Mittwoch, 8. März 2017

Banjul, Gambia, Westafrika

Banjul, Gambia, Westafrika
Am 27.02. um 11 Uhr ist der Anker in die Tiefe vor Banjul gerauscht. Banjul ist die Hauptstadt, trotzdem nicht die größte Stadt in Gambia. Der Hafen ist klein, es gibt nur zwei Anleger für die Großschifffahrt.
der erste Ankerplatz zwischen Fähre und Fischer
Wir entschieden uns neben der Fähre zu ankern, um die Wege zum Einklarieren kurz zu halten. Beim Einlaufen wurden wir lautstark und gestikulierend von einem Afrikaner am Strand, mit ein Blatt Papier in der Hand, begrüßt. WELCOME IN GAMBIA, so wurden wir empfangen - ganz sweet von Ibrahim. Er hatte sofort seine Dienste für das Einklarieren angeboten (Immigration-Einwanderung, Custom-Zoll - an zwei Stellen und Port Office-Hafenbüro). Eigentlich wollten wir das Prozedere alleine meistern und waren zum Schluss heilfroh das wir Ibrahim vertraut haben. Tapfer liefen wir mit Ibrahim, bei brüllender Hitze, alles ab, inkl. Geldautomat. Zum Büro der Immigration bewegten wir uns auf verschlungenen Pfaden. Ibrahim öffnete eine unscheinbare Tür und wir standen in einem kleinen Raum voll gepresst mit einer Sammlung verschiedenster Möbel und sechs Frauen in Uniform. Die eine oder andere Beamtin hat sich schon der Wirkung der Mittagshitze hingegeben und hält, mitten im Gewühl, ein Mittagsschläfchen. Kopf nach hinten auf der Lehne, Kopf nach vorn auf dem Schreibtisch – gerade so, wie die Gebrauchtmöbelsammlung es erlaubte. Erstaunlicher weise forderten sie kein Bakschisch ein. Wir haben Ibrahim natürlich für seine guten Dienste bezahlt und auch den Zoll für überhaupt keine Dienste (na ja, sie haben unser Schiff nicht durchwühlt) – sie haben uns unmissverständlich in Kenntnis gesetzt, wie viel Schmiergeld wir hier zu bezahlen hätten und nannten es ein Präsent (ob das Verwandtschaft vom Zoll in Dakar ist? - Bericht Dakar 2 -). Fürs erste bekamen wir eine Aufenthaltsgenehmigung von 21 Tagen. Auf dem Weg, den Gambia-River hoch, können wir uns in Farrafenni eine Verlängerung holen (Stempel in Pass). Okay, also kein Problem. Nachdem wir völlig kaputt und halb verdurstet wieder am Schlauchboot waren, empfahl uns Ibrahim unbedingt den Ankerplatz zu wechseln, denn der jetzige Ankerplatz sei nicht sicher. Also Anker hoch an dem riesigen Containerschiff vorbei und schon konnte der Anker nach kurzer Fahrt wieder ins Wasser. Das Stadtviertel wo wir jetzt ankern heißt „Half Die“ und ließ schon schlimmes ahnen und so war es dann auch. Schon im Segelführer kann man lesen das es eins der schlimmsten Viertel von Banjul sein soll. "Half Die" heißt übrigens nicht wegen halbtot geschlagener Yachties so, sondern weil bei einer Choleraepidemie in diesem Stadtteil die Hälfte der Bevölkerung gestorben war. Man ankert ziemlich ungeschützt im starken Tidenstrom zwischen Sandbänken und halb aus den Wasser schauenden Schiffswracks. Banjul als Stadt gefiel uns ganz gut denn es war nicht ganz so vermüllt wie Dakar. Nur ohne sicheren Liegeplatz konnte uns Banjul nicht für sich einnehmen.

