gut nach Mittag ist, verschieben wir unseren Besuch auf den nächsten Tag. Am Abend hören wir viele Tierstimmen und es ist Vollmond. Eine Stimmung, schöner könnte sie nicht sein.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Dingi zum modernen Aluminium Bootsanleger des Dorfes. Wir spazieren durch das Dorf Ayawande und treffen nur ganz wenige Leute an. Die Kinder sind in der Schule und die anderen arbeiten außerhalb des Dorfes. Gleich rechts neben dem Steg ist die Dusche des Ortes, links heißt uns ein Schild willkommen.
der erste Ankerplatz vor dem Dorf
ein moderner Schwimm-Steg für die Fischer
na was für eine Begrüßung








Oben ist der Urwald gerodet, rund um den sandigen Dorfplatz stehen ein paar Holzhütten mit offenen Küchen unter Palm-gedeckten Dächern und, wir können es kaum glauben, Solar-Straßenleuchten (wir vermuten das der Steg und die Beleuchtung eine Spende vom Raumfahrtzentrum sind). Irgendwo hören wir Axtschläge und spazieren dorthin, denn dort trifft man sicher jemanden an. Wir haben einen freundlichen Mann angetroffen, welcher mit einem Beil Spanten für eine Pirogge bearbeitet. Damit stabilisiert er eine 11 Meter lange Pirogge die aus einem Einbaum und mächtigen Seitenbrettern besteht. Er erklärt uns, wie er das gelernt hat und und wie man so eine riesiges Kanu herstellt. Ja, wir sind hier in der EU, in Frankreich (oder doch in Afrika?) denn hier kochen die alten Frauen auf offenen Feuer. Abends, nach dem Bad laufen sie barbusig herum und die Kinder sind nackig.
Blume im Haar?, denkt sie etwa hier ist Hawaii

Blick vom Dorfplatz
die Dachkonstruktion ist beeindruckend

wie hier eine Pirogge entsteht
ist schon erstaunlich

unten das dunkle ist der mit der Axt ausgehölte Einbaum

Solarleuchten - die Bewohner freuen sich, aber her passen tut das gar nicht
Besonders interessant fand ich eine relativ kleine Fläche am Dorfrand. Sie wurde durch Brandrodung geschaffen. Die Düngung durch die Asche hält nicht lange an dann bleibt nur noch der unfruchtbare Sand übrig. Hier konnte man sich Live davon überzeugen was nach der Brandrodung und nach einer gewissen Zeit übrig bleibt. Es sieht aus als ob die Maniokpflanzen die unsortiert im Sand steckten damit gerade noch so zurecht kommen. Übrigens wird der gestampfte Maniok dann als Maniokfladen auf einem Blech und über offenen Feuer gebacken.
man erkennt sofort das
das hier kein fruchtbarer Boden ist








Brandrodung mit verheerenden Folgen
In Brasilien konnten wir die riesigen Rauchwolken der Brandrodungen im großen Stiel beobachten. Auch in Jacare gegenüber der Marina. Die Folgen sind verheerend. Zuerst kommen unzählige Tiere in den Flammen um, die sich nicht retten können, dann verursacht die Brandrodung einen erheblichen Teil des weltweiten CO2-Ausstoßes, und schließlich fehlt die üppige Vegetation des Regenwaldes, um Wasser, Nährstoffe und CO2 zu binden. Zwar bietet die Asche der Bäume noch für einige Zeit Nährstoffe, aber der dünne und durchlässige Waldboden wird nach der Rodung durch den Regen schnell ausgeschwemmt. Die kleineren Pflanzen können Wasser und Nähstoffe nicht so gut speichern, die Sonne brennt unbarmherzig und nach wenigen Jahren wird aus diesem Gebiet eine Steppenlandschaft (für die Zucht von riesigen Rinderherden).
zum Abschlüß noch ein erfreulichen  Blick
auf den unberührten Regenwald








Aber es gab noch eine freudige Überraschung. Die SY Nadin mit Ilse und Uli liegen hier auch vor Anker. Sie sind von St. Laurent gekommen. Wir konnten aber nur kurz miteinander reden denn sie wollten weiter nach Tobago (Karibik), aber sie warnten uns schon mal vorab vor den vielen Regen in St. Laurent.
die SY Nadin
wir treffen uns immer wider mal








