Donnerstag, 3. Dezember 2015

Unserer Heimat auf Zeit




Die Tage fließen dahin, leicht und unbeschwert wie Swingmusik. Trotzdem gibt es immer was zu tun und wir konnten so einiges fertigstellen,
Die Nähte wurden durch UV-Strahlung beschädigt
was bisher wegen Zeitmangel und widrigen Windverhältnissen nicht möglich war.
 

Aber auch das faulenzen kam nicht zu kurz. 

Und Ingrid´s Lieblingsbeschäftigung ist momentan das Kochen.
Nachdem wir die Anordnung des Induktionsherdes verändert haben ist das Platzangebot noch größer. Das Brutzeln und Experimentieren in der Küche macht jetzt noch mehr Spaß.



Jetzt aber der Reihe nach.
Zuerst einmal eine genauere Beschreibung unserer Heimat auf Zeit.

Mit 1100 Liegeplätzen gehört Puerto de Almerimar, zwischen Motril und Almeria, zu den größeren, aber nicht teuren Marinas an der andalusischen Mittelmeerküste. Die Liegeplätze verteilen sich auf drei Hafenbecken mit Wasser und Strom an den Stegen. Die meiste Zeit ist es ruhig im Hafen, denn die eigentliche Stadt El Ejido liegt ein paar Kilometer weiter im Landesinneren. Nur an den Wochenenden belebt es sich hörbar, mal ertönen schöne Gitarrenklänge, mal nerven laute Disco Beats.

Die Marineros sind freundlich und bewachen ihr Revier sehr aufmerksam. Bei Starkwind werden die unbemannten Schiffe zusätzlich beäugt und eine allgemeine Gesichtskontrolle gehört jeder Zeit zum Pflichtprogramm. Auch nachts wird patrouilliert. Die Marinero`s helfen beim Anlegen (Leinen, Mooring). Allerdings kommt es während der Siesta-Zeit (14-16 Uhr), wenn das mehrsprachige Tower-Personal zu Mittag speist, gelegentlich zu skurrilen VHF- Gesprächen mit ankommenden Skippern, die kein Spanisch sprechen. Tipp: Einfach
reinkommen und am Hafeneingang festmachen – am Kai beim Hafenmeisterturm hinter der Tankstelle.

Es gibt eine überwiegend englische Gruppe von Dauergästen und Winterliegern, die jeden Morgen um 10 Uhr auf Kanal 67 Informationen und Hilfestellungen austauscht. Wer braucht was, verkauft oder tauscht, wo ist der Zahnarzt, wer fährt zum Markt, wann trifft sich die wöchentliche Seglergemeinde und wo.

Der Ort mutet auf Anhieb ein bisschen identitätslos an, denn es locken weder altehrwürdige Kathedralen mit maurischem Charme noch Halligalli-Touristenszenerie mit Aquafit for family. Almerimar entwickelte sich über die letzten 30 Jahre als Luxusurbanisation der Stadt El Ejido mit vielen neu gebauten Apartments, Golfplatz und Golfhotel. Angeblich sollte ein zweites Marbella entstehen, doch die Reichen und Schönen dachten gar nicht dran, sich hier einzunisten. Nun stehen so einige Bauleichen lieblos in der Gegend herum und sehr viele Anlagen leer. Vielleicht wartet Almerimar auf die Chinesen? In jedem Fall auf eine bevölkerte Zukunft.

Doch es gibt auch gute Argumente, die für den Ort sprechen: Überwinterer erhalten ein angenehmes Klima, weil Regenwolken sich bereits an den Sierra Nevadas entladen. Man kann im Winter am Schiff basteln, streichen und lackieren. Ebenfalls empfehlenswert sind die lokalen Dienstleister und Handwerker – besonders für die Spanisch Ungeübten – denn fast alle sprechen Englisch und manche auch Deutsch.

Die Werft bietet Schwerlastkräne, viel Platz und fast alles an Bootsarbeiten. Seit Anfang des Jahres darf man auf dem Gelände auch selber basteln. Am Ende des östlichen Hafenbeckens (Darsena 3) sitzt die Firma INOX, die ausgezeichnete Edelstahlarbeiten fabriziert – der Favorit ist zweifels ohne Stewart. Außer dem gibt es noch zwei Jachtausrüster (mit den üblichen spanischen Aufschlägen), Segelreparateure und Innenausstatter – wir können die Schwäbin Sandra von DeCosta empfehlen, sehr professionell. Nebenan führt das deutsche Paar, Alex und Udo, (wie schon im letzten Bericht erwähnt) einen Waschsalon / Lava Centro, samt einer kleinen Büchertausch-Ecke. Wer nett anfragt, darf sich auch mal ein Paket an ihre Adresse schicken lassen, denn die DHL sieht oft ein Schiff vor lauter Masten nicht. Ein großer Supermarkt / Mercadona ist von allen Hafenbecken in zehn Minuten zu erreichen. Restaurants, Cafés und Bars verteilen sich überwiegend auf die bewohnten Darsenas 1 und 3. Hingegen wirkt Nummer 2 tot und ausgesprochen charmelos, die Apartments stehen allesamt leer.