der erste Versuch etwas zu kaufen
die Masse der Menschen sind sehr arm

jeden Abend versuchen die Einwohner mit Besen den Müll zu beseitigen
Heute sind wir los gezogen und haben versucht uns mit frischem Obst zu versorgen, denn auf dem Fluss gibt es nicht mehr so viel. Wir sind jetzt voll in der Trockenzeit und das Angebot wird zusehends schmaler. Internet ist ein echtes Problem, wir brauchen unbedingt eine Prepaid-Karte von Africell. Am nächsten Tag begaben wir uns noch einmal in die Stadt, als uns ein junger Mann zu winkte, und wir uns als Deutsche zu erkennen gaben, antwortete er in etwas gebrochenen Deutsch. Jetzt kamen wir mit Samba ins Gespräch und erfuhren das seine Mutter in Berlin lebt und er dadurch etwas deutsch gelernt hat.
in der Mitte ist Samba, ein lustiger Geselle
 Er wusste auch sofort wo wir eine Prepaid-Karte von Africell bekommen und führte uns in ein Mini-Büro. Zur Registrierung stellte er sein Ausweis zur Verfügung (wir hatten unsere Pässe nicht mitgenommen – nur Kopien). Das klappte alles der Maßen gut, das wir uns haben überreden lassen mit in den Irisch Pup des großen Bruders zu gehen. Um den Rückweg sicher zu finden hatte ich den Hinweg per GPS aufgezeichnet, denn der Pup lag in der 10. Gasse auf dem 5. Hinterhof. 


es wird immer Abgelegener
und auch ärmlicher
uns ist nicht wohl bei der Sache
aber Samba schreitet voran
Mittlerweile wurde uns ganz flau im Magen, den die Umgebung wurde immer ärmlicher und abgelegener. Auf dem weg durften wir in eine Koran-Schule schauen. Der Lehrer hatte als Zeige-Stock eine Peitsche. Wir nehmen an das er sie auch benutzt hat. Unsere Gefühlswelt war bei den Anblick sehr gespalten. Einerseits werden die Kinder von der Straße geholt und man kümmert sich um sie. Andererseits müssen sie arabische Schriftzeichen lernen aber lesen, schreiben und zum Teil sprechen ihrer eigenen englischen Amtssprache können sie nicht. Die fröhlichen Kindergesichter von der Straße sind auch nicht zu erkennen. 

von der Straße
in die Koranschule
Doch dann haben wir es doch noch unbeschadet geschafft den Pub zu erreichen. Da haben wir dann ordentlich bei den kalten Guinness-Bier zugelangt. Das war ein wirklich schöner und lustiger Nachmittag. 

