Mittwoch, 6. Dezember 2017

Mar del Plata - Argentinien

Ingrid ist wider wohlbehalten mit ein großen Koffer voller Ersatzteile in Uruguay angekommen. Der Zoll hat sich, Gott sei dank, nicht um den Inhalt des großen Koffers gekümmert nur ihr Handgepäck wurde gründlichst untersucht. Ich bin mit dem Bus nach Montevideo um sie abzuholen. Die Wiedersehens-Freude war nach anderthalb Monaten entsprechend groß. Die folgenden Tage verbrachten wir mit dem Ein- bzw . Anbau der Mitgebrachten Teile. (Tankanzeigen, Membran für manuelle Bilgenpumpe, Pumpe für die hintere Toilette, 9V Stromversorgung für Tankanzeigen und vieles mehr) die Woche bis zu unser geplanten Abfahrt verging Ruck-zuck. Der einzige der überhaupt nicht mitspielte war der Wettergott. Genau zu unseren Abfahrtstermin kündigte sich ein Sturm aus Süd an und wir mussten den Abfahrtstermin verschieben. Aber dann war es so weit. Das Ausklarieren (Hafen, Migration und Präfektura) war problemlos (mittlerweile waren wir darin auch geübt. Unser größtes Problem war das Boot von den Mooring-Tonnen los zu bekommen. Durch den Sturm hatten wir Hochwasser und die Mooring war mit samt unseren Leinen-Knoten unter Wasser. Es hat zwei Stunden gedauert um Entlastungs-Leinen zu verlegen um die Bojen wenigstens etwas höher zu bekommen und dann Leinen und Schäkel zu lösen.
mit Hilfsleinen die Mooring entlasten
mit dem Schlauchboot kann man auf den Steg
und dann kniet man im Wasser