Der kleine internationale Flughafen in Almeria liegt ca. 50 Kilometer entfernt. (Malaga ca. 200 km.) Am Almeria Flughafen sitzen mehrere Autovermietungen, die oft 30% günstiger als die beiden lokalen Anbieter sind. Das lohnt sich allerdings nur, wenn man wenigsten für eine Woche bucht, denn die einfache Fahrt mit drei Bussen dauert zum/vom Flughafen ungefähr drei Stunden.

Zu beiden Seiten der Marina liegen kieselige Strände, die sich zum Baden, Kiten, Windsurfen und Picknicken eignen.


















Und immer wenn wir Lust und Laune dazu haben erkunden wir unsere nähere Umgebung mit ausgiebigen Fahrradtouren und Fußmärschen.
 

Jetzt ein paar Infos zum Gemüseanbau in unserer Umgebung.

Die Täler rund um El Ejido, Almerimar und Almería sind, so weit der Blick reicht, mit weißgrauen Plastikplanen überzogen, unter denen Tomaten, Paprika, Wasser- und Honigmelonen, Gurken, Zucchini, Auberginen und grüne Bohnen angebaut werden. Der Obst- und Gemüseanbau hat die Wüstenprovinz zu einer der reicheren Regionen Spaniens aufsteigen lassen. Der meistens wolkenlose Himmel sorgt dafür, dass Obst und Gemüse hier mindestens zwei Monate früher reifen als im Rest Europas.

Ein Großteil der Bevölkerung ist vom Gemüseanbau abhängig, der zu einem gewissen Wohlstand führte. Dies ist nicht zuletzt durch die geringen Lohnkosten zu erklären. Viele Flüchtlinge arbeiten ohne Papiere für einen Stundenlohn unterhalb des Tarifs. Die zum Anbau genutzten Treibhäuser bedecken eine große Fläche an Land; insgesamt sind rund 36.000 Hektar mit Plastik überzogen, was der Region den Beinamen „mar del plástico“ (deutsch: Plastikmeer) eingebracht hat. Es ist die weltweit größte Anbaufläche unter Folie. Pro Jahr werden etwa 3 Mio. t Treibhausgemüse produziert, gut ein Viertel davon geht nach Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Kunden.
In den Gewächshäusern der Region um El Ejido werden etwa 90.000 Arbeitskräfte benötigt.
Der Wasserverbrauch für jede einzelne Pflanze ist minimal, der Wassereinsatz extrem effizient, aber zusammengenommen ist der Wasserverbrauch in dieser trockenen Region gewaltig. Günstiger beurteilt wird die Entwicklung beim Einsatz von Pestiziden. "Da müssen wir den Deutschen dankbar sein. Ihr Druck hat dafür gesorgt, dass die Landwirte heute viel mehr auf biologische Schädlingsbekämpfung setzen als früher." Etwa die Hälfte von Obst und Gemüse aus Almería wird heute nicht mehr mit Pestiziden behandelt, stattdessen werden auf die Schädlinge natürliche Feinde angesetzt. Aber alles zusammengenommen ist die ökologische Situation sehr schlecht.

Donnerstag 22.10.15
Abschiedsessen mit unseren österreichischen Freunden – sie fliegen zu Besuch nach Wien.

Freitag 23.10.15
Das sind die schönen und schattigen Plätze

Busfahrt nach El Ejido und Stadtbesichtigung.





Wir laufen die gesamte Promenade hoch und runter von Schaufenster zu Schaufenster von Laden zu Laden das war überhaupt nicht mein Ding. Am schönsten waren noch die Miniparks und palmenumsäumten Ruhezonen. 