am Irish Pub angekommen
die Party kann beginnen
es gibt viel zu lachen
die Jugend-Gang des Viertels, alles liebe Kerle
an die Straßenküchen haben wir uns gewöhnt
das ist unser Abendbrot
Am nächsten Tag haben wir beschlossen doch erst nach Lamine Lodge zu Peter zu fahren. Wir hatten noch reichlich Fragen und hofften auf ein paar Antworten. Wer ist Peter, mit der berühmten Lamine Lodge.
Lamine Lodge, wie ein Piraten-Nest aus ein Hollywood Film
Schon in den 80er Jahren hatte er Gambia mit seinem Segelboot für sich entdeckt. Das Land und seine Leute ließen ihn nicht mehr los und er wurde dort Sesshaft. In einem Seitenarm des Gambia Flusses schuf er ein kleines Idyll in Form einer Lodge, die mit der Zeit zu den Big 5 Hot-Spots für jeden Gambia Touristen wurde. Aber Peter hat es trotz des Erfolgs geschafft, den Zauber und die Ursprünglichkeit des Ortes zu erhalten. Jeder ist hier willkommen: der Rasta-Mann, der jeden Tag ein warmes Essen bekommt und sobald ein Tourist die Lodge betritt, als Willkommensgruß auf seinem selbst gebauten Musikinstrument aufspielt, ebenso die Affenhorde, die ständig irgendwo lauert, um den besten Moment abzupassen, die Pommes vom Teller zu stehlen, und natürlich wir Segler. Um die Lodge hat sich ein kleines Dorf gebildet, deren Bewohner direkt oder mittelbar von der Lodge leben.
Peter kann viel erzählen
Dies alles wird zusammengehalten von Peter, der mit seiner ruhigen und freundlichen Art nach dem Motto handelt: Leben und Leben lassen. Und er schafft es, die Lodge so natürlich wie möglich zu unterhalten. Die Lodge ist nur aus Naturmaterialien gebaut und mitten in den Mangroven zaubert seine Belegschaft ohne Kühlschrank und Strom kaltes Bier und frische Garnelen, die morgens noch im Fluss geschwommen sind, auf den Tisch. Die Stunden, die wir zusammen mit Peter verbrachten, umgeben von sich streitenden Affen und seinen Geschichten aus alten Segeltagen lauschend, werden wir so schnell nicht vergessen und einige Fragen konnten auch beantwortet werden.
die Lodge von der Landseite
Innenansicht
hier geht es in Richtung Dorf
Hier ist es so ruhig und geht es so Familiär zu das man gar nicht weg möchte. Wir nutzten die angebotene Hilfe, um unsere Diesel (290 Liter) und (Wasservorräte (250 Liter) aufzufüllen. Alles in Kanister das ist ziemlich Schweißtreibend. Bei ein Probelauf des Hauptmotors ging auf einmal die Ladekontrolle an, kein Ladestrom und keine Drehzahlanzeige. So ein Mist da der Keilriemen in Ordnung ist kann es nur die Lichtmaschine sein. Nach einer Intensiveren Untersuchung war klar, das der Regler im Eimer war (die Drehstrom-Lima war erst zwei Jahre alt und die Kohlen des Reglers wie neu). Ich habe die Lichtmaschine ausgebaut und den Regler abgeschraubt alles in ein Beutel und mit dem Schlauchboot rüber zur Lodge. Dort gibt es Mussa, Er ist der Sicherheitsbeauftragte und der Chef-Organisator für das „Drum Herum“ und vor allem er spricht fließend deutsch. Er hat sich angeboten die Lima zu Reparatur zu einem Elektriker zu bringen. Ich sagte noch einmal ganz deutlich der Regler ist kaputt und die Lichtmaschine sollte überprüft werden. Noch am selben Tag war die Lima mit angeschraubten Regler und einer Rechnung von 800 Dalasi wieder da. Ich hatte schon so ein komisches Gefühl und gab Mussa erst einmal nur 400 Dalasi und sollte alles laufen bekommt er den Rest. Kurz und Bündig Lichtmaschine Schweiß überströmt eingebaut, Zündung ein – Ladekontrolle leuchtet nicht, Motor gestartet kein Ladestrom keine Drehzahl. Was war denn das für eine Reparatur bitte schön? Da ja Sonntag war habe ich Mussa per Sprachnachricht mitgeteilt das das ganze eine Luftnummer war und der Elektriker möge sich am Montag mit entsprechenden Ersatzteilen auf dem Boot sehen lassen. Am Montag Mittag bin ich dann wieder an Land gefahren um den Elektriker abzuholen. Mussa hat mit den Augen gerollt (nach dem Motto „wie Doof ist das denn“) und der Elektriker hat ganz unschuldig aus seiner Wäsche geschaut. Auf dem Schiff habe ich ihm erst einmal erklärt das ich auch Elektriker bin und er mir keine Geschichten erzählen braucht. Ich benötige lediglich einen funktionierenden Regler. Er ahnte wohl das seine restlichen 400 Dalasi in Gefahr waren, deshalb begann er jetzt mit einem Klingeldraht und einer Prüflampe und Schweißgebadet die Lima und den Regler zu überprüfen. Erhobenen Hauptes und mit wichtiger Mine stellte er fest das der Regler kaputt ist (wer hätte das gedacht?) Und Stolz kramte er aus sein Rucksack zwei alte, gebrauchte Regler, aber die Kohlen waren noch okay. Regler angeschraubt 1 ½ Minuten Arbeit und alles war wieder in Ordnung. Den zweiten Regler habe ich für kleines Geld gleich meinem Ersatzteilsortiment zugeführt. Nachdem er sein Geld bekommen hat konnte er auch wieder Lachen. Ich habe das ganze mal etwas ausführlicher beschrieben, denn wenn man nur auf fremde Hilfe angewiesen ist, macht es das Leben an Bord nicht unbedingt Leicht. Denn alles was kaputt gehen kann geht auch kaputt.
links Gusman der Fahrer (holt auch Diesel), mitte Mussa, rechts Buba (bringt auch Wasser)
Und so waren es wieder ganz besondere Menschen, die uns doch den Abschied etwas schwerer werden ließen. Über eine Geschichte muss ich noch berichten. Der Redakteur der Lausitzer Rundschau, Frank Hilbert, machte mit uns ein Interview über die Reise. Das Interview füllte eine ganze Seite der LR und in der online Ausgabe ist sogar ein kleiner Zusammenschnitt der Youtube-Videos.
Seite 3 der Lausitzer Rundschau
Es gab eine Lawine von E-Mails und WhatsApp und reichlich Kommentare bei Facebook, auch von vielen uns unbekannten Lesern. Da wir es nicht hinbekommen, jeden einzelnen zu Antworten, möchten wir uns auf diesem Wege recht herzlich für Euer Interesse und Eure Anteilnahme bedanken. Morgen am 08.03 wollen wir weiter. Der Gambia River ruft.