Für unseren Zeitplan spielte es aber keine Rolle denn wir wollten eh erst am späten Nachmittag los. Wir hofften das sich die Welle vom vorangegangenen Sturm noch etwas beruhigt. Und so legten wir am Freitag den 24.11. 2017 um 17:30 Uhr nach 4 Monaten in Piriapolis ab. Mittlerweile schleichen sich Abschiedsgefühle ein und es macht sich doch etwas Wehmut breit (obwohl, die Hafenanlage mit den neuen festen Beton-Stegen werden wir mit Sicherheit nicht vermissen).
Bootsbesatzungen und selbst die Bauarbeiter winken uns zum Abschied zu
Aber jetzt geht es endlich los. Der Rio de La Plata empfing uns mit mäßigen Wind aber mit gewaltigen Wellen auf denen sich die neuen Wellen aus entgegengesetzter Richtung bildeten. Das ganze ergab wirklich wilde Schiffsbewegungen. Dann wurde Ingrid Seekrank und ist in die Koje gekrochen. Ich musste mich auf eine lange Nacht einstellen. Gegen ein Uhr beruhigte sich das ganze und wir hatten die Wellen schräg von hinten. Ich weckte Ingrid (ich konnte nach den Anstrengenden Tag kaum noch die Augen aufhalten) ihr ging es mittlerweile wider besser und ich konnte beruhigt meine zweieinhalb Stunden Schlafen. Wir haben unseren Rhythmus noch nicht gefunden. Als ich zu meiner Morgenwache um 3:30 Uhr erscheine, erzählt mir Inge, wie groß die Wellen sind. Hat sie offenbar sehr beeindruckt, ich wundere mich, da ich sie als nicht sonderlich ungewöhnlich empfinde. Auch Gewöhnungsprozesse brauchen ihre Zeit. Und mangelnder Schlaf ist da nicht förderlich. Auch ich fühle mich nach wie vor recht erschöpft. In der Nacht war es doch reichlich kalt. Ich habe in meiner zweiten Wache sehnsüchtig den Sonnenaufgang und die wärmenden Sonnenstrahlen erwartet.
ich sehe aus als ob ich mich schon in der Antarktis befinde
Die restliche Zeit war relativ ereignislos. Wir segelten mit voller Genua um die 6 Knoten und wir erreichten die Küste von Mar del Plata am Sonntag um die Mittagszeit. Einige Zeit bevor wir den Hafen von Mar del Plata erreichten begannen wir schon, mit der Prefectura – der dortigen Coast Guard – zu funken. Argentinien ist ja sehr formalistisch und vom Militär geprägt. Das heißt für uns Segler, dass wir uns überall bei den jeweiligen Behörden an- und abmelden müssen. Der Herr am Funk war recht nett und hat sich geduldig meinen auswendig gelernten Funkspruch auf Spanisch angehört und mit einem kurzen Okay geantwortet. Kurz darauf kam das große Schlauchboot der Präfektura auf uns zugerast und begleitete uns ein Stück bis zur Hafeneinfahrt. Nachdem sie erkannten das wir uns von der Flachstelle an der Einfahrt fern hielten verließen sie uns. Wir tasteten uns vorsichtig in den Hafen. Ausgerechnet vor der Einfahrt in den Yachtclubs gab es eine Regatta mit Kinder in kleinen Optimisten. An die Festmacher-Tonne kamen wir nicht heran und Ankern bei dem Gewusel war auch nicht so einfach (wir wollten ja keinen der Kinder versenken oder ein Zusammenstoß riskieren) Ingrid hat vergebens den Yachtclub gerufen (auf englisch antworten die nicht). Der Wind nahm immer noch zu und wir kurvten inmitten der kleinen Optimisten vor der Brücke herum. Dann kam ein Schlauchboot und half uns die Festmacher-Leine durch die Boje zu fädeln. Jetzt konnten wir in Ruhe auf das Boot des Yachtclubs Argentina warten. Der kam dann auch nach einer Weile, gab uns aber zu verstehen das es nicht einfach wird bei den Windverhältnissen mit ein Langkieler in den Hafen zu fahren. Ich sollte ins Boot steigen und mir die Verhältnisse im Hafen anschauen. Wir düsten durch die beiseite geschwenkte Brücke. Nachdem ich mir alles angeschaut habe versicherte ich ihn das wir ein kräftiges Burgstahlruder haben und es keine Probleme geben wird. Nachdem ich zurück war lösten wir dass Boot von der Boje und fuhren langsam in Richtung der Lücke mit der Schwenkbrücke, durch die es in das Becken mit den beiden Yachtclubs geht. Jetzt aber vorsichtig in die Marina, der Wind pfiff von vorne. Nun mussten wir Rückwerts in die Box jetzt drückte der Wind von der Seite. Ich benutze das Burgstahlruder der Motor läuft aber es bewegt sich nichts oder nur ganz wenig. Verflucht!. Das war`s mit der eleganten Einfahrt in die Box. Der Marinero im Beiboot hat unser Problem sofort erkannt und uns mit seinem Boot vorne herumgedrückt. Trotzdem tuschierten wir ziemlich unsanft einen der Festmacher-Pfähle die aber glücklicherweise aus Holz sind (sieht aus wie ein kleiner alter Ostsee Hafen).
im Hafen ist es ziemlich eng
Inge auf der Drehbrücke
Jetzt werden wir kurz Mar del Plata genießen, bevor es dann weiter geht. Heute haben wir noch einen strikten Arbeitsplan entworfen. Nach dem Ingrids und meine Vorstellungen halbwegs in Einklang gebracht wurden ging es an die Arbeit. Wir haben 10 Tage um alles zu erledigen (Einklarieren, Diesel beschaffen, Burgstahlruder kontrollieren (tauchen), Stadt besichtigen u.s.w.). Da sollte alles ohne Stress zu schaffen sein. Denn ab jetzt steht der Wille zum Erfolg im Vordergrund. Und deshalb gehen wir konzentriert ans Werk, und es läuft......nicht. Am besten war die Migration. Der junge Mann kam mit dem Einreisestempel und den Papieren direkt zum Boot und 5 Minuten später waren wir mit unserem Stempel im Pass offiziell Eingereist. Im Hafen versicherte man uns das alle Behörden am Sonntag geöffnet hätten. Zuerst sollten wir zum Zoll und dann zur Präfektura. Also Papiere geschnappt und losmarschiert. Beim Zoll angekommen war die Tür verschlossen erst am Montag geöffnet. Na ja der Weg war schon mal umsonst. Wir machten uns keine Hoffnung das wir bei der Präfektura etwas erreichen würden aber da wir nun mal unterwegs waren sind wir auch dort hingegangen. Nach einigen hin und her erklärte man uns das wir erst am Montag zum medizinischen Dienst müssen und dort unsere Unbedenklichkeitsbescheinigung bezahlen und bekommen. Mit dem Nachweis das wir den Doktor bezahlt haben können wir am Montag wider zur Präfektura. Der Zoll interessiert niemanden. Der ganze Weg war erst einmal umsonst, na ja nicht ganz, wir haben ja ein paar Infos bekommen. Also am Montag zuerst zum Arzt war Ruck-zuck erledigt dann zum Zoll dort erklärte uns der Beamte das wir erst zur Präfektura müssen und mit den Papieren die wir dort bekommen könnten wir wiederkommen. Also raus aus dem Büro und wider zur Präfektura. Nach einer geraumen Zeit waren alle Formulare ausgefüllt und wir bekamen die Information das wir noch heute eine Inspektion bekommen. Wir wussten von unseren Niederländischen Freunden das diese Inspektion neuerdings bei jeder Yacht durchgeführt wird. Eigentlich hatten wir erst in Chile damit gerechnet denn wir wussten das bei etlichen Sachen das Haltbarkeitsdatum überschritten war. Kaum das wir an Bord wahren war auch schon das Inspektionsteam der Präfektura da, mit Drogenspürhund. Es kam wie es kommen muste Drogen wurden nicht gefunden aber das Haltbarkeitsdatum der Leuchtraketen, Handfackeln und der Feuerlöscher war abgelaufen. Eine Strafe von umgerechnet 100 Euro mussten wir auch bezahlen.  Einen kleinen Trost hatten wir den anderen Yachten (Engländer, Holländer) erging es genauso. Jetzt wurde es doch noch Stressig, Raketen und Fackeln suchen und kaufen, Wartungsdienst für Feuerlöscher suchen und überprüfen lassen. Für die ganze Aktion brauchten wir zwei Tage.
der Drogenhund hat Pause
bei uns sind sie fertig, jetzt geht es zu
unseren Nachbarn, den Engländern
unser neues Feuerwerk
und die geprüften Feuerlöscher
 