Busfahren wird zur Routine










Dienstag 27.10.15

Busfahrt nach Roquetas de Mar

Was die hier bauen in Spanien ist schon nicht mehr normal. Und gleich so riesige Hochhäuser! Hab ich da irgendwas versäumt? Ist im Hinterland die Pest ausgebrochen? Oder gibt es ein nationales Umsiedlungsprogramm: alle Spanier müssen ans Meer ziehen oder so?! Egal, für uns gibt es während der Busfahrt genug zu sehen und zu reden. Nach der zweiten und dritten Fahrt und genaueren hinsehen stellten wir fest das etliche Geschäfte, Häuser und Hotels zugemauert wurden und zum Verkauf stehen. Da wurde wohl vieles in den Sand gesetzt. Aber was auf keinen fall umsonst gebaut wurde ist das riesige Einkaufszentrum an der Plaza mit großen Baumarkt (endlich mal ein Laden wo ich mich wohl fühle).

Samstag 31.10.15
Die Wellen sind gewaltig  
Der Sturm 
Seit einigen Tagen wird für heute ein starker Sturm von Ost vorausgesagt. Wir haben noch einmal alle Leinen überprüft und dann ging es auch schon los. Dieser Wind tobt die Wellen die gegen die Hafenmauer donnerten waren riesig. Der Sturm hat auch für den relativ starken Schwell in der Marina gesorgt. Bis zum Abend hatten wir durchgehend 45 bis 55 Knoten Wind. (Solch ein Sturm aus Ost ist relativ ungewöhnlich denn die normale Sturmrichtung ist aus West.) Rund um uns krachten die Blitze herunter. Einer schlug nicht weit von uns ins Meer oder Hafenmauer. Im gesamten Hafen war der Strom weg und es war noch Gespenstischer. Auf einmal war der Wind weg. Es war als ob mann sich im Auge eines Mini-Hurrikans befand. Auch auf den Nachbarbooten wagte man sich nach draußen. Aber schon 10 Minuten Später – ich dachte anfangs es wirft jemand mit Steine – setzte ein Wahnsinns Hagelsturm genau entgegengesetzt, von West, ein. Ingrid verkroch sich in die Achterkajüte und wollte nichts
Reichlich abgebrochene Äste
mehr hören und sehen. Ich habe die Windanzeige nicht mehr ablesen können aber ich schätze es war einiges über 60 Knoten (das sind um die 120 km/h – Windstärke 12, Orkan) Uns ist's egal - das Schiff ist fest gemacht und die Marina ist sicher. Im Ort sah es auch ziemlich Wild aus, viele abgebrochene Palmen und Äste.



Aber eins muss mann ganz klar feststellen, die Heftigkeit der Stürme hat zugenommen. Das ist auch die Meinung der anderen Langzeit-Segler. Es ist aber auch kein Wunder wir hatten mitten auf dem Meer, weit weg von Land, Wassertemperaturen von 30 °C. Das Mittelmeer ist damit fast so warm wie die tropischen Gewässer der Karibik und um Thailand. Der Klimawandel lässt grüßen.


Montag 2.11.15
Der Segelmacher holt die beschädigten Segel

Mittwoch 4.11.15
Ingrid fährt zum Einkaufen allein nach Roquetas de Mar

Donnerstag 5.11.15
Heute fange ich mit einer Arbeit an die ich wegen den extremen Aufwand (verlegen der Luftschläuche) immer verschoben habe, nämlich den Einbau der Luftheizung. Eingebaut wird eine Webasto EVO 5500.



Folgende Punkte mussten abgearbeitet werden.

1. Geeigneten Platz für den Brenner gesucht und gefunden – im hinteren Teil der Werkstatt Dort besteht eine halbwegs gute Zugänglichkeit für Wartung und Reparaturen.

2. Dieselpumpe so installieren, dass sie einerseits gut fördert und anderseits schallisoliert montiert ist, damit man im Schiff nicht das Tackern des Magneten hört

3. für geeignete Brennluftzufuhr sorgen

4. für geeignete Abgasabfuhr sorgen - nicht zu lang und so das kein Wasser bei Lage eintreten kann.

5. und das Wichtigste und Schwierigste ist die richtige Verlegung der Warmluftschläuche
-nicht zu viele Bögen
-nicht zu enge Bögen
-beim nachträglichen Einbau sind diese aufwendig zu verlegen (Schotbohrungen: mit
großen Lochsägen 90mm und 70mm Durchmesser)
- nicht zu viele Auslässe (einer muss immer offen sein)

6. Die Elektrik ist fast genauso aufwendig
- ausreichend dimensionierte Zuleitung denn beim Starten benötigt die Heizung 10 - 15A
- Bedieneinheit und Temperaturfühler im Salon einbauen (Kabel durch das halbe Schiff bis zur Heizung)

Also es gibt ein Menge zu Tun und zu beachten.
Herstellen der Abgasöffnung (Auspuff)


Einige Leute fragen uns was wollt ihr denn in dieser subtropischen/tropischen Gegend mit einer Heizung. Erstmal ist ja unserer Plan irgend wann wieder in kühleren Gebieten unterwegs zu sein (Südamerika) und ganz Wichtig ist das Trocknen des Bootsinneren.