Dienstag, 28. Februar 2017

Sine-Saloum, ein Paradies


Dieses Gebiet ist eine stark von den beiden Flüssen Sine und Saloum geprägte Wasserlandschaft mit zahlreichen kleinen Inselchen, die von einem labyrinthartigen Gewirr von Bolongs (Flussarme) umgeben sind. Die Flussarme sind mit dichten Mangroven und Schilf bewachsen, das Mündungsdelta ist ein belebtes Vogelreservat. Unzählige Wasservögel, wie z.B. Störche, Fischadler, Reiher, Pelikane und Möwen leben hier, ein großer Teil der Küstenregion ist Naturschutzgebiet. Wir wollten, anders als die meisten anderen Schiffe, nicht an der afrikanischen Küste entlang segeln um unser nächstes Ziel, Gambia, zu erreichen, sondern über die Flüsse Saloum, Sangako und Bandiala.
unsere Route im Überblick
Das war ein etwas gewagtes Unterfangen, denn die Flüsse sind miserabel und unzuverlässig kartografiert, an vielen Stellen sind wandernde Untiefen und das ganze Gebiet ist von Menschen so gut wie nicht besiedelt. Man ist völlig auf sich selbst gestellt und muss, wenn man auf Grund läuft, die Nerven behalten. Auch elektronische Navigationshilfen sind für dieses Areal zu ungenau. Wenn wir manchmal in einen Flussarm einfahren wollten, zeigte der Computer an, dass wir uns längst auf Land befinden würden. Wir beschlossen, uns, wie beim ersten mal, völlig auf Google Earth zu verlassen und wieder montierte ich die Halterung für das Windows-Tablett über den Kartenplotter (schon in Dakar haben wir an die 100 kap Dateien aus Google Earth und für OpenCPN angefertigt), und wir lagen mit dieser Entscheidung Gold richtig. So und jetzt der Reihe nach. Die Einfahrt in den Saloum und die Fahrt bis zu unserem ersten Ankerplatz, in der Nähe von Mar Lodj, waren kein Problem, denn wir fuhren genau auf der aufgezeichneten Linie vom letzten mal, wo wir weiter nach Dangane gefahren sind. 