Die nächsten zwei Tage war Diesel holen angesagt. 680 Liter mit zwei 20 Liter Kanister und einer kleinen Transportkarre von der Tankstelle die Straße entlang zum Hafen über die Buckligen Schwimmstege aufs Boot. Da spürt man am Abend was man gemacht hat.
das war der erste von vielen Gängen
die Füße glühen
zur letzten Runde werde ich von Ingrid begleitet
 








Am Wochenende haben wir uns noch einmal zum essen und quatschen mit unseren Freunden, den Belgiern Rita und Fons, von der SY Sunshine in der Clubgaststätte (hier gibt es ein hervorragendes Essen) verabredet.
diese Arbeit macht wirklich Spass

Nach ein etwas längeren Tauchgang war auch das Burgstahlruder in Ordnung (der Tunnel war voller Muscheln). Alle technischen Arbeiten sind erledigt und so wie es aussieht können wir morgen, Donnerstag, den 7.12.17, am Vormittag hoffentlich auslaufen. Das Wetter soll für ein paar Tage halbwegs vernünftig sein. Ein bisschen Aufgeregt sind wie schon, denn wir bewegen uns in der Gegend wo auch das argentinische U-Boot vermisst wird.
Außerdem ist die argentinische Küste eine Gegend wo der Wind schon mal unverhofft und gewaltig auffrischt. Unser einziger Stopp wird nach 5 Tagen in der Caleta Horno (eine sehr schöne, einsame Anker-Bucht) sein. Ich vermute mal wenn wir hier in Mar del Plata ablegen haben wir bis Ushuaia kein Internet denn wir halten ordentlich Abstand zur Küste. Wir werden alle 2 bis 3 Tage ein kleinen Bericht per Satellit in den Blog setzen. Bilder und ein ausführlichen Bericht gibt es erst in Ushuaia. So nun noch einmal zur Reiseroute - in der Caleta Horno warten wir wider auf ein Wetterfenster um bis zur Le Maire Straße zu kommen. Das ist ein sehr gefährlicher Ort hier müssen wir unbedingt auf die richtigen Verhältnisse warten (das heißt Wind von hinten also aus Norden und die Gezeiten-Strömung in unsere Richtung) einer der Wartepunkte wäre die super schöne Anker-Bucht Puerto Hoppner auf der Staaten Insel (Isla de Los Estados). Sobald die Verhältnisse passen dann so schnell wie möglich durch die le Maire Straße und in den Beagle Kanal. Dort machen wir noch 2 bis 3 Stopps und dann hoffen wir Weihnachten oder kurz nach Weihnachten in Ushuaia zu sein. Dort wird noch einmal der Vorrat für die nächsten 3 Monate aufgefüllt. Dann geht es in den Südlichsten Ort nach Puerto Williams (Chile) wo wir Silvester feiern. Dann beginnt das nächste Abenteuer / Naturerlebnis, quer durch Feuerland in Richtung Pazifik und dann nach Norden (Beagel Kanal, Magelan Straße, viele andere Kanäle und hunderte Inseln. Im Moment sind es 4 Yachten die nach Süden segeln 1 Engländer, 1 Belgier, 1 Holländer und wir. So diese Infos müssen erst einmal reichen denn ich muss zusehen das ich bis zum Abend noch ein paar Kleinigkeiten erledige.