Wenn man keine Heizung braucht, weil es warm genug ist, dann braucht man trotzdem unbedingt Lüftung, um z.B. das im Schlaf ausgeatmete Wasser aus dem Boot zu schaffen. Bei Windstille, Wind aus der falschen Richtung oder Regen ist diese Funktion der Heizung ist also nützlich, manchmal fast unentbehrlich.

Montag 23.11.2015
Wieder hat ein deutsches Schiff an unseren Steg angelegt. Ingrid als Kontakt-Spezialist ist gleich am nächsten Tag hin und schon beim ersten Anblick staunte sie nicht schlecht, denn wir kannten sie von der Marina in San Georgio de Norgano (unserer Startpunkt in der nördlichen Adria) sie wussten auch alles über uns.
Segeln mit Handtuch und Skateboard
Sie sind mit dem Ziel Karibik ein Monat vor uns losgefahren. Sie sind mit ihrem Sohn (11 Jahre) unterwegs. Ingrid wusste das am Nachbarsteg eine deutsche Yacht liegt die auch in die Karibik wollen und auch einen Jungen an Bord haben. Kurzerhand hat sie sich den einen geschnappt und ist zu anderen Yacht gegangen.
Seitdem sind die beiden unzertrennlich und verbringen die Zeit bis zur weiter Fahrt gemeinsam und glücklich. Ingrid freut sich über die gelungene Aktion. Beide Besatzungen freuen sich das der jeweilige Sohn ein Spielkameraden hat und das sie sich im Verlauf ihrer Reise immer wieder treffen können. Also rundum nur Glückliche und zufriedene Leute.








Mittwoch 02.12.2015
Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel es sind 20 Grad im Schatten und windstille was für ein Wetter im Dezember.
Für heute Nachmittag sind wir von befreundeten Langfahrtseglern (Marianne und Everett) zum Grillen auf der Yacht eingeladen. 

Während ich diese Zeilen schreibe tönt die Musik mit unbeschreiblicher Leichtigkeit aus dem Lautsprecher, ich lächele und könnte mir im Moment kein schöneres Leben vorstellen!

Dienstag, 20. Oktober 2015

Von Sardinien bis Spanien



Vorab noch eine Bemerkung. Immer wieder taucht die Frage auf wo seid ihr. Auf unserer Webseite gibt es einen Butten „gesegelte Route“ da öffnet sich eine Webseite die in Echtzeit per Satellit unseren Weg bzw. Aufenthaltsort anzeigt. Beim vergrößern wechselt man von Google-Maps in Google Earth und kann so auf den Meter genau erkennen wo wir sind.

Montag, 21.09.15
Wegen Sturm im Hafen von Teulada
Erstmal haben wir nur für einen Tag bzw. Nacht gebucht (42 Euro + 10 Euro Kaution für Magnetkarte Dusche und WC), aber heute haben wir um 4 weitere Tage verlängert denn der Sturm (Mistral) war noch zu stark. Wir hatten aber überhaupt kein Grund uns zu ärgern denn gleich am nächsten Tag bin ich mit sehr netten Leuten (sie sind gerade zurück von einer Weltumsegelung) in die nächste Stadt gefahren, wo jeden Montag ein riesiger Markt ist. Klaus ist auf dem Boot geblieben den Einkaufsausflüge sind nicht sein Ding.
Am Nachmittag haben wir dann die Gegend erkundet, immer an der Steilküste lang bis zu einem Campingplatz mit Bar und Einkaufsmarkt wo man alles bekam. Nur wenige Meter vom Hafen entfernt fanden wir eine kleine idyllische Bucht mit glasklaren Wasser zum baden und schnorcheln. Aber auch im Hafen am Steg war das Wasser so klar das man den Untergrund und die Fische klar und deutlich sehen konnte.
Vor allen Dingen nutzten ich die Zeit um etliche anstehende Aufgaben zu erledigen.           z.B.:
- Wäsche gewaschen   (Bettzeug & Handtücher)
- im gesamten Boot Staub gesaugt
- Regale und Fächer neu sortiert, denn es hat ja mächtig geschaukelt und einiges durcheinander gewirbelt

Und so waren die Tage mit Wandern und Erledigen von Aufgaben ruckzuck um und wir bereiteten uns auf die Weiterreise vor.