endlich wider ein schöner Ankerplatz
mit der dazugehörigen Abendstimmung
Am nächsten Morgen ging es erst mal weiter den Fluss Saloum hinauf. Der Fluss ist breit und ausreichend tief, so dass die Fahrt bis zum Abzweig in den Sangako kein Problem darstellte. Allein die Fischernetze die quer fast über den gesamten Fluss gelegt wurden waren etwas nervig und erforderten die volle Aufmerksamkeit. An dem einen Ende, befindet sich ein kleines Fähnchen das man kaum erkennt und am anderen Ende, in Ufernähe, ist eine Pirogge auf der ein Fischer mit einer roten Flagge wild winkt. Nicht auszudenken, würden wir uns ein solches Netz in den Propeller einfangen und dann manövrierunfähig im Fluss treiben. Aber glücklicherweise ist alles gut gegangen und wir kommen gegen Mittag an den Abzweig an. Die weitere Fahrt ist wegen zahlreicher, sich ausbreitender Untiefen schwierig. Wir haben sie bei ansteigendem Wasser und mit einem konzentrierten beobachte des Tiefenmessers vorgenommen.
ojeh überall Sandbänke
Ab hier wird es stetig einsamer. Boote, die mehr als zwei Meter Tiefgang haben sollten sehr vorsichtig und mit viel Fingerspitzengefühl fahren. Wenn man wirklich einmal stecken bleibt muss man Nerven bewahren, denn der Schlamm ist weich und schlüpfrig. Der Fluss mit wunderschön bewachsenen Uferzonen. Mangroven in bizarren Formen und zwischen durch immer wieder die riesigen Baobab-Bäume fesseln die Blicke, wir fühlten uns verwunschen wie in einem Zaubermärchen. Alles hier liegt so isoliert vom Fortschritt, dass man das Gefühl hat, die Zeit ist hier Jahrhunderte lang stehen geblieben. Wir ankerten jeden Tag, abgeschnitten von aller Zivilisation, in herrlicher Mangrovenlandschaft der Bolongs. In der ersten Nacht, konnte man, an den geschützten Ankerplätzen, die vollkommene Stille fast nicht aushalten, und ist Anfangs ständig aufgewacht. Kein einziges Geräusch, das nicht in diese Natur gehörte, störte die sternenklaren Nächte. Es war nur das Zirpen der Grillen und das Plätschern des dahin fließenden Wassers zu hören.
die Stimmung am Ankerplatz ist unschlagbar
das Wasser ist wie ein riesiger Spiegel
man kann sich gar nicht satt sehen
was haben wir da geangelt?
Die Einfahrt in den River Bandiala ist ebenfalls etwas kompliziert, denn sie ist verhältnismäßig eng. Man darf den Tiefenmesser nicht aus den Augen lassen! Und dann war die Sensation Perfekt, Flussdelphine, eine ganze Herde begleitete uns. Sie waren wesentlich scheuer als ihre Kollegen im Meer und hielten respektvoll Abstand. Das Fotografieren war mit unserer bescheidenen Ausrüstung nicht einfach. Bis jetzt haben wir es geschafft ohne festzusitzen den Fluss zu befahren (wir haben 1,90m Tiefgang). Um die nächste Kurve befindet sich das Dorf Toubacounta und wir fahren jetzt bei Hochwasser. Wir dachten die paar Meter bis zum Ankerplatz wird es keine Probleme geben. Falsch gedacht - die Konzentration hat nur einen Moment nachgelassen und schwuppdiwupp, schon haben wir festgesessen. Dadurch das das Wasser schon wieder zu sinken begann mussten wir nach vielen vergeblichen versuchen uns zu befreien einsehen, das wir vor dem nächsten Hochwasser in der Nacht um eins, nicht freikommen würden. Beim Wasser-Tiefststand hatten wir eine Schräglage von 27 Grad und jede Bewegung auf dem Schiff wurde zur Herausforderung.
Claudia und Fabrice wollen helfen
viele Zuschauer
wir waren die Sensation
die Gelegenheit zur Kontrolle nutzen
nur gut das es weich liegt
und nicht zulange