Freitag, 20. Oktober 2017

Interessante Stunden in Uruguay

Es ist nicht immer leicht einen Bericht zu schreiben, wenn man längere Zeit an einem Ort verbringt, denn dann treten sich die Pfade immer mehr aus, soll heißen es kommt eine tägliche Routine zustande mit wenig Abwechslung. Würde man versuchen zu Hause in Deutschland oder wo auch immer, Berichte zu schreiben was du so täglich alles erlebst, obwohl du nur morgens aufstehst, frühstückst, zur Arbeit fährst, abends dann nach Hause kommst, das Abendessen vertilgst und dich dann vor den Fernseher setzt, dann, so kann ich mir vorstellen, dass die Berichte nicht sehr viele Höhepunkte beinhalten. In einer ähnlichen Lage befinden wir uns auch (oder auch nicht). Denn wir sind bereits schon seit zwei Monaten hier in Piriapolis (Uruguay) und eine gewisse tägliche Routine kann man nicht verleugnen.
wenn wir noch viel länger bleiben, werden wir zu Einheimischen und saugen am Mate-Tee
Aber es gibt ja noch ein paar Dinge wo der geneigte Leser auf eine Antwort wartet (z.B. Getriebe, weiterer Reiseplan und noch einiges mehr).
Fangen wir mal mit dem Getriebe an. Der letzte Stand war ja,das das Getriebe vor unseren Landausflug heil und ohne Probleme angekommen ist. Da das Getriebe vor dem Versand in Miami (USA) noch einmal geprüft wurde und alles o.K. war bin ich doch auf den glorreichen Gedanken gekommen das Getriebe alleine einzubauen und ein paar Dollar zu sparen. Was für eine Sch..... Idee. Nachdem ich mehrere Liter Schweiß verloren hatte war das Getriebe nach zwei Tagen eingebaut.

Am dritten Tag sollte der Funktionstest stattfinden, das heißt Motor starten und Gang einlegen. Doch dann gefror das Lächeln im Gesicht – das Getriebe dreht sich nicht, weder vorwärts noch rückwärts. Na da konnte ich mir von allen möglichen Leuten was anhören. Die erste war Ingrid (sie stand ja gleich neben mir) – „jetzt haste das Getriebe kaputt gemacht, Mensch du oller Geizhals was musstest du es alleine einbauen“. Ich wusste aber zu 100 Prozent das ich an diesem Getriebe nichts kaputt machen konnte. Als nächstes haben wir unseren Mechaniker, Diego, aufs Boot geholt. Ich war extrem aufgebracht, denn ich dachte die haben uns ein kaputtes Getriebe angedreht. Diego ist auch das Lachen vergangen ihm war klar das ich mit dem Einbau das vereinbarte Geld halbieren wollte. In dieser aufgeregten Situation haben wir keine Übersetzung hinbekommen. Deshalb hat Ingrid Jorge Diena (unsere gute Seele), den TO Stützpunkt-Leiter in Montevideo (der schon so viel Gutes für uns getan hatte), angerufen. Nachdem er eine Weile mit Diego gesprochen hatte erklärte er mir ganz trocken am Handy „ihr habt einen unterschriebenen Vertrag an den hättet ihr euch halten müssen. Diego möchte das Getriebe ausgebaut an Deck haben um es in die Werkstatt zur Überprüfung mitzunehmen.“ Jetzt war meine Laune auf dem Null-Punkt, denn in diesem Moment stellte sich die Situation für mich wie folgt dar: wir wurden mit einem kaputten Getriebe betrogen, die 5000 Euro konnten wir in den Wind schreiben, keine Arbeitslohn Einsparung und weiterer Schweißverlust beim ausbauen des Getriebes – was für ein Anschiss. Ich glaubte in Diegos Gesicht so etwas wie Mitleid zu erkennen. Aber was soll's, alle schlechten Gedanken beiseite und das Getriebe ausbauen. Das ging rekordverdächtig schnell (na ja, Übung macht den Meister). Nachdem Diego das Getriebe geprüft und in Miami angerufen hat war alles klar, das war ein links laufendes Getriebe. Bei der Auftragserteilung habe ich extra darauf hingewiesen das die Drehrichtung unseres Motors „clockwiese“ (im Uhrzeigersinn, rechtsdrehend, ist). Das Problem ließ sich aber relativ leicht beheben in dem der Deckel der Ölpumpe um 180 Grad gedreht wurde.
Ich habe extra den Ölpumpen-Deckel beim alten Getriebe abgebaut und nachgeschaut
Jetzt hatte Diego ein schlechtes Gewissen und als kleinen Ausgleich hat er das gesamte Getriebe mit Epoxid-Harz als Korrosionsschutz gestrichen.
das Getriebe glänzt, hoffentlich auch bald unsere Augen
Als das Getriebe wieder an Bord war lachten wir schon wieder Alle. Vor allem, nach dem ich ihm klar machte das ich mit einem Glas Wein in der Hand auf meinem Platz sitze, keinen Finger krumm mache und nur Anweisungen gebe. Sie bauten zu zweit, mit dicken Schweißperlen auf der Stirn, das Getriebe ein. Natürlich profitierten sie von meinen Vorbereitungen (Flaschenzug, Motorhalterung und vielen Tipps).
Ich suche gerade mein Glas Wein
Arbeiten und Schwitzen
dürfen die beide alleine
 