Freitag, 25.09.2015
Auf nach Menorca
Am Freitag um 7Uhr ging es dann los (seit zwei Tagen hatten wir kaum Wind und wir hofften das sich das Meer auch etwas beruhigt hat) Kaum das wir aus der Bucht heraus waren mussten wir erkennen das sich unsere Hoffnung nicht erfüllte. Wellen von 4 bis 5m Höhe von der Seite und schwacher Wind von Hinten. Wegen des schwachen Windes mussten wir mit Motor fahren und obwohl wir das Großsegel gesetzt haben (zum Stabilisieren) war es ein riesen Geschaukel mir wurde das erste Mal schlecht das nennt man dann wohl Seekrank. Klaus musste die Nacht mit nur ein paar Minuten Schlaf alleine meistern.

Sonnabend, 26.09.2015
Mir geht es wieder besser ich konnte um 12 Uhr wieder Frühstücken. Klaus wollte sich zum schlafen gerade ein bisschen Hinlegen als die rote Ladekontrolle aufleuchtete und alle Kontrollanzeigen aus waren. Mit ordentlichen Flüchen auf der Lippe begann er die Fehlersuche (bei den Wellen mit Sicherheit kein Vergnügen) gegen 14 Uhr hat er das abgerissene Kabel gefunden und erst einmal provisorisch überbrückt. Jetzt konnte er eine Runde schlafen gehen. Die zweite Nacht bricht an und wir haben den Eindruck das sich die Meeresoberfläche noch wilder gebärt. Auf der Wetterkarte ist zu erkennen das der Sturm vor Marseille (Süd Frankreich) noch immer mit voller Kraft tobt und wir die Wellen abbekommen.

Sonntag, 27.09.2015
Aber auch die nicht so guten Stunden gehen mal vorbei und dann heißt es am frühen
Morgen „Land (Menorca) in Sicht“. Wir waren uns einig in der in einer Seiten-Bucht (Cala Taulera) des Hafen Mahon zu Ankern. Der Hafen Mahón mit seiner tief verwurzelten Seefahrertradition ist der östlichste von Spanien und nach Pearl Harbor (Hawaii) mit einer länge von 5,5 km und einer Breite von 1,2 km der zweitgrößte Naturhafen der Welt. Aufgrund seiner Lage hatte dieser Naturhafen bereits im Altertum Bedeutung und wurde schon von den Phöniziern angelaufen.
Die Einfahrt zur Ankerbucht ist gar nicht so leicht zu erkennen, vor allem wenn man völlig übermüdet ist aber dann liegt man völlig romantisch zwischen den Festungsanlagen von La Mola und der Insel Lazareto. Nach ein ausgiebigen Mittagsschlaf hat Klaus erst einmal das abgerissene Kabel in Ordnung gebracht und die Aufhängung der Lichtmaschine (wegen Keilriemen) geändert. 

Montag, 28.09.2015
Heute machen wir ein Ganztagsausflug mit dem Schlauchboot. Wir wollen durch ein schmalen Kanal in den Hafen Mahón.
Aber gerade als wir in den Kanal wollten kommt uns ein Ausflugskatamaran entgegen der diesen voll ausfüllte – nah was für ein Schreck.
Wir sind die gesamte Bucht/Hafen abgefahren die Eindrücke waren überwältigend. In einer romantischen Bucht (Villacarlos) mit vielen Fischerbooten und in den
Felsenhöhlen eingebauten Geschäften und Bars sind wir an Land gegangen. Nach ein ausgiebigen und guten Essen in einer Hafen-Bar und einen groß Einkauf fahren wir zurück zum Schiff.



Dienstag, 29.09.2015
Anker hoch und mit dem Schiff noch einmal in den Hafen von Mahón zum Tanken. Obwohl der Dieselpreis weitaus günstiger als in Italien ist sind wir bei 550 Liter mit 708 Euro dabei. Aber heute ist die Windrichtung gut und wir können unter Segel in Richtung Nord-West Küste von Menorca. Wir haben uns die Bucht „Cala Santandria“ ausgesucht. Im Handbuch stand geschrieben: „es ist eine schöne und sichere Ankerbucht und der Ankergrund besteht aus gut haltenden Sand“. Dort angekommen stellten wir fest das die Bucht sehr schön aber auch sehr schmal war.