Viele Fischer und Ausflugs- Piroggen kamen um uns zu helfen, oder nur zu schauen, aber bei 19 Tonnen ist mit einer kleinen Pirogge nichts zu machen. Jedenfalls waren wir in Toubacounta das Gesprächsthema und fast jeder kannte uns, was uns später bei der Kontaktaufnahme sehr hilfreich war. Wir haben natürlich die Gelegenheit genutzt um Rumpf, Ruder und Propeller zu Inspizieren und noch ein paar Reinigungsarbeiten durchzuführen. Wie vermutet sind wir in der Nacht nach mehreren Versuchen freigekommen. Wir haben dann mitten in der Fahrrinne bei 8 m Tiefe geankert. Nach einer kurzen Nacht, sobald es hell geworden ist, fuhren wir auf den Ankerplatz, vor einem schicken Hotel, der Lodge Keur Saloum, dessen Anlegesteg wir benutzen durften.
gleich neben Fabrice am Anker
so ein Steg hatten wir lange nicht mehr
groß und breit wie eine Straße
Als die ersten Fischer und Touristen zum Fluss gekommen sind, präsentierten wir uns ein bisschen Stolz und in voller Pracht vor Anker. Als wir aufgesessen haben, versuchte uns ein französisches Segler-Paar, Claudia und Fabrice, uns mit dem Schlauchboot zu helfen, was natürlich nicht gelang. Aber wir „verstanden“ uns auf Anhieb gut und sie begleiteten uns gleich am ersten Tag ins Dorf, um uns den kleinen Markt und andere Einkaufsmöglichkeiten zu zeigen. Am Ende sind wir dann in eine kleine Lodge, die von einem Holländer (der in Kongo geboren wurde und dort auch lange lebte) geführt wurde, und haben uns jeder zwei große, eiskalte Bier gegönnt.
nach dem ganzen Theater tut das gut
wer brauch da schon französisch
Fabrice, organisierte für den nächsten Tag eine Jeep-Tour, zu einem der größten Westafrikanischen Märkte nach Touba Mourid.
der Eigentümer der Lodge bietet uns die Fahrt zum Markt an
Schon allein die Autofahrt, vorbei am Affenwald, durch die Savanne und durch viele winzige ursprüngliche Dörfer, war ein absolutes Abenteuer. Bei der zum Teil rasanten Fahrweise mussten wir uns ordentlich festklammern. Interessant war auch wie viele, vor allem Frauen (bei der sengenden Hitze) zu Fuß mit großen Lasten auf dem Kopf oder mit dem Esel-Karren unterwegs waren.
so sieht die Fahrt mit dem Buschtaxi aus
alle wollen zum Markt
ob mit Esel-Karren oder zu Fuß
hier kann man erahnen was zur Regenzeit los ist
Durch Abertausende Jahre ging Afrika zu Fuß. Hier kannte man das Rad nicht, konnte sich dessen Vorzüge nicht zu eigen machen. Die Menschen gingen zu Fuß, sie wanderten und was sie tragen mussten, das schleppten sie auf dem Rücken, auf den Schultern und in den meisten Fällen auf dem Kopf. Ganze Fabriken, Städte und Spitäler wurden in ihre Bestandteile zerlegt, und auf dem Kopf ins Innere von Afrika befördert, wo sie später wieder aufgebaut wurden. Bei den jungen Frauen mit ihren klein Kind (eine Frau ohne Kinder ist ein seltener Anblick), können wir eine Szene voller Anmut beobachten. Zuerst schwingt die Frau den schlafenden Säugling auf den Rücken, der klammert sich Instinktiv fest und mit einem Baumwolltuch wird er festgebunden. Dann kniet sie nieder und hebt ihren unerlässlichen Topf voll Essen oder anderen Waren auf den Kopf. Sie richtet sich auf und macht mit dem Körper eine Bewegung wie eine Seiltänzerin: Sie balanciert und erlangt so das Gleichgewicht. Wir können nur Staunen.
Inge am Start
Am Markt angekommen machten wir erst einmal große Augen. Massenhaft Leute, Unmengen zu verkaufender Wahre und in den schmalen Hauptgängen bewegen sich noch unzählige Eselskarren. Wir stürzten uns umringt von einer Schar Kinder in das Getümmel. Angst vor Körperkontakt darf man dabei nicht haben. Unsere Rucksäcke füllten wir mit allerlei Gemüse und Nüsse. Ingrid war mittlerweile ein richtiger Verhandlungsprofi und es machte ihr richtig Spass. Wir reizten die Verhandlungen aber nicht bis zum letzten aus denn es war uns schon klar das die, meistens Frauen, jeden Cent zum leben benötigen. 