Ein kurzer Probelauf – Getriebe dreht in beide Richtungen, Öldruck ist in ordnung, alles gut. Jetzt musste das Boot aus dem Wasser wir haben mit Hilfe von Diego die Schlepphilfe für den Tag organisiert, das hat auch bestens geklappt.
jetzt werden wir in die Slip-Anlage geschleppt
Das Boot hing im Travellift (Kran) dann war erst einmal Schluss mit der Aktion.
die Gurte um das Boot
das Boot angehoben und Ende im Gelände
Jetzt wieherte der 








Amtsschimmel. Wenn einer denkt in Deutschland ist die Bürokratie groß dann muss er unbedingt nach Südamerika. Die können einen schier zur Verzweiflung treiben. Jetzt heißt es im Hafenbüro Formulare ausfüllen. Die Formularschlacht fällt noch intensiver aus als bei der Anmeldung. Schweiß überströmt sitze ich am Schreibtisch und versuche die richtigen Worte in die richtigen Spalten zu setzen. Unterstützt wurde ich von vier Leuten die um mich herum standen und kreuz und quer ihre Kommentare in spanisch abgaben, mir platzte fast der Kopf. Das Amts-Spanisch verstehe ich nur andeutungsweise. Immerhin konnte ich ausschließen, dass da steht, ich werde ihnen Hembadoo schenken. Nach der Aktion hatte Walter, der Hafenmeister, soviel Mitleid mit mir, das er mit einem Teil der Formulare (zur Genehmigung – Stempel und Unterschrift) selber zur Prefectura gefahren ist. Nachdem das alles erledigt war konnte sich der Kran wieder in Bewegung setzen. Im übrigen haben wir das Boot ohne Geld und ohne Getränke verlassen, im guten Glauben das es spätestens Mittag fest auf Land liegt und wir wieder rauf können. Es wurde Mittag und alle verschwanden ohne ein Ton zu sagen für mindestens eine Stunde in die Mittagspause. Uns blieb nichts anderes übrig als zu den kleinen Imbiss-Stand im Hafengelände (dort wollte ich nie wieder hin, teuer und schlecht) zu gehen und etwas zu essen und vor allen etwas zu trinken zu bestellen (es war ein richtig heißer Tag) und bezahlen erst am nächsten Tag. Sie hat sich Gott sei Dank darauf eingelassen und wir sind nicht vor Hunger und Durst Tod umgefallen. Die ganze Mannschaft (immerhin waren es 5 bis 6 Leute) hatte mittlerweile beschlossen wieder weiter zu machen. Das Boot wurde auf ein Transportwagen gestellt und in die festgelegte Lücke verfrachtet.

vom Travellift auf den Transportwagen
und ab in die Lücke







Nachdem am späten Nachmittag alles fertig war fragten wir die Leute wie wir nun auf das Boot kommen, weit und breit war keine Leiter. Der Eine sagte ich sollte mitkommen und er gab mir aus einem Lager eine nagelneue Leiter. Ich war einigermaßen erstaunt. Aber uns sollte es nur recht sein. Das Glück sollte aber nicht lange anhalten. Der Mann kam wie ein geprügelter Hund an (wahrscheinlich hat ihn Walter zusammengestaucht das er die neue Leiter herausgegeben hat) und tauschte sie gegen etwas was man als hochkant hingestelltes (aus dünnem, schlecht verschweißten Rundeisen) Geländer und nicht als Leiter bezeichnen konnte. Beim hochsteigen wackelte das Ding gewaltig und wir dachten es wird jeden Moment zusammenbrechen. Am Abend kam noch Diego um Bescheid zu sagen wie es weiter geht. Bis zur Hälftei ist er auf die "Leiter gestiegen, dann ist er umgedreht, denn das war selbst für ihn zu viel. Zehn Minuten später kam er mit einem Kollegen und einer richtigen stabilen Leiter von seiner Firma zurück. Wir waren sehr zufrieden. Das Ausbauen der Welle ging relativ flott. Es wurde alles neu geschweißt und auf der Drehbank abgedreht und gefräst. Die Wellendichtung wurde neu gemacht. Alles in allen hat Diego eine 1A Arbeit abgeliefert.
geschweißt
gedreht und gefräst
polliert, gedichtet und eingebaut











