Mittwoch, 17. Juli 2019

Bonaire - Holland im Westen der Karibik

Anfangs mussten wir sechs Stunden mit Motor fahren (dicht an der Nordküste von Trinidad immer nach Osten, um ein besseren Windwinkel zum Segeln zu bekommen). Das war ein guter Test für das Getriebe. Die Ölundichtigkeit war größer als anfangs gedacht. Wir verbrauchten pro Stunde knapp ein Liter Automatik-Getriebeöl. Wir haben es positiv gesehen und gemeint das es gut sei das das Getriebe gespült wird. Aber es ist auch klar das wir in Bonair unbedingt die Wellendichtung wechseln müssen. Wegen der Piraterie mussten wir reichlich Abstand zu Venezuela gewinnen. Den Aufenthalt in St. Vincent haben wir verworfen denn die Regenzeit läuft zur Hochform auf und das gefällt uns gar nicht – also weiter!

der Leuchtturm und ein Funkmast vielmehr ist nicht zu erkennen
Es ist geschafft,wir haben knapp fünfhundert Seemeilen ohne Probleme überstanden! Anfangs segeln wir mit achterlichem Wind und ruhiger See. Am Abend sehen wir Blitze am Horizont zucken, aber das Gewitter kommt nicht näher. Mit jeder Meile nach Westen lassen wir die Regen hinter uns. Es ist so, wie wir uns das Segeln vorstellen. In Richtung Westen, im Passatwind ist es das pure Vergnügen und einfach (keine Segel trimmen). Wie immer besuchen uns Delfine. Auch wenn die Wellen zwischendurch mal ca. 3 bis 4 m hoch waren. Sie kommen von hinten und Hembadoo mit seinen 20 Tonnen versuchte sogar zu Surfen. An den venezolanischen Inselchen schleichen wir uns vorbei, ohne Positionslichter ohne AIS-Sender, nur für den Fall das Piraten nach uns Ausschau halten. Als Belohnung erschien nun am Mittag das Tauchparadies Bonaire am Horizont. Von der Insel sehen wir anfangs nur den Leuchtturm, sonst nichts. Die Insel ist so flach wie eine Nordsee Hallig. Beim näher kommen kann man ein paar Häuser ausmachen und später riesige Salzberge. Ingrid wäre am liebsten schon mit Brille im Gesicht und die Flossen an den Füssen in das Wasser gesprungen. Doch erst müssen wir um die Südspitze schaukeln, den Kurs nach Norden ändern und endlich in ruhigem Wasser Hoch am Wind nach Kralendijk segeln. Hembadoo fliegt regelrecht durch das Wasser (22 Knoten Wind und kaum Wellen), wir strahlen und an Steuerbord ziehen flache Wüstenlandschaft, Salzseen und aufgeräumte bunte Häuschen vorbei.
Bonaire ist die östlichste und zweitgrößte der niederländischen ABC-Inseln. Im Gegensatz zu ihren beiden Nachbarn Aruba und Curacao ist sie jedoch kein autonomes Land, sondern eine besondere Gemeinde der Niederlande. Die knapp 19.000 Einwohner haben also einen niederländischen Pass und sind EU-Bürgern gleichgestellt, auch wenn Bonaire nicht zum Gebiet der EU gehört. Die Währung ist der US-Dollar.

Ankern rund um Bonaire ist strengstens verboten, um den submarinen Nationalpark zu schützen. Die Riffe liegen kaum 50 Meter vom Strand entfernt, Steilwände, die von 10 Metern direkt auf bis zu 100 Meter abfallen. Um die Segler dennoch nach Bonaire zu locken, hat die Inselverwaltung an der Strandpromenade von Kralendijk 45 Moorings gelegt, an denen man für 10 Dollar pro Tag liegen kann. Wir hatten natürlich Pech und alle Moorings waren belegt.
alle Moorings sind belegt
Mal auf die schnelle schwimmen oder Schnorcheln fällt aus das ist schon ziemlich enttäuschend. Als Alternative blieb uns nur die Marina im holländischem Stil mit gepfefferten Preisen, eigentlich nichts für uns. So ein klares Wasser haben wir in einer Marina auch noch nicht gesehen und richtig große und bunte Fische. Letztendlich waren wir dann doch ganz zufrieden da wir ja fünf Wochen auf unsere Tochter und unseren Enkel warten müssen (Stromanschluss, Wasser, Duschen).