Mittwoch,     30.09.2015
Donnerstag, 01.10.2015

Eine Nacht die wir den Rest unseres Lebens nicht mehr vergessen werden!!!
Es waren noch drei weitere Yachten in der Bucht davon zwei mit Landleinen (damit sie vor Anker nicht hin und her pendeln).
Wir hatten die neuste Wetterkarte und wussten das ein gewaltiger Sturm auf uns zu kam. Für unsere Bucht waren ca 30 Knoten Wind von Nord/Ost angesagt. Alle waren der Meinung das wir durch die Landabdeckung genug gesichert waren und an Ort und Stelle bleiben konnten. Gott sei Dank hat Klaus mit mir für den Fall das etwas schief laufen sollte einen Notfallplan durchgesprochen. Der Sturm sollte die Nacht um 2 Uhr eintreffen und wir haben festgelegt das wir Ankerwache halten. Aber es kam ganz anders um 20.30 Uhr gab es ein riesen Schlag und das Schiff legte sich auf die Seite ich dachte wir kentern in diesem Moment schrillte der GPS-Ankeralarm das heißt der Anker war Ausgebrochen. Ich kroch so schnell ich konnte zur Ankerwinsch und Klaus startete den Motor um den Anker entgegenzufahren. Jeder wusste was er zu tun hatte da wir den Plan B durchgesprochen hatten. Der Plan war Anker hoch, rückwerts bis in die Einfahrt der Bucht und Anker mit 80 m Kette wieder rein damit wir hinter uns freies Meer und keine Felsen haben. Die Windanzeige zeigte mittlerweile 58 Knoten (ca 100km/h) rechts und links die Felsen und für einem Moment dachten wir das war es. Wir schafften es rückwerts raus aus der Bucht und wie abgesprochen bei der gelben Tonne den Anker rein aber dann passierte es wir kippten in ein extrem steiles Wellental, erzeugt von der Felssteilwand, und die Ankerkette die durch das ganze Chaos lose auf Deck lag sprang über die Ankerwinsch, die gesamte Ankerkette rauschte raus bis zum kleinen End-Schäkel, an ihm hingen jetzt 20 Tonnen bei einen Wind in Orkanstärke. Die nächsten vier Stunden fuhr Klaus mit Motor dem Anker entgegen um ihn zu entlasten. Wir schwoiten (pendelten) dermaßen stark und lagen so schräg das das halbe Deck unter Wasser stand. Gegen früh pendelte sich der Wind bei 35 bis 40 Knoten ein und wir konnten die Entlastungsleine die wir um die Ankerkette gebunden hatten fester ziehen und brauchten nicht mehr den Anker entgegen fahren. Nebenbei sahen wir das die 51 Fuß Yacht die mit zusätzlichen Landleinen festgemacht war sich in großen Schwierigkeiten befand. Sie hatte wohl Berührung mit den Felsen und es waren Kinder an Bord wir wollten uns gar nicht vorstellen was da an Bord los war. Aber irgendwie haben sie es auch aus der Bucht heraus geschafft. Sie sind haarscharf an uns vorbei, mit dem Sturm nach Süden. Bis zum Mittag schwächte sich der Wind soweit ab das Klaus die Kette über die Ankerwinsch heben konnte. Da der Wetterbericht für die nächsten Tage ruhiges und schönes Wetter vorher sagte beschlossen wir in die Bucht zurückzukehren und noch ein paar Tage zu bleiben.

Freitag, 02.10.2015
Heute ist der Tag um die Schäden zu besichtigen. Am Nachmittag vor dem Sturm hatten wir das Besan-Segel (das Segel vom zweiten Mast) ein Stück ausgerollt damit es als Bremse dient und das Boot nicht zu stark hin und her schwingt.

Als der Sturm in vollen Gange war, wurde der ausgerollte Teil Komplett zerrissen. Noch schlimmer hat es unsere Fock (das zweite Vorsegel) erwischt, obwohl es stramm aufgewickelt war fand der Wind ein Angriffspunkt und zerlegte es mit einen riesen Lärm in Hunderte Teile. Dabei können wir noch froh sein das die große und teure Genua (erstes Vorsegel) verschont wurde.
Ein weiterer Punkt war das das Ruder durch die extrem harten Schläge auf das Ruderblatt und die starken Vibrationen hat sich die Schraubverbindung vom Hydraulikzylinder zum Ruderquadranten gelöst. Hätten wir das nicht gemerkt und die Verbindung hätte sich in einer entscheidenden Situation gänzlich gelöst hätte es üble Folgen für uns haben können. So verbrachte Klaus den Freitag und Sonnabend mit Segel bergen und Reparaturarbeiten. Ich fuhr mit dem Schlauchboot an das Ende der Bucht um den Ort zu erkunden und etwas einzukaufen.

Sonntag, 04.10.2015
So ganz langsam haben wir uns von der Schreckensnacht erholt.
Als Belohnung für die Überstandenen Stunden gönnen wir uns heute ein Besuch in ein Steak Haus das zum Teil in einer Höhle eingebaut wurde – super schön.
Klaus gönnte sich gleich mal ein 500g T-Bone-Steak.