  
Dann kam der Tag wo das Boot in das Wasser kam. Sicherheitshalber hat Ingrid ein Rucksack mit dem Nötigsten gepackt. Diesmal ging alles ein wenig schneller. Schon am Vorabend bin ich mit Diego zur Prefektura gefahren um die Genehmigung zum einsetzen des Bootes zu holen.

 
bevor der Fisch in die Kisten kommt
aber jetzt Boot aufladen
Stützpfähle weg und hoffen
das es diesmal nicht so lange dauert
 















Diego mit rauf aufs Boot – wegen der Probefahrt, Motor gestartet, Vorwärtsgang rein und - ups - das Boot fuhr rückwärts (um ein Haar wäre ich rückwärts gegen die Wand gefahren). Ei jai jai die Gangschaltung muss auch noch umgebaut werden. Aber egal erst einmal raus aus dem Hafen und Getriebe und Welle getestet. Auf einmal sprang Diego auf als er merkte das wir aus den Hafen herausfuhren. Er rief mit dem Handy die Prefektura an das wir außerhalb des Hafens eine Probefahrt machten. Was für ein Glück das wir die Prefektura (Küstenwache) nicht noch anrufen müssen wenn wir aufs Klo gehen.
ohne Prefectura geht hier garnichts
Jedenfalls habe ich das Boot vorwärts und rückwärts durch die Bucht gejagt. Es ist alles bestens nichts wird heiß, nichts tropft alle sind zu Frieden. Jetzt bleibt nur noch eins, mit dem vertauschten vorwärts und rückwärts Gang, ohne Schaden am Steg anlegen. 


wir wurden gleich von unseren
Stamm-Seelöwen begrüßt








Hier im Hafen von Piriapolis ist das ziemlich speziell, denn es gibt keine Leine an der Festmacher-Tonne (ohne Badeplattform am Boot oder Schlauchboot im Wasser ist das fast unmöglich). Aber alles hat geklappt und auch das umbauen der Gangschaltung war kein allzu großes Problem. Jetzt war der Zeitpunkt erreicht wo wir unbedingt eine Flasche Sekt öffnen mussten und auf das gute Gelingen anstoßen konnten.  Am nächsten Tag haben wir sofort Jorge Diena angerufen und Bericht erstattet. Des weiteren haben wir uns in Montevideo verabredet denn wir wollten ihn unbedingt zum Riesen-Steak Essen in der alten Markthalle einladen. Also auf nach Montevideo, aber einfach nur so Essen gehen kam nicht in Frage, erst einmal machten wir eine touristische Exkursion durch Montevideo und wir lernten einige Sehenswürdigkeiten kennen. Die erste Anlaufstelle war die Plaza Independencia, das ist der zentrale und größte Platz in der uruguayischen Hauptstadt. Um die Plaza Independencia sind zahlreiche historische und prägende Bauwerke Montevideos angesiedelt. Im Westen steht als letztes Überbleibsel der alten Stadtmauer das isoliert Stadttor, die Puerta de la Ciudadela. Durch dieses Tor führt der Weg in die Fußgängerzone der Calle Sarandí und somit die eigentliche Altstadt.