Für uns dagegen ging es weiter Flussaufwärts, weiter rein in den Regenwald. Nach nur ein paar Metern Fahrt im Fluss befindet man sich in einer anderen Welt. Mit dem Beiboot sind wir von unserem zweiten Ankerplatz einige Meilen in eine kleine Abzweigung hochgefahren. Wir haben glücklicherweise das Smartphone mit Karten und GPS mitgenommen und einen Track unserer Beiboot-Reise aufgezeichnet. Den der Weg zurück zu Hembadoo, bei den vielen Biegungen und Verzweigungen im Fluss, wäre ohne den GPS nur sehr schwer wieder zu finden. Und in diesem einsamen Gebiet könnte es sein, dass wochenlang keine Menschenseele vorbei kommt. Das war so richtig nach unseren Geschmack. Das ganze haben wir dann ein paar Tage später an einem größeren Abzweig noch einmal wiederholt.
der zweite Ankerplatz
und mit dem Dingi in ein schmalen Abzweig

einfach nur

schön






hier bekommt man die  Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie
von Manfred von Ardenne (Physiker) umsonst
 Die Stelle an der wir nun ankern wollen, ist deutlich schmaler als die anderen. Dafür deutlich tiefer. Wir können nicht genau in der Mitte ankern, das heißt wir müssen etwas näher zum Ufer um eine Tiefe unter 12 Meter zu finden. Das Ankern in großer Tiefe bedeutet viel Kette und dadurch großer Schwoi-Kreis (hin und her schwingen).
Da wir aber mit der Tide uns im Fluss mal in diese, mal in jene Richtung drehen, ist nicht ausgeschlossen, dass wir gegen das Ufer treiben könnten. Es kam wie es kommen musste, wir drehten uns mit dem Hinterteil von Hembadoo zum Ufer und hatten allerlei Blätter und Zweige an Deck. Das allein wäre kein Problem. Aber bei den vielen Tierstimmen in der Nacht möchte ich nicht wissen wer da alles Hembadoo erkunden möchte und vor unserer Eingangstür hängt nur ein Moskitonetz (seit wir auf dem Fluss sind habe ich das große Jagd-Messer immer auf dem Nachttisch liegen – für eventuelle, ungebetene tierische Besuche). Also wider Anker auf und besseren Platz suchen.
an manchen Ankerplätzen muß man doch relativ dicht an das Ufer

auch wenn es schön aussiht
zu dicht ist schlecht








Es gibt nichts hier, außer Wald, Flüsse und Tiere. Tiere sieht man außer Vögel und großen Schmetterlingen keine, aber man kann sie – vor allem nachts – gut hören. Eines Nachts habe ich einfach mal vier Töne „abfallend“ also von hoch nach tief gepfiffen. Es hat nicht lange gedauert da pfiff der erste Nachahmer zurück. Nach einigen hin und her antwortete mit der exakten Tonfolge ein Vogel auf der anderen Uferseite. Jetzt hörte ich auf zu pfeifen. Und es ist kaum zu glauben aber die beiden Vögel machten noch eine Weile allein weiter. In der Nächsten Nacht wiederholten wir das Spielchen. Doch plötzlich mischte ein weiterer Vogel mit. Mit einer einer absolut rauen und krächzenden Stimme versuchte er die vier Töne nachzumachen, es war zum kaputt lachen. In einer weiteren Nacht, wir waren nicht allzu weit vom Ufer entfernt hörten wir das Brechen von Zweigen als wir uns dort hin wandten leuchteten uns zwei knall-gelbe (wahrscheinlich Raubkatzen-Augen) an. Wir bekamen automatisch und sofort eine Gänsehaut.
hier würde es Tarzan und Jane gefallen, denn Lianen um sich von Ort zu Ort zu bewegen, gibt es genug.
Wenn Französisch Guyana neben dem Weltraumbahnhof noch mit etwas anderem in Verbindung gebracht wird, dann ist es die Fremdenlegion. Vor dem geistigen Auge tauchen muskelbepackte Kerle auf, die durch Schlamm robben und sich mit einem Messer zwischen den Zähnen durch den Dschungel kämpfen. Zum diesem Klischee passt, dass tatsächlich US-Marines zur Ausbildung in die Urwald-Camps der Fremdenlegion geschickt werden. Am Maroni ist ein Teil des 9. Regiment der Fremdenlegion stationiert.
eine weitere Dingi Fahrt füührte üns zu rätselhaften längst verlassenen Plätzen

einen davon
unersuchten wir genauer

hoffentlich schwimmt hier keime Anakonda herrum

Abschließend kann man nur sagen dieser Abstecher in die Nebenflüsse ist unbedingt empfehlenswert! So einfach kommt man wohl nirgends sonst mit dem eigenen Schiff in den Regenwald. Wir haben schon früher gedacht, zur Mutter aller Flüsse, dem Amazonas in Brasilien zu segeln, man kann dort 600 oder gar 700 Seemeilen hochfahren. Im Delta des Amazonas gibt es Inseln, welche halb so groß wie die Schweiz sind. Zudem ist das Amazonas-Gebiet relativ dicht besiedelt aber die brasilianische Nordostküste wird als sehr gefährlich beschrieben (Raub, Mord und Totschlag). Deshalb war das Gebiet für uns tabu, aber das, was wir suchen kann man in Französisch Guyana viel einfacher, schöner, bequemer und dazu wirklich sehr idyllisch bekommen.