Mittwoch, 14. August 2019

Kreuz und quer durch Bonaire

Jetzt haben wir die dritte Stufe der Mobilität auf Bonaire erreicht. Wir haben uns für eine Woche ein Leihwagen, einen ziemlich großen Pick-Up geholt. Es musste so ein Auto sein, denn in den Washington Slagbaai National Park kommt man nur mit einem Geländewagen mit Allrad-Antrieb.
Die ersten zwei Tage (dann kommt unsere Tochter Ivonne und unser Enkel Eric zu Besuch) erkunden wir die Insel allein. Wir fahren die Küstenstraße entlang, kommen bei vielen Tauchspots vorbei, erkennbar an den gelben Steinen. Die Küste von Bonaire ist an vielen Stellen wunderschön, auf der einen Seite das türkisfarbene Meer und auf der anderen die Felsformationen die vom Meer ausgespült wurden.
Nachdem wir durch Kralendijk durchgefahren sind kommen wir zu den Salinen.
und immer wieder die bunten Häuser
egal wo man langfährt
rosa Wasser, weiße Salzberge und

blauer Himmel. was für ein Anblick
hier legen die Frachtschiffe an
Der Süden von Bonaire ist flach, kaum Bewuchs, nur ein paar Divi-Divi Bäume beugen sich dem Passat. Landwirtschaft ist nicht möglich. Das einzige, was hier geerntet werden kann, ist Salz.
Als die Spanier die Inseln Aruba, Bonaire und Curacao "entdeckt" hatten, nannten sie die Inseln "Islas Inutiles" – die nutzlosen Inseln.

Das die Inseln nicht nutzlos waren erkannten bereits vor knapp 400 Jahren die Holländer, die den Spaniern die ‚unnützen Inseln‘ wieder abnahmen.
Der Hunger nach Salz war bei den Holländern groß. Sind sie doch die Erfinder des Matjes, der in Salzlake haltbar gemacht wird. Und Produktion von Delfter Porzellan verschlingt ebenfalls Massen an Salz. In den natürlichen Salzseen auf Bonaire legte man Salinen an aus denen bis heute qualitativ hochwertiges Meersalz geerntet wird. Früher war dies Sklavenarbeit. Die Hütten stehen entlang der Salzstraße und sind perfekt renoviert. Gestrichen im unvermeidlichen Bonaire-Insel-Ocker-Gelb. Die Familien der Sklaven lebten derweil im Norden, im ältesten Örtchen der Insel, Rincon.
Heute übernehmen die schwere Arbeit große Raupen und das Salzschiff wird über ein modernes Loren-System beladen. Damals erfolgte der Transport der Salz-Fracht mit Esel, als man die Tiere nicht mehr zur Salzgewinnung brauchte wurden sie einfach frei gelassen. Sie verwilderten und stellen nun eine Plage dar. Sie sind weder bei Umweltschützern noch bei Gartenbesitzern beliebt. (nur bei den Touristen – wie wir es im Moment sind)
Ein Esel-Reservat nimmt sich seit 20 Jahren dieses Problems an. Zwei Drittel aller Esel wohnen mittlerweile dort und durch Kastration soll eine ungezügelte Vermehrung der freilaufenden Tiere verhindert werden.
schön sehen sie aus
na komm
obwohl sie wild leben, alzu scheu sind sie nicht
Der nächste Halte-Punkt an der Küstenstraße ist der Leuchtturm. Nach der Besichtigung des Leuchtturmes, geht es weiter zu den Sklavenhäusern.
Ja, die hatten wirklich gemauerte Häuser, aber seht selbst, diese Zwergenhäuschen mussten sich sechs Personen teilen. Es war ganz schön eng und wahrscheinlich auch sehr warm.
mensch Ingrid, nicht in den Spiegel, sondern zu den Sklavenhäusern schauen
es ist kaum vorstellbar
das hier 6 Personen geschlafen haben