 
das Tor von der einen
und der anderen Seite
 








Auffällig an der rechten Ecke des Platzes, im Übergang zur Avenida 18. de Julio steht ein märchenhaft wirkendes Gebäude, hierbei handelt es sich um das Palacio Salvo. 1928 wurde es eingeweiht. Mit seiner Höhe von 105 m und 26 Stockwerken war das Bauwerk bis 1935 das höchste in Südamerika. In Auftrag gegeben haben es die Textilindustriellen José und Lorenzo Salvo, zwei Brüder italienischer Herkunft. Der Architekt baute zuvor das selbe nur etwas kleiner in Buenos Aires, mit dem die Stadt heutzutage in gleicherweise wirbt. Jetzt ist das Gebäude das Wahrzeichen von Montevideo. Seit 1996 steht es auf der Liste des “Nationalen Historischen Denkmals”.
Der Torre Ejecutiva ist ein Glaskasten der für mein Geschmack überhaupt nicht hierher passt. Dabei handelt es sich um ein 56 Meter hohes 12-stöckiges Gebäude. Es liegt neben dem ebenfalls dort befindlichen Palacio Estévez. Die lange Bauzeit dieses Gebäudes hat sich der Berliner Flughafen wohl zum Vorbild genommen. Es wurde nach einer 46 Jahre währenden Bauzeit deren Beginn 1963 war erst am 25. Mai 2009 eingeweiht. Derzeit befindet sich in den oberen drei Etagen der Sitz des Präsidenten von Uruguay.
In der Mitte des Platzes der Unabhängigkeit befindet sich Reiterfigur, die den uruguayischen Nationalhelden General José Artigas darstellt. Die Figur wurde 1924 errichtet, ein 17 m hohes Standbild. Die Militärdiktatur erweiterte die Figur im Jahr 1977 um eine monumentale Krypta (das Artigas-Mausoleum) in der sich die Urne mit dem sterblichen Resten des Helden befindet. Treppen auf beiden Seiten der Bronzereiterstatue führen in den Keller. Als wir abstiegen, füllte eine respektvolle Stille jeden Schritt, der uns von der Hektik der Stadt wegführte. Im Inneren bewachen Soldaten immer noch das Grab des Generals. An den Wänden des Mausoleums wird das Leben des Helden dargestellt. Es gibt jedoch keine einzige Zeile seiner berühmten Zitate. (Artigas hat übrigens, mit der Unterstützung der Bevölkerung, Uruguay zur Unabhängigkeit von Spanien und Argentinien verholfen) Jeder Ausdruck von Artigas hätte direkt als Rede für Freiheit und Demokratie verstanden werden können und das wäre für einige Leute zu viel „des Guten“. Hier mal ein paar Zitate von Artigas - der Mann ist mir wirklich Sympathisch:
"Ich bin nicht käuflich, und ich strebe nach keinem Lohn für meine Bemühungen außer dem, meine Nation frei zu sehen." "Yo no soy vendible, ni quiero más premio por mí empeño que ver libre mi nación."

oder das:
"Denken wir daran, daß sie [die Indios] in erster Linie ein Recht haben, und daß es eine Schande für uns wäre, sie weiter in dieser beschämenden Ausschlußsituation zu halten, der sie bis heute ausgesetzt waren, nur weil sie Indios sind." "Recordemos que ellos tienen el principal derecho, y que sería una degradación vergonzosa para nosotros, mantenerlos en aquella exclusión vergonzosa que hasta hoy han padecido por ser indianos."
Und was wurde später gemacht die Indios wurden zu 100% umgebracht. Es besteht kein Zweifel, dass er eine außergewöhnliche Persönlichkeit war, die von Historikern auf der ganzen Welt anerkannt wurde.
das soll wohl das größte Reiter-Denkmal der Welt sein
hier geht es in das Mausoleum
mit der Urne
 








 Dann verließen wir das Zentrum und fuhren auf der Küstenstraße nach Punta Gorda. Auf dem Hügel ist ein gut besuchter Platz und Park, genannt Plaza de al Armada, wo sich das Monumento a los Caidos en el Mar findet, eine Skulptur surrealistischer Kunst, gewidmet den ertrunkenen Seeleuten.

ein wirklich schöner Platz
Inge und Jorge geht es sichtbar gut
das soll wohl eine Person
in einer Welle darstellen
 













Nach soviel Kunst und Architektur war jetzt ein großes Steak fällig. Als krönenden Abschluss ging es in den ultimativen Grill-Tempel, den viel gerühmte Mercado del Puerto, die alte Markthalle in der Nähe des Hafens in der Ciudad Vieja, ist eine echte Sehenswürdigkeit des Viertels. Sie ist ein Konglomerat von riesigen Grillfeuern, der Lust am Fleisch sind hier kaum Grenzen gesetzt. Aber auch die Halle selbst ist sehenswert, nicht zuletzt weil sie eine originelle Stahlkonstruktion samt Glasdach ist, die man in den 1860er Jahren im britischen Liverpool bestellte. Kurioserweise wurde sie dort komplett entworfen, die Eisenteile gegossen und geschweißt, um anschließend nach Montevideo verschifft. Wir können nur froh sein das wir nicht in der Hauptsaison hier sind, dann ist es nämlich brechend voll. 