Montag, 05.10.2015
Heute wollen wir ein Ausflug nach Ciutadella machen. Da wir den Bus verpasst haben beschlossen wir uns zu Fuß aufzumachen, was wir nicht bereuten, denn wir bekamen viel mehr zu sehen. So ging es an der Steilküste entlang bis zur Cala (Bucht) Degolador und dann weiter nach Ciutadella. Unheil kommt in Ciutadella immer vom Meer. In früheren Zeiten waren es die Piraten, und seit Menschengedenken sind es bis heute die gefährlichen „Rissagas“, die in unregelmäßigen Zeitabständen den Hafen verwüsten. Unter bestimmten meteorlogischen Bedingungen in den Sommermonaten besteht in diesem Hafen absolute Gefahr, zumindest für das Schiff. Über Jahre hinweg wurden hier gravierende Wasserstandsänderungen festgestellt, die erhebliche Schäden an Yachten und Fischerbooten verursachten. So fiel der hintere Teil des Hafens bis zum Club Nautic in der Nacht vom 20. Zum 21.06.1984 gegen 4 Uhr trocken. Kurze Zeit später kam die Flutwelle, und 78 Fischerboote und Jachten wurden stark beschädigt oder sind gesunken.
Beim Bummel durch die Stadt zur Plaza Vieja geht man durch Kolonnaden mit Spitzbögen und enge Gassen und man hat hinter dem Rathaus vom Paseo Borne ein herrlichen Blick zum Hafen. Die Restaurants an der Hafenfront sind teuer, aber bequem zu erreichen; man kann vom Boot übersteigen und an den Tischen auf der Mole direkt Platz nehmen. Wir haben uns ein gefüllten Kraken nach ein menorquinischen Rezept bestellt, der hat super geschmeckt. Über den Nachtisch haben wir uns dann doch geärgert, eine mini Süßspeise in der Industrie Plastik Verpackung für 5 Euro.

Dienstag, 06.10.2015
Im Moment haben wir günstigen Wind um nach Mallorca zu kommen obwohl die Wellen wahrscheinlich noch riesig sein werden und deshalb beschließen wir den Anker zu lichten und zu starten.

Die Wellen waren so gewaltig das sie uns ein Fisch an Deck gespült haben. Dann bekamen wir Besuch von einer Schwalbe, erst ist sie sofort unter Deck in den Salon geflogen das hat ihr wohl nicht gefallen und so hat sie sich an Deck einen halbwegs ruhigen Platz gesucht und ist ein paar Stunden mitgefahren
(zwischendurch ist sie immer mal eine Runde ums Boot geflogen aber weit und breit kein Land, also wieder gelandet.
Es ist 18.00 Uhr und die Nord/Ost-Küste von Mallorca liegt vor uns – was für ein imposanter Anblick. Die Küste ist steil ins Meer abfallend. Hier beginnt das Gebirge, die Tramuntana, das sich der Küste entlang bis hinunter nach Andraitx hinzieht. Hoch oben in 330 m Höhe steht der weiße Leuchtturm, seit 1862 Wegweiser und oft ersehnte Landmarke der Seefahrer. Das Cap de Formentor wird auch Treffpunkt der Winde genannt, denn im Winter blasen der Mistral und
Llevant schon mal in Orkan-stärke und werfen riesige Wellenberge an die Küste. Da wir Wind und Welle von hinten hatten war die Einfahrt in die Bahia de Pollença kein Problem. Wir haben beschlossen vor dem Hafen der Stadt Port de Pollença zu ankern. Am nächsten Tag fahren wir in die Stadt um sie zu besichtigen und ein bisschen einzukaufen. Trotz des regen Touristenverkehrs sind die Grundzüge dieses alten Fischerortes erhalten geblieben.
Heute war Markt-Tag und die halbe Innenstadt war zum Markt und zur Fußgängerzone umfunktioniert worden, wir hatten das Gefühl das sich alle Touristen von Mallorca dort getroffen haben. Wir bekamen regelrecht Platzangst.

Donnerstag, 08.10.2015
Der Wind weht immer noch mit 20 bis 25 Knoten von Nord/Ost beste Voraussetzungen um nach Süd/West zu segeln also Anker auf und los. Aber erst einmal musten wir gegen Wind und Welle mit Motor aus die Bucht raus. Die gewaltigen Wellen krachten dermaßen gegen die Steilküste das uns ganz Mulmig wurde und wir fuhren in einem großen Bogen um das Cap de Formentor. Aber dann alle Segel hoch und zwischen 8 und 9 Knoten vorwärts (Wellen schräg von Hinten) das war ein Segelerlebnis vom Feinsten und ist im Mittelmeer eine Seltenheit. Aufgrund des günstigen Windes verzichteten wir auf ein Zwischenstopp in Ibiza und hielten direkt Kurs auf Almerimar (Spanisches Festland – westlich von Almeria).