Am nächsten Tag machten wir ein Fußmarsch ins Zentrum von Kralendijk zum Einklarieren. Zoll und Immigration sitzen in einem Büro und die ganze Aktion war völlig unproblematisch. Die Hauptstadt Kralendijk ist ein sehr lebendiger, bunter Ort mit karibischem Flair und vorwiegend Shops und Restaurants.
Bei unserer Wanderung durch das Zentrum ist der Einfluss von Holland nicht zu übersehen, die bunten Häuser, die sauberen Straßen, Papierkörbe, wo man hinschaut, nur Palmen Kakteen und Flamingos lassen erkennen wo man sich wirklich befindet. Nachdem wir wieder zurück auf dem Boot waren, waren wir fix und fertig. So lange Strecken (knappe 6 km) bei sengender Hitze (kein Schatten) wandern waren wir gar nicht mehr gewöhnt. Statt Tauchen und Schwimmen war Dusche und Beine hoch angesagt. Aber am nächsten Tag gleich nach dem Frühstück sind wir bei uns um die Ecke(!), an den Coco-Beach, zum Baden beziehungsweise Schnorcheln gegangen. Kristall klares Wasser, Fische und Korallen wie in einem Aquarium nur wenige Meter vom Strand. Das ist Balsam für die geschundene Seele (Stress in Trinidad).

der fast lehre Strand neben der Marina
knapp 30 Grad Wassertemperatur, super









Die nachfolgenden Unterwasser-Fotos haben wir direckt an den oben zu sehenden Strand gemacht. Durch den von den Wellen aufgewirbelten Sand ist das Wasser nicht ganz so klar. Aber es ist verrück, schon nach ein paar Zentimetern schwimmen Fische um uns herrum. Sie lassen sich durch unsere Anwesenheit bei der Futtersuche überhaupt nicht stören. Na das ist vileicht ein Spass.

gerade noch am Strand im Trocknen und Sekunden später mitten im Fisch-Schwarm
die meisten Fisch sehen freundlich aus 😊
oder wie eine zu groß geratene Stricknadel


andere sind flach und schielen


und sind Meister der Tarnung


Schade keine Schatztruhe


zum Schluss ein freundliches Tschüss





















Wir haben uns wie immer schnell eingelebt. Einen Service nutzen wir sofort, den kostenlosen Bus-Shuttle zum Supermarkt (jeden Dienstag und Freitag um 17.00 Uhr). Im Supermarkt kommt dann der nächste Schock. Erst die positive Überraschung, wegen all der tollen Dinge, die es zu kaufen gibt, und dann das böse Erwachen beim Blick auf die Preise. Die Supermärkte sind ausgezeichnet bestückt. Man bekommt nach europäischem Standard praktisch alles was das Herz begehrt und den Gaumen erfreut. Bonair ist sehr teuer, trotz des günstigen Umrechnungs-Kurs US Dollar zu Euro.

Schnell mussten wir erkennen das die Entfernungen von der Marina zu den interessanten Punkten doch sehr groß sind. Also aktivierten wir unsere Fahrräder, obwohl sie eigentlich Seewasserfest sein sollten hat der Rost ordentlich zugeschlagen. Die jetzt gewonnene Mobilität erleichtert unser Leben erheblich. Die ersten Begegnungen mit der Flora und Fauna auf der Insel sind auch Interessant. Zur Zeit begeistern uns am meisten die bunten Eidechsen (von denen gibt es tausende) und vor allen die großen Leguane.
Die grünen Leguane sind auf Bonaire heimisch. Sie sind von Natur aus sehr scheu und vorsichtig. Aber bei einem Spaziergang waren wir Zeuge einer wirklich kuriosen Geschichte. Ein Hund und ein Leguan spielten mit einander. Als der Leguan der Meinung war das ihm auch ein schattiger Platz in der Hundehütte zusteht, war der Hund nicht begeistert, er nahm den Leguan vorsichtig ins Maul und bugsierte ihn nach draußen, wo der Leguan heftig protestierte.

Raus aus mein Haus
also wirklich, du spinnst wohl









Fortsetzung folgt.

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