 Bevor wir zurückfahren machen wir noch einen Abstecher zur Lac Bay – einer Lagune wie in der Südsee. Die Lac Bay, eine 5km lange und mehr als 2km breite, feinsandige weiße Bucht mit glitzerndem türkisblauem Flachwasser, die auf der Nordseite von dichten Mangrovenwäldern eingesäumt ist. Auf mehr als 1km Breite und Länge kann man in dieser Bucht im feinen Sand knie- bis hüfttief stehen. Die Lac Bay liegt frei und offen, nichts stört den Wind – hier kann der beständige Passat, der East Caribbean Trade Wind, mit voller Puste vom Atlantik aus konstant herein blasen. Da der Wind über Land kommt gibt es kaum Wellen, genial für Surfer.
leuchtend blaues Wasser viel Wind
und keine Wellen, große Klasse









Am Sonntag Abend (04.08.19) holen wir Ivonne und Eric vom Flughafen ab. Mit den Beiden machem wir die ganze Insel Rundfahrt noch einmal und etwas ausgiebiger.

Unser nächstes Ziel ist der am Nordende der Insel liegende „grüne“ Washington-Slaagbai-Nationalpark, voller Echsen und Vögel – und Touristen, Das dort viele Leute sind bemerkt man nur am Eingang wo man Schlange steht. Im Park dagegen verläuft (verfährt) sich alles und man hat das Gefühl man ist allein unterwegs.
nicht Schlange gucken, sondern stehen
der gesammte Norden ist der Pak








Der Norden ist recht grün, allerdings nicht tropisch üppig bewachsen, sondern Kakteen-Wälder dominieren den Bewuchs. Dicht gedrängt stehen sie an der Fahrbahn und behindern stellenweise die Weiterfahrt durch die bizarre Wüstenwelten mit Felsen, Agaven und ganzen Kakteenwäldern.
Wie vorhin schon erwähnt der Naturpark darf nur von Allrad getriebenen Fahrzeugen befahren werden. Es dauerte nicht lange und wir wussten warum, es ging extrem steil nach oben und genauso steil nach unten und unendlich viele Löcher schüttelten uns durch.
Kleine Trampelpfade führen durch den Kakteen-Wald. Kakteen kommen (bis auf eine einzige Ausnahme) nur auf dem amerikanischen Kontinent vor, gehören zu den langlebigen „Sträuchern“ und sind definitiv nicht meine Lieblingspflanzen. Aber zwischen 10 Meter hohen Säulenkakteen und Kandelaber-Kakteen zu wandeln, ist eine Hausnummer. Dazwischen wachsen Kugel-Kakteen und „Schwiegermuttersitze“, die von den Azteken als Folterinstrument eingesetzt wurden. Selbst Blatt führende Pflanzen, wie Akazien, haben Dornen. Hier sind alle Pflanzen bis unter die Zähne bewaffnet.

mit dem Pick Up durch Kakteen-Wälder
und durch Fels-Landschaften
Leguane zu fotografieren
ist nicht ganz einfach















Übrigens machen sich die Einheimischen das zu Nutzen und bauen lebende Kakteen-Zäune gegen gefräßige Ziegen und nicht minder hungrige Wild-Esel, die durch die Gegend ziehen.

Früher soll es im Norden einen richtigen Wald gegeben haben, der aber der Abholzung für den Schiffsbau zum Opfer gefallen ist. Eine Wiederaufforstung gestaltet sich schwierig, da Ziegen und Esel alle Schösslinge verbeißen.
In Richtung Küste wird der Bewuchs spärlicher und hört schließlich ganz auf. Die Ostseite mit den ungebremsten Wellen der Karibik, die spektakulär auf die Felsen donnern, ist nahezu Strandlos, rau und dramatisch.
hier  toben die
Naturgewalten









Obwohl wir anfangs keine allzu großen Erwartungen an den Park hatten, da die Insel eher trocken und unfruchtbar ist, wurden wir dann aber doch umso mehr überrascht wie atemberaubend, überwältigend und bizarr die Landschaft dieser Insel sein kann. Wir begegneten bunten Eidechsen (Jurassic Park lässt grüßen), großen Leguanen, Flamingos so rosarot wie nur irgendwie möglich, Papageien, Pelikanen, wilden Eseln und Ziegen, …