Sonntag, 11.10.2015
Almerimar – ein großer Hafen mit perfekter Organisation. Zum ersten Mal werden wir in der Capitaneria auf Deutsch begrüßt. Da staunt man nicht schlecht.
Und dann die Liegegebühren: Das hier ist der billigste Hafen an der ganzen spanischen Küste. Strom und WiFi müssen zwar extra bezahlt werden, aber trotzdem, unschlagbar billig. Dafür gibt’s auf dem Klo auch kein Klopapier und auch keine Seife – nicht etwa, dass das vergessen wurde, es gibt einfach keine Einrichtungen dafür – aber alles ist sauber und entspricht durchaus den Anforderungen.
Almerimar ist offenbar DER Hafen für die Langzeitsegler zum überwintern. Gleich im Hafenbüro werden wir darauf hingewiesen, 1. wie preisgünstig man hier im Winter liegen kann, sowohl im Wasser, als auch an Land und 2. dass auch im Winter die Infrastruktur mit allem, was man so braucht, vorhanden ist. Offenbar überwintern hier nicht nur die Segler, sondern auch jede Menge andere Menschen mit Wohnmobilen aus Nordeuropa, die dem nordischen Winter entfliehen wollen. Für uns war klar nach den anstrengenden Wochen, wir überwintern hier und deshalb haben wir den Liegeplatz gleich für 6 Monate gebucht.
Wir haben nicht weit von unseren Liegeplatz, einen englischen Pub, das Stumble Inn, in dem es Guinness vom Fass und ein preiswertes, reichliches, gutschmeckendes Essen gibt zu unserer Stammkneipe erklärt. Die Welt ist in Ordnung!
Am nächsten Tag treffen wir Alex, eine Deutsche, die neben dem Pub eine Wäscherei betreibt und gleichzeitig Transocean-Stützpunkt ist.
Sie beschreibt uns alle Vorzüge dieses Hafens in schillernden Farben, dies sei DER Platz zum überwintern und überhaupt, was Besseres würden wir an der ganzen spanischen Küste nicht finden. Wir erzählen ihr, dass wir die nächsten sechs Monate zum überwintern hier bleiben, nicht zuletzt deswegen, weil wir in Ruhe unsere Schäden am Boot und Segel reparieren müssen. Wir unternehmen einige Gewaltmärsche um und durch den Ort um alles mit einmal kennenzulernen (als wenn wir nicht
genug Zeit hätten) und wir haben eingekauft. Der Supermarkt hier ist unschlagbar ein Sortiment das kann man sich kaum vorstellen. Alleine an der Fischtheke bekommt man große Augen. Klaus hat den Segelmacher aufs Boot bestellt er soll ein Angebot für neue Segel und Reparaturen machen. Ich suche nach einer Möglichkeit das Tretlager von Klaus sein Fahrrad zu reparieren. Alex meinte ich sollte mal zum Inox-Schlosser (Edelstahl) gehen der kann alles. Er kann aber letzt Endes auch nicht alles statt dessen hat er das Fahrrad Udo, den Freund von Alex, mitgegeben um es in der nächsten Stadt (El Ejido) in eine Fahrradwerkstatt zu schaffen. Die Hilfsbereitschaft ist hier sagenhaft. Mittlerweile haben wir auch die Angebote für unsere Segel. Es liegt in dem Rahmen wie wir schon vermutet haben und wird unser Budget stark belasten. Dadurch das wir Weihnachten nicht auf den Kanaren sind haben wir beschlossen zu den Feiertagen nach Stuttgart zu unserer Tochter zu Fliegen und den Flug gleich gebucht von da aus geht’s im Januar mit der Bahn in die Schweiz zu unseren Sohn. Wie man sieht wird es uns nicht langweilig. Aber auch hier ist für Abwechslung gesorgt denn Udo der beim übersetzen hilft macht nebenbei Musik in einer Band und hat am 31.10 ein live Konzert im Stumble Inn zu dem er uns Eingeladen hat.

Montag,19.10.2015
Es sind 28°C im Schatten und wir haben zum plaudern super nette Boots-Nachbarn aus England, Schweden der Schweiz und Österreich. Wir können nur sagen wir haben alles richtig gemacht. Und über irgendwelche Probleme können wir nur Lachen.