die englische Herkunft ist zu erkennen
ein Grill-Tresen
nach dem anderen
und Fleisch
ohne Ende
vor allendingen es schmeckt
Nach diesen super tollen Tag (noch einmal Danke für Alles Jorge) ging es mit dem Bus wieder zurück nach Piriapolis. Ja, und jetzt war
auch der Zeitpunkt gekommen an dem Ingrid nach Deutschland fliegt. Ich bleibe an Bord, denn der Liegeplatz ist alles andere als sicher. Nachdem das Auge von Ingrid zum zweiten Mal (jetzt aber erfolgreich) gelasert wurde und auch alle anderen Untersuchungen positiv waren haben wir beschlossen doch nach Süden (Patagonien und Feuerland – wenn sich die Möglichkeit ergibt Kap Horn) zu segeln. Ich nutze die Zeit um das Boot für diese abenteuerliche Tour vorzubereiten. Die Strecke die wir durch das chilenische Labyrinth fahren muss festgelegt werden. Sie muss auch bei der chilenischen Küstenwache vorgelegt werden und dann erhält man das „Zarpe“ die Fahrgenehmigung. 

so sieht die Streckenvorberitung
nach Süden und durch Feuerland aus
 







In der zweiten Woche nachdem Ingrid weg war gab es große Aufregung im Hafen. Zurzeit findet eine Regatta rund um die Welt statt. Einer der Rennsegler hat es fertiggebracht auf ein Wal zu fahren (der arme Wal). Eins der zwei Ruder wurde völlig verbogen, obwohl der Ruderschaft, also das Rohr am Ruderblatt ein Durchmesser von 12 cm hat und sehr dickwandig ist. Auch die Lagerung wurde beschädigt und deshalb musste das Boot aus dem Wasser. Das Riesenteil aus dem Wasser zu bekommen hat den ganzen Tag gedauert. Die Besatzung hat ordentlich Druck gemacht denen lief natürlich die Zeit davon. Das Boot blieb zum Laminieren die drei Tage gleich im Travellift. Das Ruder musste komplett neu angefertigt werden, das war natürlich ein Job für Diego. Ich konnte mich nicht zurückhalten und musste auch mal Hand anlegen. Kaum das das Laminat gehärtet war ging das Boot wider ins Wasser und sie sing auch gleich los nach Montevideo (von dort mussten sie wider Starten). Das Ruder hat Diego ein Tag später mit dem Auto nach Montevideo geschafft, es wird dort von Taucher eingebaut. Obwohl ich von diesen Millionen schweren Rennjachten gar nichts halte (ist wie Formel 1 auf dem Wasser) war es doch ganz Interessant. 

das ist das Grenzmaß für den Travellift (nicht das Gewicht aber die Größe)
hier erkennt man die neu Laminierte Fläche
die Nummer der Rennyacht
und hier wird das neue Ruder gebaut


und ich werde mal das ganze beschleunigen






 
hier mal die Draufsicht
und nochmal von hinten
 















Damit uns so etwas nicht passiert haben wir ein Wahl-Wecker, eine Glocke wird am Bug befestigt und eine Leine mit ein Stück Blei geht vom Schlägel bis ins Wasser. Wenn wir in der Nacht mit Seegel unterwegs sind wird ein schlafender Wahl geweckt. Was habe ich am Anfang geschrieben „eine gewisse tägliche Routine macht sich breit“ nachdem ich hier alles aufgeschrieben habe muss ich feststellen das das wohl doch nicht ganz stimmt. Am 9. November ist Ingrid wieder in Piriapolis und eine Woche später wollen wir dann in Richtung Argentinien los segeln. Für diejenigen die auf der Karte mal nachschauen wollen wo wir eigentlich hin wollen hier mal ein paar Orte: von Piriapolis nach Mar del Plata (Argentinien), Puerto Madryn, Caleta Horno (hat nichts mit Kap Horn zu tun), Isla Estados, dann die Le Maire Straße (das ist eine sehr spezielle Stelle), rechts abbigen in den Beagle Kanal, Ushuaia (der südlichste Ort von Argentinien), wider ein Stück zurück nach Puerto Williams (Chile), den Beagel Kanal weiter nach Westen, der Brazo Sudoeste, nach Nordrn in Richtung Magelanstraße, Kanal Smyth, Puerto Natales, Puerto Eden, Golfo de Corcovado, Golfo de Ancud, Puerto Montt (das ist erst einmal das 1. Hauptziel), Valdivia (das Ziel) Diese Auflistung ist nur ein kleiner Teil der unzähligen kleinen Kanäle und Ankerbuchten die wir besuchen. Auf dem Foto wo wir abgeschleppt werden erkennt man zwei große Trommeln mit je 100 Meter Leine. Die brauchen wir als Landleinen in den sehr schmalen Buchten denn in dieser Gegend stürmt es gewaltig.