Unser nächstes Ziel ist das „Gotomeer“, dort sollen sich die Flamingos aufhalten. Sie sind in Bonaire heimisch und zugleich Bonaire’s National Vogel. Sowohl auf den karibischen Inseln wie auch an der Nordküste von Südamerika heimisch. Bonaire ist eine der weltweit größten Brutstätten der Flamingos. Grund dafür sind der nährreiche Boden der nicht zu hart und auch nicht zu weich sein darf. Der hohe Salzgehalt im Wasser, eine genügend hohe Frischwasser Zufuhr und die noch ausbleibende Beeinträchtigung durch Menschen und Tiere. Hier können die Vögel ungestört nisten und leben. Durch das Jahr wandern eine Vielzahl von Flamingos zwischen Bonaire, Venezuela, Guyana, Brasilien und Kolumbien. Das Futtervorkommen ist der Grund für ihre Wanderungen. Die Caribbean Flamingos fressen lange und ausgedehnt. Sie wühlen mit ihren langen Beinen Schlamm vom Boden der Salinen-Teiche auf und filtern das Fressbare durch ihren Schnabel. Meeresschnecken, kleine Muscheln, Mücken, Salzwasser Shrimps und Fliegenlarven sind täglich auf dem Speiseplan der Flamingos. Das Karotin welches im Futter reichlich vorhanden ist, gibt den Flamingos ihre unverwechselbare Pinke Farbe.
Tolle Tiere
Der See der Flamingos liegt an der Grenze zum Washington Slagbaai National Park. Wir fahren wider durch Kakteen Wälder und uns zeigt sich ein wunderschöner Salzsee, und wir können die ersten Flamingos von der Nähe beobachten. Das Lake Gotomeer ist der beliebteste Platz bei den auf Bonaire lebenden Flamingos. Auf dem Salzsee im Norden der Insel schnappen sich die scheuen Tiere die roten Salzwasserkrebse. In der Zeit von Januar bis Juli ist bei den Flamingos Brutzeit. Und es ist daher mit vielen Flamingos zu rechnen.
eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch

haloho mir geht es gut
nicht posieren, da, die Flamingos anschauen


überall Flamingos
und fotografierende Touristen (Inge und Ivonne)
 








Mit dem Kajak durch die Mangroven.
Den Nordteil der Lac Bay bedecken dichte Mangrovenwälder. Mit ihren langen Luftwurzeln stehen die Mangrovenbäume im Salzwasser und bilden dort nahezu undurchdringliche Geflechte.
Wir haben den Ausflug in der Bonaire Touristen Info gebucht. Ein tolles Erlebnis! Mit den Kajak durch die Mangrovenlandschaft zu paddeln ist bei den teilweise sehr engen Passagen nicht immer einfach. Deshalb wird auch viel gelacht, wenn man sich wieder mal mit dem Paddel oder dem ganzen Kajak in den Mangrovenwurzeln verheddert. Dazwischen geniessen wir die Stille in diesem grossartigen Naturgarten.
das Boot ist ein wenig kleiner als Hembadoo
wir waren nur eine kleine Gruppe (6 Kajaks)

aha Eric (Enkel) lässt Muttern paddeln

und das über längere Strecken (Schlitzohr)

ich muß aufpassen hier wird es richtig eng
Auf der Hälfte der Strecke, Ausstieg aus dem Kajak und los geht’s mit Taucherbrille und Schnorchel zwischen den Mangroven hindurch. Man sieht wunderbar die bewachsenen Wurzeln der Mangroven von unten, farbig, faszinierend. Grosse Fischschwärme suchen hinter den herabhängenden Mangroven-Wurzeln Schutz.
Eric in seinem Element
und ich hinterher










Die Stelle an der wir aus dem Kajak ausgestiegen sind war nicht gerade flach (das Wasser ging bis zum Bauch) und ich ahnte schon das das einsteigen in die kippligen Boote eine besondere Herrausforderung wird. Mit viel Gekreische und Gelächter haben es dann doch alle geschafft.
Es war ein wunderbares Erlebnis! Wir strahlten vor Glück als wir wieder an Land waren. Dadurch das wir (bei der Rückfahrt) relativ dicht an der Riff-Kante waren erlebten wir die Wellen und den Gegenwind mehr als uns lieb war und wir hatten deshalb reichlich Wasser im Kajak  Das gute war, durch den relativ starken Wind blieben wir von lästigen Mücken-Attaken verschont! 

Jetzt wird es aber Zeit das wir uns von Bonair verabschieden. Wir gönnen uns noch ein großes Abschiedsessen und dann geht es weiter in Richtung Curacau.
ja, ja nur nicht abmagern

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