Markt 1
Fleisch für die Küche der Lodge
Markt 2
Markt 3
Markt 4
Markt 5
Platzangst darf man hier nicht haben
Markt 6
was soll man davon halten?, die Mangroven werden massenhaft abgeholzt
und immer wider Erdnüsse
Obwohl unsere kleine Gruppe, die einzigen Weißen, unter den Hunderten Einheimischen waren, wurden wir nicht als Fremde wahrgenommen (außer die Kinder). Unterwegs zum Auto sind wir schnell wieder von einer Horde Kinder umringt, wir spendierten ihnen unsere kalte mit Wasser verdünnte Fanta, na was für eine Freude bei den Kindern über den Jagderfolg. Das Getränk wurde gerecht aufgeteilt. 

fast immer wird man von Kinder umringt
egal wo man sich befindet
wenn einem solche Augen anschauen kann man nur schwer Nein sagen
Eine Voraussetzung für ein Überleben der Gruppe ist eben, dass ich alles, was ich besitze, bis zum Letzten teile. Das lernen schon die Kleinsten. Nach dem wir wider in der Lodge gelandet sind musten wir erst einmal den Staub mit einem eiskalten Bier herrunterspülen.
Safari beendet, Bier schmeckt
das Essen war super Lecker
Rettungsaktion, Ziege hat sich im Netz verfangen
am Steg gab es noch Besuch von einer Horde Affen
aber die waren doch recht scheu
Bei dem Eigentümer der Lodge revangierten wir uns für die Fahrt zum Markt indem wir ein wohlschmeckendes Fischgericht bestellten. Nach Toubacounta kommt man schnell wieder in ländliche Gebiete. 

und weiter geht es auf dem Fluss
und immer wieder Abstecher in die Mangroven
oder auf kleine Inseln
große Berge mit Austernschalen
wer hier wohl wohnt?
der ganze Baobab ist voll mit den Nestern
Das Dörfchen Sipa ist ein attraktives Plätzchen zum Anhalten. Das Dorf ist noch völlig Ursprünglich und dessen Bewohner sind sehr freundlich. Auch die Umgebung ist eine Augenweide. Wenn es nicht so knister Trocken wäre könnte man sich wie im Dschungel fühlen.
das ist kein Museum
das ist ein ganz normales Dorf
Sipo 1
Sipo 2
Sipo 3
Wasser hoch holen ist Schwerstarbeit
am Brunnen wird auch die Wäsche gewaschen
auch das Vieh wird hier versorgt
der ganz kleine bei 36 °C im Ski-Anzug?
neues Schilf für Zaun und Dach
Freiluftwerkstatt für Gehege-Zaun
die große Schüssel ist voll mit Wasser
richtiger Wald, wie schön
hier möchte man gar nicht mehr weg
Wald 1
Wald 2
Wald 3
ich bleib hier
die Bewohner sind freundlich
und das Wasser ist Kristallklar
die Zukunft liegt am Strand, es wird eine Wasserleitung gebaut
Unsere verbrachte Zeit im Sine-Saloum-Gebiet geht nun zu Ende und gehört auf jeden Fall zu den Highlights unserer Afrikatour. Am Ende des River Bandiala ist Gambia mit seiner Hauptstadt Banjul nicht mehr weit. Die Ausfahrt aus dem Fluss, muss wegen geringer Wassertiefen, bei ruhigem Wetter stattfinden, um nicht durch den Atlantikschwell Probleme zu bekommen. Wir sind schon früh in der Morgendämmerung losgefahren um wieder die ansteigender Tide zu nutzen.

Alles Weitere im nächsten Bericht.